4. Reisebericht Türkei 2. Etappe S2 - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Türkei, 2. Etappe Teil II
7. Oktober bis 1. Dezember 2011

Cukurova und östlicher Teil der Türkischen Riviera


Das Gebiet Cukurova bzw. die Schwemmlandebene streifen wir nur. Hier ist es noch richtig warm ungefähr 17 Grad., genau richtig nach der Kälte im Inland. In diesem Klima gedeiht natürlich auch viel und daher gibt es kurz vor Tarsus riesige Mandarinen- und Orangenplantagen. Überall stehen riesige Gewächshäuser, alles ist grün, Palmen säumen den Straßenrand.
Die Stadt Tarsus ist keine Schönheit, kommt eher trist daher und wirkt bescheiden. Man macht hier nicht auf Großstadt. Auf dem Weg nach Icel dann allerdings viel, viel Industrie. Und es gibt etwas, das man in der Türkei nicht so oft sieht, eine Eisenbahn mit Güterwagons und Verladestationen.
Sehr bald schon fahren wir durch die Vororte von Icel, einer wie uns scheint, sehr armen Gegend. Es schaut so aus, als ob hier viele ihr Glück versuchen würden. Landflucht, viele, die hier zuziehen kommen aus dem Osten der Türkei. Ob sie es hier wirklich besser haben wagen wir zu bezweifeln.
Icel ist eine sehr moderne Stadt und scheint sehr wohlhabend zu sein. Große Bürokomplexe, tolle Geschäfte. Konservatives sieht man im Zentrum weniger, dafür die Damen im Business Outfit, hohe Schuhe und Seidenstrümpfe, elegant gekleidete Herren, schicke Restaurants und teure Autos.
Diese Stadt ist riesig, man fährt eine ganze Weile bis man aus der Stadt raus ist, vorbei an 12-stöckigen Hochhäusern, die entlang der Küste wie ein Schutzwall hochgezogen wurden. Immer wieder Rohbauten, später in Erdemli dann wieder Gewächshäuser und Plantagen. Jedes Stück Land ist hier genutzt. Kilometerlang geht hier Ortschaft in Ortschaft über.
In Kizkalesi, wo wir zwischen Baustellen einen netten Stellplatz am Meer finden, lernen wir einen deutschsprachigen Türken kennen. Mit ihm und seinem Freund unterhalten wir uns lange und nett bei Tee und Kaffee. Sie erzählen uns, dass in diesen vielen, teilweise noch im Rohbau befindlichen Hochhäusern, vorwiegend Holländer und Deutsche Wohnungen kaufen, um dann 3-4 Monate im Jahr hier zu sein. Gleich eine Ortschaft weiter, in Narlikuyu, bleiben wir noch 2 Tage in einer wunderschönen Bucht.

Wir erledigen wieder mal ein paar kleinere Reparaturen und bringen unseren Haushalt in Ordnung. Unsere Winterklamotten werden aus den Stahl-Boxen auf dem Fahrerhaus gesucht, und im Gegenzug, ein wenig melancholisch, gegen unsere kurzen Hosen ausgetauscht. Es gibt jede Menge zu tun. Die Zeit vergeht wie im Flug. Aufstehen, draußen(!) frühstücken und um 16:30 Uhr ist es ja auch schon wieder dunkel. Ab und zu kommen tagsüber ein paar Angler in die Bucht, aber das war es auch schon. Wir genießen diese warmen Herbsttage hier. Der Winter in Deutschland wird noch lange genug.


                                                  
        


