Reisebericht Armenien - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Armenien
25.10. - 04.11.2012


   Landesroute



Währung:
Dieselpreis:

Einreise:
Ausreise:

Gesamt km:
Visum:


1€ = 521,65 Armenische Dram
0,88 € /Ltr für Normaldiesel und 0,95 € für Eurodiesel  Stand 10/2012

Sadakhlo / Bagratashen

Agarak
1005 km
ja, für 21 Tage an der Grenze erhältlich

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Teil I - Sadakhlo / Grenze - Tatev            25.10. - 02.11.2012           865 km
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… und nun Armenien. Vieles haben wir schon von den überbürokratischen Grenzformalitäten gelesen, und so waren wir gespannt, wie es uns ergehen würde.
Gleich vorab, die Grenzformalitäten zu Armenien wurden professionell und schnell abgewickelt.
Visa besorgen, gleich am ersten Stopp, pro Person € 6,--. Dann die eigentliche Passkontrolle und Registratur des Fahrzeuges, anschließend zum „Customs Broker". Hier werden die Fahrzeugdaten noch einmal gesondert erfasst und in ein Blatt Papier übertragen. Für diese Tätigkeit zahlt man 1000 Armenische Dram. Dann sind noch die Gebühren für Zollabfertigung, Straßennutzung und Umwelt fällig, insgesamt noch einmal 21.600 Armenische Dram. Alles zusammen umgerechnet ca. 50 Euro. Mit einem freundlichen „Goodbye, that’s it", werden wir verabschiedet. Nach ca. 30 Minuten waren wir fertig mit der Grenze. Wären da nicht vor den Toren der Grenzabfertigung die heimischen Versicherungsmakler, die jeden Nicht-Armenier aus der Schlange ziehen und eine Armenische KFZ-Haftpflichtversicherung verkaufen wollen.
Da uns der Zollbeamte sagte wir seien fertig, und das Papier an der letzten Kontrolle mit einem „goodbye" abgesegnet wurde, sind wir davon ausgegangen, dass Alles erledigt sei. Insbesondere da wir eine in Armenien gültige Versicherung besitzen. Weitgefehlt! Bereits direkt nach dem Schlagbaum winken uns die Versicherungshändler und schreien uns zu „Insurance!". Wir aber fahren weiter, fühlen uns nicht angesprochen. Plötzlich realisieren wir einen PKW hinter uns, der mit Lichthupe und Fernlicht hinter uns herfährt und uns zum Halten zwingen will. Wir stoppen. Ein völlig in Rage geratener junger Mann schreit uns an, droht mit Polizei. Das ist alles was wir verstehen. Wir wollen ihm unsere Versicherungsbescheinigung zeigen, er will Nichts sehen. Mit heftiger Gestik gibt er uns zu verstehen, dass wir eine Armenische Plakette haben müssen, ansonsten „Problem Police!" und es gibt keine Ausnahme, sofort umdrehen.
Wir fahren zurück, in unserem Kopf der Gedanke, dass wir abgezockt werden sollen. In keinem Reisebericht haben wir vorher auch nur davon gelesen, dass man eine Versicherung abschließen muss. Manuela und Rudi haben etwas erwähnt. Aber wir haben ja eine Versicherung.
Wir also zurück ins Zollhäuschen zu den Offiziellen. Dort stellen wir die Frage nach der Versicherung. Ein klares deutliches „yes, you must have insurance!" klärt die Situation. So ein Mist.
