Reisebericht Namibia II - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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                    Reisebericht Angola

                                01.07.- 04.10.2017

   Landesroute


Währung:           1€ = 395 Kwanza 07/17 Schwarzmarktkurs

Diesel Preis:       0,38 €/Ltr

Einreise:             Ruacana
Ausreise:            Cabinda
Gesamt km:        5.172        89 Tage
Visum:                Angola Botschaft Windhoek / Matadi, DR Kongo für Cabinda


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Teil I >  Ruacana - Binga Bay           01.07.- 24.07.2017         1.982 km

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Der Süden

Als wir am Grenzposten in Ruacana ankommen, ist die Ausreise schnell erledigt. Nur der Zollbeamte, der unser Carnet abstempeln soll, muss erst aus der nächsten Grenzstation, Omahenene, angefordert werden. Es dauert etwa 45 Minuten bis er eintrifft.

Wir hatten eine gewohnt unkomplizierte Ausreise aus Namibia erwartet. Doch dieser Zollbeamte ist alles andere als unkompliziert. Er will unser Carnet erst abstempeln, wenn Angola uns auch sicher ins Land lässt. Also gehen wir, 6 Personen, an die angolanische Grenze und checken mit dem dortigen Zollbeamten, ob das Carnet dort akzeptiert wird. Ja, es wird akzeptiert, nur brauchen wir zudem ein „temporary import paper“. Gegen die Bezahlung von 6.336 Kwanza, umgerechnet ca. €16, ist das für uns kein Thema. Der namibische Beamte zeigt sich zufrieden. Also marschieren wir wieder zurück auf die namibische Seite. Jetzt bekommen wir alle Stempel, tragen uns noch in das Ausreisebuch ein. Und dann will er zu allem Überfluss auch noch in die Motorradkiste schauen. Das war übrigens das erste Mal seit der Grenze in den Iran, dass wir das Motorrad vorzeigen mussten. Noch nie haben wir an einer namibischen Grenze zwei Stunden gebraucht.

Dagegen ist die Einreise in Angola problemlos. Wir füllen bei der Immigration ein Formular aus, bezahlen beim Zoll besagte 6.336 Kwanza, gegen Quittung versteht sich, erhalten ein entsprechendes Einreiseformular für das Fahrzeug, und alles ist erledigt. Anschließend noch ein sporadischer Check des Fahrzeuges und wir werden freundlich verabschiedet. Auf einer schmalen Schotterstraße bewegen wir uns ins Landesinnere, immer daran denkend, dass wir ab sofort wieder rechts fahren müssen. Nach drei Jahren Linksverkehr ist es gar nicht so einfach.

Vor uns liegt ein Land, das dreimal so groß wie Deutschland ist und in dem bis ins Jahr 2002 circa 40 Jahre Bürgerkrieg geherrscht hat. Ein Land, das immer noch zu den am meisten mit Landminen verseuchten Ländern der Erde zählt. Ein Land, das in Sachen Korruption einen absoluten Spitzenplatz hält. Jährlich verschwinden zig Millionen US$ aus dem ertragreichen Ölgeschäft, trotz Ölpreisverfall, während ein sehr großer Teil der Bevölkerung nicht weiß, von was er leben soll. An dieser Stelle sei bemerkt, dass die Tochter des derzeitigen Präsidenten Santos offiziell als die reichste Frau Afrikas gilt. Ja, wir sind ganz gespannt auf Angola!

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Teil II >  Binga Bay - Cabo Ledo/Mangais          24.07. - 25.08.2017         2.198 km

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Die Landesmitte

Die Stadt Benguela überrascht uns positiv. Zum einen, weil wir es nicht so schmutzig erleben wie Lubango, zum anderen weil es einer „ordentlichen“ Stadt vergleichbar ist. Die ganze Stadt ist geschmückt mit, im Wind wehenden, Fahnen, Angola ist voll im Wahlkampf. Im August wird ein neuer Präsident gewählt. Das Ergebnis steht zwar bereits fest, doch gewählt werden muss trotzdem. Wir passieren große Industriegebiete, ein (fast) neues Fußballstadion, den Flughafen, neue Bürogebäude, viele allerdings leer stehend. Im Hintergrund liegen die einfachen Häuser der normalen Bevölkerung.