Nach diesen erholsamen Tagen fahren wir weiter, die Küste entlang, in Richtung Silifke. Das Delta des Göcksu Nehri, teilweise Naturschutzgebiet, soll besonders im Winter, wenn unsere Zugvögel hier Zwischenstopp machen, interessant sein. Die Eiablage der Schildkröten in den Dünen findet bereits im Herbst statt, die dürften also alle geschlüpft sein, aber wir sehen viele Störche und Reiher. Nur sind wir keine Ornithologen und kennen uns zugegebenermaßen überhaupt nicht mit Vögeln aus, dennoch die Landschaft hier ist schön und man kann wunderbar lange Spaziergänge am Meer und in diesem Delta unternehmen. Hier könnte man ewig laufen. Wir finden auch einen sehr schönen Stellplatz direkt im Delta, an der Spitze einer Landzunge. Als wir morgens aufwachen ist es zwar sehr sonnig, aber total stürmisch. Es gefällt uns so gut hier, dass wir noch eine Nacht im nächsten Ort, in Tasucu verbringen wollen. Wir werden heute einen ganz einfachen „Sonntagsausflug“ unternehmen. Tasucu ist ein netter, einfacher Fischerort, der durch die Fähren nach Zypern ein wenig Trubel gewinnt. Überhaupt hat man den Eindruck, dass die ganze Küste bereits im Winterschlaf steckt. Wir schlendern gemütlich über den heutigen Sonntagsmarkt, besichtigen die Burg in Silifke und sehen uns in der Stadt um. Ein bisschen kommen wir uns vor wie die Rentner, die hier überwintern. Der Sturm ist noch stärker geworden und diese Nacht schüttelt es uns im LKW richtig durch.

Etwas müde und zerknirscht von der unruhigen Nacht verabschieden wir uns (wieder mal) vom Meer und den angenehmen 17 Grad und fahren über Silifke ins Landesinnere Richtung Mut durch den Canyon des Göcksu Nehri. Landschaftlich schroffe Szenerien, kurvige Landstrasse am Fluss entlang, dazwischen immer wieder Orangenplantagen. In den kleinen Dörfern an der Strasse sitzen die Männer wieder bei Tavla und Tee vor den Teehäusern. Abseits der Küste wird es halt auch wieder ursprünglicher. Leider werden viele schöne Ausblicke vom herumliegenden Müll getrübt. In vielen Teilen des Landes ist es nicht so arg, aber hier empfinden wir es schlimm. Vor Mut öffnet sich die Landschaft in eine faszinierende Mixtur aus Senken, Tafelbergen, Täler mit Pappelwald.
Diese Halbwüste sieht aus wie eine Mondlandschaft, alles sandfarben, aber dazwischen Obstbäume mit gold-braun-rot verwelktem Blattwerk. Der Göcksu Nehri fließt hier gemächlich dahin und bietet so die Grundlage für die vielen fruchtbaren Felder in dieser ansonsten trockenen Gegend. Mut ist Zentrum des Olivenanbaus. In einem „outlet“ kaufen wir sehr gutes Olivenöl. Hier kann man zuschlagen, da gibt es nichts zu überlegen. Weiter Richtung Karaman geht es wieder durch eine reizvolle Berglandschaft, leider verpassen wir wegen Baustellen die Abfahrt zum „Alahan Manastiri“ einer sehenswerten Ruine in den Bergen. Wir haben es einfach zu spät gemerkt, dass wir vorbei sind und umdrehen lohnte sich nicht mehr. Auf dem Pass, den wir zwischenzeitlich erreicht haben, liegt wieder Schnee und es weht ein eiskalter Wind, so wird aus diesem Tag leider ein Fahrtag.

Westanatolisches Binnenland

Über ewig weite Ebenen geht es Richtung Konya. Kornfelder so weit wir sehen können und es geht ca. 100 km fast gerade aus. Dann beginnt die Stadt mit ihren Ausläufern. Wir sehen die ersten großen Industriehallen und Hochhäuser. Fast zentral in der Stadt finden wir ein Plätzchen auf einem öffentlichen Parkplatz in einem Wohngebiet. Mit der Trambahn fahren wir am nächsten Morgen ins Zentrum. Wir besichtigen das Mevlana Museum, ein ehemaliges Derwisch Kloster, einige Moscheen und zu guter letzt das Shopping Center in dem neuen 42-stöckigen Glasturm Kule Plaza, von dem wir ganz beeindruckt sind. Es macht richtig Spaß den ganzen Tag in der Stadt umherzulaufen. Zum Ende des Tages gönnen wir uns einen Hamam Besuch. Müde und zufrieden fallen wir früh ins Bett.


