2. Reisebericht Albanien - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Albanien
11. September - 04. Oktober 2011


Währung:
Dieselpreis:
Einreise:
Ausreise:

Gesamt km:
Visum:



1€ = 140 Leke Stand 09/2011
165 Leke /Ltr  Stand 09/2011
Montenegro
Griechenland
1153
nein



Albanien


Albanien war für uns immer ein "Niemandsland". Jahrelang abgeschottet und unzugänglich, wussten wir wenig darüber. Schon als ich mit 19 Jahren in Kroatien beim Surfen war, träumte ich davon einmal an den "ominösen" Ohrid See zu fahren. Und jetzt sind wir hier, in Albanien.

Der allererste Eindruck, irgendwie südländisch, nicht so aufgeräumt wie z.B. Montenegro. Als wir mit dem LKW ins Zentrum von Skhodra fahren, die erste größere Stadt seit Tagen, sind die Leute ziemlich hilfsbereit, "dort parken, nicht hier", "nein, doch nicht hier, aber dort geht es". Waren die Menschen bisher schon nett und freundlich, so ist das hier noch ein Ticken mehr. Aber mehr dazu noch später. Wir laufen ein wenig durch die Stadt, besorgen uns Leke, die hiesige Währung und füllen unsere Essensvorräte auf.

Von Skhodra führt uns der Weg in Richtung Norden, zu einem Highlight, dem Komani Stausee mit seiner berühmten Fähre. Wir haben darüber schon gelesen und auch von Bekannten davon gehört. Auf relativ guter Teerstrasse kommen wir schnell voran, es ist ziemlich heiß. Wir müssen uns an die Beschreibung in einem Reiseführer halten, denn der Weg ist fast ohne Beschilderung. Ständig geht es bergauf, irgendwann dann einen ziemlich großen Fluss entlang bis zum Dorf Koman. Es ist Sonntag, also auch nichts los auf den Straßen.

Wir fahren über eine Brücke und hören laute Musik, eine Hochzeitsgesellschaft tanzt und singt ausgelassen unterhalb der Brücke und winkt uns freundlich zu. Der Weg führt weiter durch den Ort, vorbei an einem Elektrizitätswerk auf nunmehr schlechter Schotterpiste in Richtung einer Staumauer. Also wenn da eine Staumauer ist, dann sollte dahinter ein See sein oder? Ungewöhnlich ist diese Anfahrt, plötzlich stehen wir vor einem Tunnel. Oje! Passen wir da durch? Keine Höhenangabe zu sehen. Es müsste passen, da die Fähre auch LKWs in den Norden des Landes bringt. Der Tunnel ist Maßarbeit, wie für uns gemacht, aber gerade so. Wir müssen stets gut in der Mitte fahren und dürften auch nicht höher als unsere 3,70 Meter sein. Ich laufe mit einer Taschenlampe voraus, denn wer sagt denn, dass die Bauarbeiten gleichmäßig ausgeführt wurden. Wir kommen gut durch, es ist ca. 16:00 Uhr und die Fähre geht am nächsten morgen. Ein paar sogenannte Touristenbetreuer, Jungs die relativ gut englisch sprechen und sich offensichtlich um Touristen kümmern - sprechen uns an, ob wir Boot fahren wollen. Wir wollen nur wissen ob wir hier für die Nacht stehen können, kein Problem, außer uns ist niemand sonst da. Also parken wir am Anleger und machen es uns gemütlich. Vor uns der Komani Stausee und rechts und links davon steile Bergwände. Wüssten wir es nicht besser, man könnte glauben, dass wir in Norwegen an einem Fjord stehen. Es gesellt sich ein Französischer Landrover Defender zu uns. Zwei alleinreisende Offroader, mit denen wir den Abend verbringen und uns sehr gut und lustig unterhalten.

Am nächsten Morgen um 09:00 Uhr kommt die Fähre aus Fierze. Plötzlich rührt sich was am Anleger. Menschen kommen von der Fähre runter, steigen in kleine Busse ein, Autos und Lastwagen kommen von der Fähre mit ihren Waren. Ein wildes Kommen und Gehen. Auch bei uns bewegt sich was. Plötzlich kommt jemand mit einem Abreissblock und will 500 Leke für Parken am Ableger diese Nacht. Nach kurzem aber heftigem Handeln geben wir Ihm 2,50 €. Dann kommt jemand, der das Ticket für die Fähre verkauft. Wir bezahlen 7000 Leke, das sind fast genau € 50,-- Handeln nicht möglich. Rückwärts wird aufgefahren und auf der Fähre nochmal umgeparkt, nachdem man merkt, dass die Fähre heute nicht voll wird. Punkt 10 Uhr legt sie ab. Für mehr als zwei Stunden fahren wir schleichend den Stausee hinauf nach Fierze, eine ruhige und angenehme Überfahrt und wirklich ein Highlight. Teilweise sind die Schluchten sehr eng. An den Ufern sehen wir immer wieder kleine Weiler. Die Menschen, die hier leben, transportieren ihre Waren vom Wasser mit Eseln die Berge hinauf und bearbeiten das wenige Land.


                                                  
        


Als wir in Fierze ankommen, verabschieden wir uns mit einem lockeren "et voila" von unseren französischen Kollegen und weiter geht's nach Batam Curri. Dort kaufen wir uns erstmal alles Nötige ein. Die Stände und Geschäfte verheißen Gutes. Viel Obst und Gemüse, alles ganz frisch. Prima! Und Brot?? Wir fragen uns durch, kommen in einen kleinen Laden, ganz unscheinbar, ohne jede Beschriftung, nur eine Ladentheke und ein Regal mit Brot. Die Frau hinter dem Tisch zeigt auf ein handgeschriebenes Schild mit englischen Bezeichnungen, Preise stehen dabei. Ohne ein Wort nur mit Handzeichen, kaufen wir Brot.