Wir also wieder raus vor den Schlagbaum, wir gehen von einem Versicherungsmakler zum Nächsten. Der eine, der uns hinterher war, wollte 30€. Lange Rede kurzer Sinn, jetzt haben wir eine Versicherung für 3700 Armenische Dram (7,00 €) gültig für 10 Tage. Angeblich ist bei der Ausreise wieder eine Gebühr fällig, um diese Versicherung wieder zu löschen. Allein für diesen Akt haben wir dann nochmal 40 Minuten verwendet.
Wir haben uns schon geärgert. Aber was hilft‘s, was sein muss, muss eben sein. In anderen Ländern zahlt man auch eine obligate Versicherung.
Und jetzt sind wir hier im bergigen Grenzland zu Aserbaidschan und Georgien. Dem alten christlichen Armenien, ein mit Klöstern übersätes Land. Dicht an dicht drängt sich die sakrale Pracht. Mit über 1.700 Jahren Geschichte ist das Land eine der ältesten christlichen Bastionen und die Armenische Apostolische Kirche die älteste Staatskirche der Welt.
Und so ist es kein Zufall, dass unsere Route durch Armenien auf der sogenannten Klösterstraße in der Provinz Lori beginnt. Hier entstanden zwischen dem 10. Und 13. Jahrhundert unzählige Klöster und Kirchen, die unter anderem auch Zentren der Wissenschaft waren.
Unser erstes Ziel ist die Klosteranlage Haghpat, gelegen in dem gleichnamigen Dorf, auf einem Hochplateau mit einer grandiosen Aussicht in die Debedschlucht.
Da es schon Abend ist, suchen wir uns erst mal einen Stellplatz. Den finden wir auf dem örtlichen Platz direkt vor der Anlage. Noch bevor wir richtig geparkt haben,  werden wir von 2 Männern, die in einem alten Lada heranfahren und bereits sichtlich angetütert waren, aufs überschwänglichste begrüßt und auch gleich eingeladen bei ihnen zu Hause den Abend zu verbringen. Heute lehnen wir freundlich, aber bestimmt ab….
Es regnet die ganze Nacht. Als wir am nächsten Morgen die Jalousien runterlassen, ist die Klosterkirche, wie in einem Gruselfilm, ganz in Nebel eingehüllt. Alles ist ganz still im Ort, kein Lärm, wir sehen keine Menschen. Es ist einfach zu früh. Das Leben in Armenien beginnt etwas später, so zwischen 09:00 und 10:00 Uhr.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf zu unserer ersten Besichtigung eines armenischen Klosters. Haghpat wurde zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert eng an einen Hang gebaut, nur die Spitze des Glockenturmes ist zunächst auszumachen. Kleine Hügel entpuppen sich als Dachkonstruktionen, die gesamte Größe wird erst offenbar wenn man davor steht. Insgesamt sind es mehrere Gebäude die man besichtigen kann, Refektorium, Bibliothek, mehrere Kapellen, die Kreuzkirche eine verbindende Passage sowie ein wunderschöner Glockenturm. Bevor man in die Kirche gelangt betritt man einen großen Gavith, eine Vorraum, der für liturgische Zwecke diente, bereits diese Vorhalle ist beeindruckend. Man hat das Gefühl gleich kommt einer der Mönche um die Ecke. Überall, drinnen und draußen, stehen sogenannte Chatsch’khare, Kreuzsteine, wunderschöne Steinarbeiten. Es ist unser erstes Kloster, das wir hier besichtigen und nur noch die Kirche wird benutzt, dennoch Haghpat zählt für uns zu einer der schönsten Anlagen in Armenien.
Wir fahren die Deded Schlucht Richtung Alaverdi, um ein nächstes Highlight zu besichtigen, das Kloster Sahanin.