Wenn ich bisher über Konya gelesen habe, dann hatte ich den Eindruck einer konservativen „grauen Maus“ gehabt, aber mitnichten. Konya präsentiert sich uns modern, offen und sauber. Auch wenn die „Kopftuchdichte“ hier scheinbar größer ist als in anderen Städten der Türkei, können wir nicht sagen ob die Religiosität bzw. der Islam hier strenger gelebt wird. Wir sehen genauso Mädchen und junge Frauen in engen Jeans und hohen Schuhen, flott geschminkt und ohne Kopftücher. Für uns ist Konya eine interessante, aufstrebende Industriestadt und alles andere als eine graue Maus.
Es ist bereits der 23. November und unser Kalender drängt zur Weiterfahrt. Auf der D330 geht es raus aus Konya durch sehr gepflegte neue Wohnviertel in Richtung Isparta. Wir wollen nach Afyonkarahisar.


Schock in der Mittagspause! Während wir so dahin fahren kracht es hinten im Aufbau. Die große Schublade im Küchenblock ist aufgegangen. Die Frage wer sie vergessen hat zu schließen erübrigt sich, denn wir sehen schnell, dass das Schloss in sich gebrochen ist. Gott sei Dank ist nichts weiter passiert. Wir tauschen das Schloss aus und können durch eine völlig unspektakuläre Mittelgebirgslandschaft weiter nach Aksehir fahren.


Afyonkarahisar, ist das Zentrum des Opiumanbaus für die Arzneimittelindustrie. Im Frühjahr muss das hier sehr schön sein, wenn auf den vielen riesigen  Feldern rund um die Stadt der Schlafmohn blüht. Die Stadt empfängt uns in ihrem Umfeld mit unzähligen Ziegel- und Steinbrennereien. Die Altstadt ist wieder mal eine Stadt so richtig nach unserem Geschmack. Kleine verwinkelte Gassen mit alten maroden Holzhäusern oder fein renovierten Konaks, sowie ein Handwerker Viertel, in dem das Handwerk noch gelebt wird. Alles im Schatten eines mächtigen Burgbergs.


Wir schlendern umher, entdecken dabei eine kleine private Druckerei. Und als wir durchs Fenster die alte „Heidelberger“ Druckmaschine bewundern, werden wir prompt hereingebeten und zum Tee eingeladen. Mit dem Google Übersetzungsprogramm im Computer unterhalten wir uns sogar ganz angeregt. Man muss sich nur zu helfen wissen.



Über Usak geht’s nach Dogazak und dort rechts ab. Es ist eine Landschaft, die wir so in der Türkei noch nicht gesehen haben, viel Wald und daher viel Holzwirtschaft.
Auf ganz kleiner Strasse, teilweise Schotter geht es durch kleine ursprüngliche Bauern-, bzw. Bergdörfer, die mit Sicherheit noch nicht viele Touristen gesehen haben, so z.B. Yildirim Kemal, Göynük und Cebrail. Diese Ortschaften sind teilweise sehr klein, in einigen sehen wir zerfallene Konaks. Nach Cebrail verfahren wir uns und landen auf einem Waldweg, nach dem Motto „man dreht nicht um, es wird schon richtig sein“, nur um letztendlich dann doch wieder zurückzufahren. Bei diesem Ausflug in die Wälder müssen wir so irgendwie so blöd an einem Ast „eingefädelt“ haben, dass es die Verkleidung verbogen hat. Wir werden das Fahrzeug auch in Einzelteilen wieder zurück bringen. Plötzlich, hier in diesem unscheinbaren Ort blinkt am Rechner unsere Internetverbindung. Wir sind online! Das wird sofort genutzt.


Mitten im Ort sitzen wir dann in unserem Wohnzimmer und checken emails, bzw. installieren schnell mal ein neues Antivirenprogramm. Wie immer ist das zeitaufwändig, daher kommen wir erst spät von hier weiter, um nach Cavdarhisar zu fahren. Wir wollen mal wieder in die Antike abtauchen. Hier in Cavdarhisar stehen bzw. liegen die Überreste einer antiken Stadt, Azanoi, weit verbreitet mitten in der anatolischen Prärie. Die Highlights Azanoi’s sind mit Sicherheit der Zeustempel und die Überreste eines riesigen Stadions in Kombination mit einem Theater. Es ist schon sehr beeindruckend was uns diese Menschen hinterlassen haben. Manchmal frage ich mich was unsere Nachfahren in 2000 Jahren von uns noch zu sehen bekommen.