Wir halten uns nicht weiter in Benguela auf und fahren weiter in die Nachbarstadt Lobito, einem der wichtigsten Häfen im Land. Auch hier empfangen uns abbröckelnde Häuserfassaden an ehemals kolonialen Prachtbauten, Zeugen aus einer anderen Zeit stehen zwischen modernen Geschäfts- und Bürogebäuden und ganz viel leerstehenden Gebäuden. Dazwischen Wohnblocks und offizielle Gebäude, deren Entstehen während einer sozialistischen Epoche sehr erkennbar ist. Auch diese Stadt wirkt lange nicht so schmutzig wie Lubango, wirkt aufgeräumter.

Das Zulu Restaurant gilt unter Reisenden als eine Art Treffpunkt, dort wollen wir hin. Wir fragen Louis, dem Besitzer, ob wir am Strand übernachten können. Doch er ist nicht davon abzubringen von uns pro Nacht 10 US$ zu verlangen, angeblich hat er mit zu vielen Reisenden schlechte Erfahrungen gemacht. 10US$ nur dafür, dass wir neben dem Restaurant am Strand stehen können?
In der Alfa Bar, die ebenfalls zum Zulu Restaurant gehört, nehmen wir zunächst mal Kontakt mit Mario auf. Mario ist ein Freund von Varito und Präsident des Angolanischen Landcruiser Clubs, zudem besitzt er in Lobito einen Reifenhandel. Er kommt zu uns in die Alfa Bar. Mario gelingt es, Louis davon abzubringen, von uns diese 10US$ zu verlangen. Wir dürfen bleiben solange wir wollen, kostenlos. Wow, super! Gemeinsam fahren wir zurück ins Zulu Restaurant und stoßen auf diesen Erfolg mit einem Bierchen an.

Mario, so scheint es, kennt hier jeden und alles. Noch am selben Abend kontaktiert er seinen Freund, Feliciano, von der Immigrationsbehörde „SME“, der sich auch kurze Zeit darauf in der Zulu Bar einfindet, um unsere Pässe zu checken und eine Visaverlängerung zu besprechen.

Am nächsten Morgen treffen wir, in fast schon konspirativer Manier, einen Vorgesetzten von Feliciano in Marios Werkstatt. Pässe, Passkopien, Fotos und €60 Euro in einem Umschlag liegen bereit. ... weiterlesen...

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Teil III >  Cabo Ledo/Mangais - Noqui  25.08. - 24.09.2017          852 km

                 Cabinda                                   30.09. - 04.10.2017          140 km

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Luanda und der Norden

Die Wahl ist zum Großteil ausgezählt und es ist weitgehend ruhig geblieben. Wie erwartet hat die Partei des bisherigen Präsidenten gewonnen. So können wir uns endlich ruhigen Gewissens auf den Weg nach Luanda machen.

Wir sind gespannt, was uns in der 7 Millionen Stadt, der teuersten Stadt der Welt, erwartet. So viel Unterschiedliches haben wir schon gehört. Die Straße an der Uferlinie entlang ist gut. Bereits weit außerhalb des Stadtzentrums beginnen die einfachen Siedlungen mit den Straßenverkäufern, dazwischen immer wieder „bessere“ Häuser. Die Stadt empfängt uns mit dem üblichen Gestank und Gewusel einer Großstadt. Sie ist keine Schönheit, könnte es aber, zumindest stellenweise, durchaus werden. Vor Jahren bereits wurde in die Prachtstraße im Zentrum entlang des Ozeans investiert. Entstanden ist ein, mit Palmen gesäumter, Prachtboulevard entlang einer schönen Meeresbucht, dahinter vervollständigt eine Hochhausskyline den Anblick. Leider sind viele dieser Hochhäuser, der Wirtschaftskrise geschuldet, im Rohbau. Dazwischen stehen immer wieder schöne, teilweise sogar renovierte, Häuser aus der portugiesischen Kolonialzeit. Ganze Viertel mit neuen, schicken Wohnhäusern und Hotels stehen wie selbstverständlich neben Bretterbuden und Wellblechbaracken. Nirgendwo vorher haben wir Ähnliches gesehen. Immer wieder beschäftigt uns die Frage, wie diese Stadt funktioniert? Wer kann für ein „normales Haus“ 10.000US$ Miete bezahlen?