Diese Anlage ist älter als Haghpat und die nacheinander errichteten Gebäude ergeben ein kompaktes Gesamtbild. Dennoch gefiel uns Haghpat besser. Sahanin ist in einem schlechteren baulichen Zustand und für uns Sprang der Funke hier nicht über. So haben wir hier auch nicht viel Zeit verbracht, sondern sind weiter durch die Provinz Lori Richtung Süden gefahren.
Durch ein Bergland mit steil abfallenden Schluchten und Hochebenen, zerklüftet und wild. Hier sinkt die Schlucht des Debed auf den tiefsten Punkt Armeniens, 380m über dem Meeresspiegel, ab. Es ist eine fruchtbare, waldreiche Landschaft. Und weil hier viele Bodenschätze zu finden sind, haben sich die Menschen hier niedergelassen und Industrie aufgebaut. Russland hat diesen Kupferabbau forciert, doch jetzt geht es vorbei an alten Industrieanlagen, teilweise wird hier noch gearbeitet und abgebaut. Ich frage mich jedoch, wer hier irgendwann all den alten Schrott entsorgt?
Diese Gegend hat 1988 ein sehr schweres Erdbeben erlebt und man weiß nicht so recht ob die Schäden, die man zu Gesicht bekommt noch von diesem Erdbeben stammen oder einfach der natürliche Verfall in einem Ex-Sowjetstaat sind, der noch dazu sehr arm ist.
Von Vanadzor nach Richtung Dilijan geht es hinauf in ein Hochtal, durch beschauliche Wälder und unberührte Landschaft. Wir bewegen uns hier so um die 1850m. Der Herbst hat den Wald golden gefärbt, ein prächtiges Farbenspiel. Nach Dilijan führt eine neu gebaute Straße auf den Sevani Pass Richtung Sevan See. Wir biegen vor dem neuen Tunnel links ab und fahren die alte Passstraße durch abgelegene Dörfer, die sicherlich erhebliche Nachteile durch die neue Straße tragen müssen. Oben auf dem Pass finden wir auf einer Anhöhe einen schönen Stellplatz mit herrlichem Blick auf den Sevan See, der blauen Perle Armeniens.
Die ganze Nacht regnet es wie aus Eimern. Deshalb lassen wir uns am Morgen auch mehr Zeit als sonst. Ein Hirte kommt mit seiner Herde vorbei, wir „tratschen ein wenig. Er spricht kein Deutsch oder sonst eine mir bekannte Sprache, ich kein Russisch und kein Armenisch, aber irgendwie funktioniert es. Nach einer Weile verabschiedet er sich und trottet weiter, seiner Herde hinterher. Als der Regen leichter wird, fahren auch wir weiter.
In der Stadt Sevan „ziehen" wir Geld aus dem Automaten und decken uns auf dem Markt mit Brot ein. Dann geht es direkt am See entlang Richtung Süden. Der Sevan See ist einer der höchstgelegenen Seen der Welt. Die Gegend hier oben auf 1950m ist karg und rau. Mich erinnert das hier an Ostanatolien, auch weil die Gehöfte und die Bauweise in den Dörfern sehr ähnlich sind. Stellenweise gibt es an dem Ufer des Sees unglückliche Versuche etwas Touristisches zu schaffen, meistens bleibt eine Ruine zurück. Viele zerfallene Häuser und Rohbauten, an denen anscheinend einfach aufgehört wurde weiter zu arbeiten. Auffällig ist, dass der Verkehr in Armenien wesentlich verträglicher abläuft als in Georgien. Wir besuchen Noratus, einen alten riesigen Friedhof. Hier trotzen hunderte von Kreuzsteinen aus mehreren Jahrhunderten dem Seewind. Einige davon sind wirklich sehenswert, nach einer Weile haben wir genug der „alten Steine".