Entgegen unserem bisherigen Vorhaben zurück nach Deutschland ebenso über Istanbul zu fahren, haben wir nun beschlossen, einen Teil der Nordägäis zu durchfahren. Großstädte haben wir jetzt genug gesehen, und irgendwie sind alle mehr oder weniger gleich. Ich habe auf unserer Karte eine interessante Ecke entdeckt und so geht es nach unserem Spaziergang durch die Antike in Azanoi weiter auf Nebenstrassen in die Stadt Emet. Von dort weiter wieder auf sehr enger Strasse durch ein kleines Tal entlang an einem natur belassenen Fluss durch Dörfer nicht größer als Weiler oder Almdörfer nach Egrigöz. Die Häuser hängen regelrecht am Berg. Nach dem Ort weiter auf schmaler, steiniger und staubiger Piste immer weiter bergauf. Die Ausblicke sind vom Feinsten. Diese Strecke ist nicht im Reiseführer beschrieben, schaut aber eben auf unserer Karte sehr spannend aus. Am Nachmittag stehen wir auf einer Lichtung im Wald und genießen den Sonnenuntergang, ein Traumschlafplatz. Hier wollen wir übernachten. Kaum ist es dunkel hören wir Motorengeräusch. 4 Männer kommen zum LKW, einer telefoniert und gibt irgendwohin unser KFZ Kennzeichen durch, dann kommen noch 2 Männer dazu. Es sind anscheinend Waldarbeiter, die uns haben kommen hören oder sehen. Hier kann man sich nirgends sicher sein, ob nicht doch irgendwo ein Mensch ist.
Da die Verständigung nur sehr eingeschränkt funktioniert können wir nur vermuten, dass die Herren neugierig sind und wissen wollen, was wir hier machen. Nach einer Stunde etwa ziehen sie wieder ab. Später, so gegen 22:00 Uhr, wir liegen schon im Bett und lesen, hören wir wieder Motorengeräusch, hier oben? So spät? Plötzlich sehen wir einen Suchscheinwerfer auf unser Fahrzeug durch die Bäume gerichtet. Jendarma !! Was soll das jetzt werden? Schnell stehen wir auf, Klaus zieht sich warme Sachen an und geht raus. „Passport“ höre ich drinnen und dann freundliches Lachen, es kommt das übliche „Bayern München“, das löst normalerweise alle Spannungen, diesen Verein kennen fast alle Türken. Aber, sie bleiben hart, wir sollen hier weg, es wird viel telefoniert. Dann erklären sie, es sei hier oben zu gefährlich, es gäbe Menschen, die schießen und wir müssen weg.
Wir wissen zwar nicht, was hier gefährlich sein soll, aber wir „gehorchen“. Notdürftig packen wir zusammen und fahren mürrisch die 8 km den Berg wieder hinunter nach Egrigöz, in die letzte Ortschaft. Dort gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten, also stellen wir uns auf den Dorfplatz.


Die Waldarbeiter waren wohl um unserer Sicherheit besorgt, erfahren wir am nächsten Morgen. Es hat sich im Dorf schon rum gesprochen, dass uns die Jendarma vom Berg geschickt hat. Ein älterer Herr, erzählt uns das. Er und sein Cousin waren gemeinsam in Duisburg bei Thyssen, jetzt leben sie wieder hier. Sie laden uns zum Tee ein. Die Herren sind sichtbar glücklich Deutsche zu treffen. Die Kinder sind alle in Deutschland und haben dort Familie. Die Alten, bekommen für 35 Jahre Maloche in Deutschland von dort Rente und pendeln hin und her um die Kinder und die Enkel zu sehen. Permanente Aufenthaltserlaubnis gibt es eben nicht in allen Fällen. Typisches Gastarbeiterschicksal.

Als wir weiterfahren lösen sich die letzten Nebelschwaden auf und es wird wieder ein sehr sonniger Tag. Herausforderung des Tages ist mit Sicherheit die Ortsdurchfahrt von Yaylayolu. Hier hat kein Finger mehr zwischen LKW-Aufbau und Hausdach Platz. Das wäre beinahe das Ende dieser tollen Strecke gewesen. Millimeterarbeit vor und zurück und Beten, dass die Bodenplatten halten.