Bevor wir uns fest niederlassen, checken wir die neue Avenida Mall mit dem Calando Supermarkt. Doch wir dürfen mit dem LKW nicht durch die Einfahrtsschranke auf den Parkplatz. So fährt uns der Mall Direktor mit seinem Privatwagen zum nächsten Parkplatz und später mit unseren Einkäufen auch wieder zurück zum LKW. Nicht, ohne uns vorher noch auf eine Kuchenspezialität einzuladen. Was für ein toller Service!

Erst spät kommen wir im Yachthafen „Club Naval“ an. Die Besitzer haben ein Herz für Reisende und Erlauben kostenloses Parken, das Benutzen der Duschen und des Internets. Es ist der einzige Platz in Luanda, an dem man ruhigen Gewissens länger parken kann. Doch diese Nacht machen wir kein Auge zu. Von nebenan dröhnt laute Partymusik, die ganze Nacht bis morgens um 07.00 Uhr, es helfen auch keine Ohrstöpsel. Das kann ja heiter werden. ... weiterlesen...

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Fazit

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Angola – für viele von uns weckt das graue Erinnerungen an Krieg seit den 1960ern, als Angola noch für die Unabhängigkeit kämpfte, und dann als sich 1974 der rauhe Kolonialist Portugal zurückzog, einer der grausamsten Bürgerkriege begann. Erst seit 2002 ist das Land befriedet. Doch außer den Öl- und Diamantenfirmen scheinte sich niemand so wirklich für Angola zu interessieren.

Große Gebiete sind auf Grund verheerender Straßenverhältnisse nur sehr schlecht zu bereisen. In großen weiten Gebieten ist das Land immer noch zerstört. Speziell im Norden haben die Regionen mit den Kriegsflüchtlingen aus den Bürgerkriegsgebieten im Kongo zu kämpfen. Lediglich im Westen ist der Wiederaufbau spürbar und einigermaßen gut. Doch es sind noch viele Herausforderungen zu meistern.

Dafür wird man entschädigt mit endlosen, traumhaften Stränden, Einsamkeit, tropischen Regenwäldern, Wüste…. und, hier leben mit die nettesten und liebenswürdigsten Menschen in Afrika.

Nach 3 Monaten in Angola sagen wir, dass es definitiv keine Urlaubsdestination für Afrika-Anfänger ist. Es gibt so gut wie keine touristische Infrastruktur. Keine Frage, Angola entwickelt sich, baut seine Infrastruktur mit chinesischer und brasilianischer Hilfe aus. Doch das dauert noch lange.

Ein Visum zu bekommen ist oft schon eine Herausforderung. Die Mär über lästige Polizeikontrollen im Land können wir nicht bestätigen, wir wurden stets freundlich durchgewunken, sobald sie erkannt haben, dass wir ein ausländisches Kennzeichen haben.

Die Versorgung im Land ist gut, die portugiesischen oder südafrikanischen Supermärkte in den Städten gut bestückt, die Märkte bieten frische Waren.

Frei zu campen ist kein Problem, die Menschen sind sehr respektvoll und tolerant, nur hin und wieder kommt jemand schauen, was die Menschen mit dem komischen Fahrzeug da wollen.

Es ist ein Land auf das man sich einlassen muss, in dem man improvisieren muss, für das man sich Zeit nehmen muss und in dem man Geduld braucht, nicht nur wegen der schlechten Straßen.

Uns hat Angola sehr gut gefallen!
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BILDERGALERIEN  Angola -

>> Der Süden

>> Die Landesmitte

>> Luanda und der Norden

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HIER WEITERLESEN

>>> DR Kongo-Transit durch den Westen

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