                                                  
        

Wir fahren weiter und die Landschaft öffnet sich mehr, es wird bergiger. In Martuni biegen wir ab, weg vom See, weiter Richtung Süden über den Vajots Dzor Pass mit 2410m, um gleich danach bei der best erhaltensten Karawanserei Selim anzuhalten. Das ist unser Platz für die Nacht. Wir haben einen überwältigenden Blick auf das Tal von Selim und auf die Bergketten von Vajots Dzor. Die Karawanserei wurde 1332 erbaut und ist ein Relikt einfacher, profaner Baukunst. Sie kann nicht mithalten mit den großen Karawansereien in der Türkei. Dennoch, es ist die Lage und ihr Baustil, die sie so einzigartig machen. Man kann sich gut vorstellen, wie die Tiere hier zu Tränke geführt wurden nach dem anstrengenden Weg, den Selim Pass herauf. Wir sind auf dem alten Weg nach Persien. Früher zogen Seidenstraßen-Karawanen durch diese Gebirgsregion, die sich wie zerknittertes Papier gen Himmel auffaltet. Die heutige Panoramastraße ist wenig frequentiert und so kommen wir sehr gut voran. Wir wollen heute das Kloster Noravankh besuchen. Südlich von Areni geht es durch eine enge Schlucht auf sehr guter Teerstraße hinauf in ein enges Tal.
In völliger Einsamkeit am Ende der Schlucht gelegen, kann man das Kloster kaum von seiner felsigen Umgebung unterscheiden. Noravankh wurde im 13. Jahrhundert erbaut, ist nach aufwendigen Restaurationen wieder völlig intakt und zählt mit Sicherheit zu den schönsten Klöstern Armeniens. Auch dieses Kloster zieht uns in seinen Bann, obwohl es dank der Erneuerungen nicht alt aussieht. Da Sonntag ist, finden hier heute einige Taufen statt und wir sind erstaunt wie locker diese Liturgie abläuft. Es scheint eher ein soziales Ereignis zu sein, als eine andächtige Messe. Der Pfarrer lacht mit den Besuchern, die wiederum unterhalten sich miteinander, begrüßen sich laut, im Hintergrund ist ein ständiges Kommen und Gehen, Kinder rennen schreiend vor der Kirche umher. Alles so ganz normal.
Andächtig fahren wir wieder nach unten und weiter Richtung Yerevan. Unser nächster Halt wird Kloster Geghard sein. Um dahin zu kommen suchen wir uns eine wirklich tolle Strecke aus, quasi quer durch das Land. Dabei landen wir mal auf einer Müllkippe, weil ein Abzweig nicht richtig zu erkennen ist, fahren durch Bauerndörfer über Straßen, die diesen Namen nicht mal ansatzweise verdient haben weil sie übersät sind mit Schlaglöchern tiefer als Treppenabsätze. Dennoch die Strecke war zeitweise wirklich atemberaubend. Es war das Schauspiel der Farben und die Landschaft. Granatapfelbäume und Weinreben, Obst und Gemüseplantagen säumen den Weg. Die Farben der Laubbäume ganz golden, das Rot der Steinformationen, dahinter die frisch verschneite Kuppel des Ararat, die roten Dächer der Häuser und alles im Licht der Spätnachmittagssonne, einfach malerisch schön. Das Tal südlich der Hauptstadt ist die Kornkammer Armeniens. Und gleichzeitig das Bilderbuch des Landes. Über Dutzende von Kilometern windet es sich entlang dem 5.165 Meter hohen Ararat. Mit diesem Eindruck kommen wir in der Dämmerung nach Geghard. Wir nächtigen auf dem dazugehörigen Parkplatz und sind so am nächsten Morgen die ersten Besucher dieses einmaligen Klosters.
Beim ersten Anblick war ich enttäuscht, so klein und unscheinbar erscheint es zunächst. Aber dann stellt sich bei der Besichtigung heraus, das hier ist etwas ganz Besonderes. Dieses Kloster fügt sich quasi nahtlos in den Berg hier ein und gibt erst bei der Besichtigung seine Schönheit preis. In der großen Vorhalle der Kirche, dem Gavith zweigen Zugänge in verschiedene Kirchen ab. Jede ist anders. Nur die Hauptkirche ist aus Stein gebaut, alle anderen sind in die Felsen gehauen. Jede Kirche mit Kuppel und kleinen Nebenkapellen. Je mehr man in dem Kloster herumklettert umso mehr gibt es zu entdecken. Geghard war einmal ein Höhlenkloster. Ein definitives Highlight Armeniens.
Auf dem Weg nach Yerevan müssen wir uns dann fast zwingen den Blick auf der Straße zu halten so erhaben und majestätisch erheben sich der Große Ararat, 5165m, und sein Bruder der Kleine Ararat, 3925m, in der gleißenden Mittagssonne. Und dann sehen wir in der Ebene die Stadt auftauchen, die die einheitsgrauen Plattenbauten aus der Sowjetzeit im Großstadtdunst. Leicht finden wir ins Zentrum. Der Platz der Republik ist frisch renoviert. Glänzend liegt das Prunkstück mit seinen tuffsteinroten Fassaden in der Innenstadt. Es hat an die 25 Grad und strahlenden Sonnenschein. Wir schlendern durch die Innenstadt in die Fußgängerzone, dann durch die noble Abovjan-Straße, in der sich neben traumhaft schönen Bürgerhäusern ein Geschäft nach dem anderen sowie Ladenketten aus Europa und den USA ansiedeln. Und wenn schon teure deutsche Autos, dann aber auch immer gleich die Top Modelle. Ein BMW X5 ist dann gleich ein M Modell, ein Porsche Cayenne, dann schon der Turbo S und ein G-Modell von Mercedes gleich ein Brabus oder AMG. Hallo! Was verdienen die Leute den hier? Wer kann sich das leisten? Dazwischen dann die keuchenden Ladas und die alten russischen Wolgas, von den qualmenden Kleinlastern aus der Steinzeit gar nicht zu sprechen. Durch eine große Ausfallstraße und graue Stadtrandgebiete fahren wir wieder hinaus aufs Land. Vorbei an Dutzenden von Autowerkstätten und Schlachtereien, wo die Schafe geduldig in Pferchen auf einen „letzten Schnitt" warten. Heut ist Schlachttag, der Bedarf scheint groß, denn vor den Hütten liegen Berge von Häuten.