Aber es hat mal wieder geklappt und so geht es weiter auf kleinster Strasse Richtung Balikoy, Hopanlar und dann nach Dursunbey. Die Landschaft zeigt sich mittlerweile kahl, auf Winter eingestellt. Wenn nicht schon abgefallen, ist das Laub an den Bäumen ganz braun und trocken.
Nichts blüht mehr, nur die Schafherden, die sieht man immer noch.
Heute begegnet uns kaum ein Mensch. Bis Balkehisar bleibt es kurvig, es geht auf und ab durch Kiefernwald. Hoch an den Hängen vereinzelt Dörfer dann wieder weite Ausblicke übers Land.
In riesen Schritten nähern wir uns unserer vorletzten Region in der Türkei- der

Nordägäis

Durch die sehr fruchtbare Schwemmlandebene bei Edremit kommen wir nach Akcay. Wir fahren auf kleiner kaum frequentierter und holpriger Uferstrasse Richtung Assos/Behramkale. Für die Türkei völlig untypisch, ist die Küste hier nicht mit Appartement- oder Hotelblocks zugebaut, sondern durchsetzt mit vielen Olivenhainen und kleinen Campingplätzen, Boutiquehotels oder kleinen Pensionen, diese teilweise ganz einfach, teilweise auch sehr nobel. Hier ist für jeden etwas dabei, nur eben nichts „Pauschales“. Und plötzlich stehen wir in einem kleinen Hafen, das ist Assos! Es geht nicht mehr vor und auch nicht mehr zurück. Ein malerischer Hafen, ein paar wenige Hotels und Restaurants in sehr schönen renovierten Steinhäusern. That’s it!
Wenige Kilometer oberhalb dieses Hafens entfernt ist Behramkale, ein ebenso malerisches Örtchen rund im einen Burgberg. Beide Ortschaften sind bei unserem Besuch menschenleer. Das mag im Sommer hier sicherlich ganz anders aussehen, das kann man sich vorstellen.


Auf dieser Halbinsel, der Region Troa, fahren wir auf holprigen Nebenstrassen durch die Dörfer, lassen uns treiben. Übrigens, liegt das Troja, das natürlich jeder aus dem Geschichtsunterricht kennt, hier auf diesem Landstrich. Wir haben uns das aber nicht angetan, es gibt da ohnehin nicht mehr so viel zu sehen. So kommen wir in das verschlafene Piratenstädtchen Babakale, mit einem überdimensionierten neuen Hafen in dem einige Fischtrawler stehen und auf die erneute Ausfahrt warten. Überall nette kleine Steinhäuschen, viele Schafe, sehr naturbelassen und ursprünglich. Von dort geht es auf kleiner kurviger Küstenstrasse weiter nach Norden. Tja und ab und zu gibt es sie dann doch, die Bausünden, sogenannte Sitesi. Ferienhaussiedlungen mit Reihenhauscharakter, eng zusammengebaut, umzäunt und bewacht wie Ghettos. Das sind Zweitwohnungen von Erholung suchenden Familien aus Izmir oder Istanbul. Ansonsten sieht man eigentlich nur Olivenhaine und Felder noch und nöcher. Bis zu den Dardanellen, der berühmte Meerenge zwischen dem asiatischen und europäischen Teil der Türkei. Bis zu 80.000 Schiffe durchqueren diese Meerenge jährlich und machen sie zu einer der meist befahrenen Meeresstrassen weltweit.
In Canakkale setzen wir nach Eceabat über und somit von Asien nach Europa. Hört sich gut an oder? Das Komische ist, es ändert sich nichts, man merkt es nicht. Jetzt sind wir in Thrakien
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Thrakien

Die Straße Richtung Edirne verläuft unspektakulär über die Halbinsel Gallipolli, durch weite Felder. Viele Kriegsdenkmäler erinnern an die vielen Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg. Hier hat einer der schlimmsten Stellungskriege seinerzeit stattgefunden. In Gelibolu, einem netten Fischerort, legen wir einen Stopp ein. Wir wollen noch mal gut Fisch essen gehen bevor wir uns, nun wirklich endgültig, vom Meer verabschieden.


Schweigend und ein wenig melancholisch fahren wir am nächsten Tag weiter nach Edirne. In Kesan kreuzen wir die Strasse auf der wir zu Beginn unserer Türkei Rundreise von Griechenland eingereist waren.
Die Gedanken sind stellenweise schon in Deutschland. Wir diskutieren und besprechen wie wir uns dort organisieren, was weiter zu tun ist und wie wir es angehen wollen. Es ist einerseits schade, dass wir einen festen Termin mit Weihnachten als Ende dieser Reise haben, andererseits lädt uns das kalte Wetter auch nicht gerade zu Aktivitäten ein. Und nicht zu vergessen, wir wollen ja auch weiter, auf große Tour.

Edirne gefällt uns, wir besichtigen die Selimiye-Moschee, angeblich die schlanksten und höchsten Minaretter der Türkei. Egal, diese Moschee ist einfach wunderschön und in ihrer Architektur harmonisch. Wir gehen ins Hamam, lassen uns massieren und schlendern anschließend durch die Stadt auf der Suche nach einem Internetcafe. Die Nacht parken wir, Preis gut verhandelt, auf dem Busparkplatz vor der Selimiye-Moschee. Noch in der Frühe, bevor die Busse mit einkaufswütigen griechischen Frauen ankommen, die ihre noch leeren Einkauf-Trolley’s hinter sich in Richtung Basar ziehen, besichtigen wir die „Alte Moschee“ und geben unsere letzten Türkischen Lira für getrocknete Aprikosen und Feigen aus.

Die naheliegende Grenze passieren wir ohne Probleme. Ehe wir uns versehen sind wir in Bulgarien.

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Fazit Türkei
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Wir haben dieses riesige Land quasi einmal umrundet, waren fast in allen Landesteilen. Die Türkei ist ein absolut problemloses Reiseland. Überall einfach zu bereisen, auch wenn man sich, speziell im Südosten, ein wenig informieren und an die gebotenen Ratschläge der Einheimischen halten sollte.
Dieses Land ist nach wie vor faszinierend und vielseitig. Es ist unseres Erachtens schon extrem was hier die letzten 20 Jahre geleistet wurde. Vieles ist sehr modern geworden. Der Eselskarren und der Pferdewagen haben längst ausgedient, die sieht man nicht mal mehr in entlegenen Dörfern irgendwo auf dem Land, und wenn, dann ganz, ganz selten. Die Hauptverbindungen sind in der Regel sehr gut ausgebaut, meistens 4-spurig, sogar Nebenstrassen sind weitestgehend geteert, und es ist (fast) alles gut ausgeschildert. Auffällig sind auch die vielen neuen Krankenhäuser und Krankenstationen, von den Shopping Malls in den Großstädten gar nicht zu reden.
Das Einzige was es zu beachten gibt, ist die Reisezeit. Der Oktober ist für den Osten fast schon zu spät ist, es wird früh dunkel und auch schon ziemlich kalt, wogegen es an der Küste noch angenehm warm ist und man sogar noch baden kann.

Die Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und insgesamt die Freundlichkeit uns Fremden gegenüber ist nach wie vor immens.
Jeder von uns sollte sich mal überlegen, wie er/sie reagieren würde, wenn ein Fahrzeug mit türkischem Kennzeichen quasi in den Vorgarten gefahren kommt, und der Fahrer mit Händen und Füssen versucht dem Bewohner klar zu machen, dass er mit seinem Anhang einem Schlafplatz sucht und in seinem Reisegefährt irgendwo auf dem Grundstück die Nacht verbringen möchte. Heißen wir ihn, nachdem wir uns verwundert die Augen gerieben haben, willkommen? Zeigen wir ihm den besten Platz auf unserer Wiese? Und fragen wir ob der Fremde etwas benötigt, bieten wir ihm und seinem Anhang anschließend noch Wasser, Brot oder vielleicht sogar Tee an? Aber sicher doch, jeder von uns würde genau so! reagieren.

Und eben das, genau das, erlebten wir immer wieder.

Dieses Land bewegt sich in riesen Schritten in Richtung Moderne. Dennoch, es gibt sie noch die ursprünglichen, wilden und einfachen Gegenden und sehr, sehr viele herzliche Menschen in diesem riesigen Land.



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Bildergalerie >Türkei, 2. Etappe<
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