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Für heute „landen" wir bei Kloster Khor Virap. Hinter dem danebengelegenen Friedhof finden wir einen Traumschlafplatz. Im Westen die untergehende Sonne, im Osten der aufgehende Vollmond, der Ararat zum Greifen nahe. Wir könnten den türkischen Grenzpatrouillen etwas zurufen, so nahe sind wir an der unüberbrückbaren Trennungslinie. Als es kühl wird ziehen wir uns zurück, unzählige Sterne glitzern bereits am Nachthimmel. Bei Sonnenaufgang bin ich schon unterwegs, so sehr reizt mich die Gegend hier und der Gedanke, den Ararat in der Morgensonne zu sehen. Der armenischen Geschichte nach ist der Ararat eng mit der Bibel verbunden. Noah selbst soll an seinen Hängen mit der Arche gelandet sein und dort die ersten Weinreben gepflanzt haben. Den Einheimischen gilt er deshalb als heilig.
Ich steige auf einen kleinen Berg neben unserem „Shumba" und sitze oben in der Stille. Unten beginnt das Leben, die ersten Vögel zwitschern. Weil es so schön ist, geh ich gleich noch auf einen anderen Berg. Hier sitze ich fast an der türkischen Grenze, den Grenzzaun und die Wachtürme kann ich sehen.
Klaus schläft noch als ich zurückkomme. Wir lassen den Tag langsam angehen. Während ich gerade das Geschirr spüle, klopft es an der Tür und im gleichen Moment wird sie auch schon aufgerissen. Ein Soldat steht da. Etwas außer Atem und sehr aufgeregt frägt er nach unseren Pässen. Als wir uns von der ersten Überraschung erholt hatten, stieg Klaus aus. Ich holte die Pässe und wir erklärten dem jungen Mann, dass wir deutsche Touristen sind. Ein Blick in die Pässe, noch ein Telefonat und freundlich und erleichtert geht er wieder seiner Wege. So nah im Grenzgebiet steht ein großer weißer LKW und kein Mensch zusehen? Das war wohl suspekt, das sollte überprüft werden.
Mittags besuchen wir das Kloster Khor Virap und sind das erste Mal ein wenig enttäuscht. Zu viele sehr schöne alte Klöster haben wir schon gesehen. Dieses hier besticht im Grunde „nur" durch seine Nähe zum Ararat.
Von jetzt an geht es Richtung Süden. Wir verlassen die reiche Ararat Region durchs Hinterland Richtung Vedi. Kaum zu glauben, aber diese Seitenstraße ist um ein vielfaches besser als die M2, die Hauptroute, auf der wir leider dann auch wieder weiterschaukeln müssen. Die Strecke über den Vorotan I-tsk Pass über 2344 m ist einfach grottenschlecht, nur der Blick aus dem Fenster entschädigt etwas.
Hügeliges Hochland, kleine Dörfer, Seen, im Hintergrund die 3000er in Aserbaidschan und Berg Karabach. Nach einigem Hin und Her haben wir uns gegen einen zunächst geplanten Besuch in Berg Karabach, diesem umkämpften und nur von Armenien anerkannten Staat, entschieden.
Wir kommen in die Provinz Sjunikh, die größte und zugleich unzugänglichste Provinz. Durch die tiefe Schlucht des Vorotan schlängeln wir uns in Serpentinen hinab und dann wieder auf Schotterstraße hinauf, um zum Kloster Tatev zu gelangen. Dieses Kloster aus dem 9. Jhd. scheint am Ende der Welt zu liegen, malerisch auf einem Felsvorsprung über dem Canyon. Das gleichnamige Dorf wirkt verschlafen, fast schon verwaist. Hier wartet man vergeblich auf Touristenströme. Daran ändert auch die längste Seilbahn der Welt für ca. 20Mio Euro nichts, die man hier in die Landschaft gesetzt hat, um Touristen die Anfahrt über die vielen Serpentinen zu ersparen. Zufällig haben wir hier mit 2 Schweizer Seilbahn Ingenieuren gesprochen, die hier im Einsatz waren, um eine Reparatur durchzuführen.
Kloster Tatev war das aktivste und bedeutendste seiner Zeit und jahrelang Bischofsitz. Liebevoll renoviert erstrahlt es jetzt wieder im neuen Glanz. Es riecht schwer nach Weihrauch und das Kloster und seine vielen Räume sind so gut erhalten, dass man denken könnte, gleich kommt Bruder William von Baskerville, alias Sean Connery, wie im Film „Der Name der Rose" auf seinem Esel um die Ecke geritten.
Es gefällt uns hier inmitten der Berge am Ende der Welt. Und so haben wir uns in Tatev häuslich eingerichtet, in der örtlichen Touristen-Info eine Internetverbindung aufgebaut, um ein kurze Rast einzulegen, einen kleinen Service zu machen und unsere Post zu erledigen.




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Teil II - Tatev - Agarak / Grenze zu Iran            03.11. - 04.11.2012         140 km
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Nach vier Tagen, wir gehören jetzt schon fast zum Dorf, brechen wir wieder auf. Zum Abschied bekommen wir noch Obst und selbstgemachten Joghurt geschenkt. Wir fahren jedoch nicht auf der Hauptstraße wieder zurück, sondern eine kleine unscheinbare Naturstraße über die Berge Richtung Süden nach Kapan. Nach Auskunft der Einheimischen keine gute, aber fahrbare Piste. Wie sich herausstellt, ist diese Schotterstraße um Einiges besser als so manche Teerstraße, von kleinen Passagen mal abgesehen. In Kapan geben wir noch unser restliches Geld für Lebensmittel aus und am Abend haben wir die hässliche Stadt Kajaran die man passieren muss um über einen landschaftlich herrlichen Pass über 2500 Meter hinunter nach Meghri zu kommen. Die Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz in Agarak, dem Grenzort auf armenischer Seite.

Wir verfallen ins Grübeln über Armenien, über das was wir gesehen und erfahren haben. Armenien ist ein gebeuteltes Land, das trotz seiner Armut reizvoller und überraschender nicht sein könnte. Seit fast 3.000 Jahren sind die Armenier Prellbock zwischen den Kulturen. Vor allem die jüngere Geschichte ist von Konflikten geprägt. Die Vertreibung und Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern 1915 durch die Türken, der Verlust des heiligen Bergs Ararat bei der Teilung des Osmanischen Reichs an die Türkei. Später der Zerfall des Sowjetreichs, verheerende Erdbeben und der immer noch schwelende Konflikt mit Aserbaidschan um die armenische Exklave Berg-Karabach haben das Land in tiefe Krisen gestürzt. Teile des Landes sind durch dichte Wälder und die hohen Berge unerreichbar und abseits vom schnellen Leben der armenischen Hauptstadt hinkt die wirtschaftliche Entwicklung sehr nach. Es scheint als sei das Land angewiesen auf die etwa acht Millionen Auslandsarmenier, die das Land mit ihren Devisen füttern. Dennoch es ist ein sehr schönes Reiseland mit extrem freundlichen Menschen. Wir haben uns nie auch nur einmal unwohl gefühlt, stets konnten wir unbehelligt einfach so stehenbleiben.

Am nächsten Morgen verläuft die Grenzkontrolle auf armenischer Seite bürokratisch aber reibungslos. Wir bezahlen noch 6000 ArmDram beim Zoll und werden bei der Fahrzeugkontrolle dann so richtig „unter die Lupe" genommen. Jedes Türchen, jedes Fach wird geöffnet, angeblich suchen sie hier nach Waffen. Nach einer Stunde ist der Beamte überzeugt, dass wir nichts dabei haben und verlässt, kopfschüttelnd angesichts der vollen Fächer und Schubladen, das Fahrzeug.

Iran, wir kommen.




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Bildergalerie Armenien
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