Auf neuer Teerstrasse geht es weiter in den Nordosten des Landes in Richtung Krume. Über ein Hochland immer an Berghängen entlang, immer nach oben. Viel Landwirtschaft und Schafzucht, aber auch viel Straßenbau. Hier tut sich richtig was.

Wir wussten ja wie gesagt nicht so recht was uns in Albanien erwartet, wie die Strassen hier sein würden. Wir hatten viel gehört, z.B. "ohne Pickel geht nichts, weil die Fahrspuren so ausgewaschen und ausgefahren sind, dass man mittig immer wieder aufsitzt", "dass die Strassen in einem so schlechten Zustand sind, dass man selbst mit Allrad und Untersetzung hin und wieder Probleme hat vorwärts zu kommen". Soweit so gut. Wir, d.h. unser LKW sind höher, und Geländetauglichkeit ist durchaus gegeben, das sollte für unseren "Shumba" auch nicht wirklich ein Problem darstellen. Dann könnte schon eher zum Problem werden, dass die Strassen sehr schmal und eng sind, vor allem die Kurven.

Also hatten wir uns gesagt wir fangen mal ganz ruhig an, mit einer Schotterstraße, diese entpuppte sich als Teerstrasse. Abwarten, Stück für Stück werden wir dieses schöne Land für uns entdecken.

Als es Abend wird müssen wir uns um einen Übernachtungsplatz kümmern. Wie wird das wohl sein in Albanien. Die Leute sind ja sehr freundlich - sie winken und rufen uns zu. Das macht richtig Freude. Als die Teerstrasse dann doch in eine Schotterstrasse mündet und wir merken, dass sich hier Dorf an Dorf reiht, entschließen wir uns, von der Schotterstrasse durch ein Dorf auf die dahinterliegenden Weiden abzubiegen. Ganz eng geht es durch, wir passen gerade so zwischen den Grundstückseinzäunungen hindurch, gelangen auf einen Feldweg und stehen dann vor einigen Anbauflächen.

Ein Traum-Schlafplatz, Blick über das ganze Hochland und die umliegenden Hügel. Von den Menschen im Dorf werden wir entweder freundlich gegrüßt oder gar nicht beachtet. Wen sollte man fragen, ob wir hier stehen dürfen? Vielleicht kommt jemand vorbei. Wir trinken in Ruhe erstmal was. Nach einiger Zeit kommt ein etwa 10jähriger Junge und sagt Hallo, indem er höflich die Hand schüttelt, ein offenes und fröhliches Lachen im Gesicht. Er macht mit mir einen kleinen Spaziergang und erklärt mir dabei die Bezeichnungen aller möglichen Tiere, indem wir uns die Spuren im Sand anschauen. Beeindruckend wie authentisch und offen dieses Kind ist. Wir fragen ihn ob es Ok ist hier zu stehen. In gebrochenem Englisch "no problem, ok, ok". Dann verabschiedet er sich ebenso höflich und geht wieder.



Am nächsten Morgen, die Nacht war ruhig, ein paar Schäfer trieben ihre Schafe bzw., Kühe vorbei, geht es nach einem ausgiebigen Frühstück weiter nach Kukes. Wir fahren einige Zeit an einem der größten Flüsse des Landes entlang, dem Drin. Von dort wollen wir in die Berge, nach Shistavec. Einen Rundkurs, der als wenig befahren und deshalb in schlechtem Zustand gilt. Eine Schotterpiste führt erst an einem Fluss in einer Schlucht entlang und dann schraubt sie sich höher in die Berge. Aufgrund des Straßenzustandes kommen wir nur langsam voran. An den Berghängen sehen wir immer wieder kleinere Dörfer die teilweise nur zu Fuß erreichbar sind. Unglaublich, wie die Menschen hier leben. Auf einer Art Hochweide - fast an der Baumgrenze finden wir an einem Bach einen Platz für die Nacht. Hier gibt es, ganz seltsam, mehrere offene Betonstollen, die in die Berge führen. Laut Reiseführer sollen diese nicht betreten werden, da sie wohl noch aus dem Uranabbau herrühren. Wir zügeln unsere Neugier und halten uns dran.

Am nächsten Morgen, als wir weiterfahren, merken wir erst wie weit oben wir schon sind und stellen fest, dass die Karte von Reise-Knowhow nicht stimmt. Das Dorf Novoseje haben wir fast schon erreicht. Unser Track im GPS Gerät zeigt einen anderen Weg als die Karte. Gut zu wissen dann können wir damit umgehen. Novoseje ist ein sehr ursprüngliches Dorf. Flache traditionell, aus Holz gebaute Bauernhäuser mit Heuschobern, zwei kleine dunkle Läden, ein Kaffeehaus (davor sitzen morgens die Männer beim Spielen und Kaffeetrinken, die Frauen sind auf den Feldern oder in den Häusern), eine Post, eine Moschee und eine riesige Schule am Dorfrand, das war's. Wir sind heute die Attraktion. Unser LKW ist höher als die Häuser hier.



Diese Freundlichkeit, die Gesichter strahlen, die Männer "liegen" fast unter unserem LKW, einige Frauen mit Strickzeug unterm Arm kommen dazu, so interessiert sind sie! Wo wir herkommen? Djermania, der Daumen bewegt sich nach oben. Das geht einem richtig rein. Wir erfragen den Weg nach Shistavec. Dieses Dorf soll noch ursprünglicher sein, weil hier oben im Grenzgebiet zu Kosovo eben so wenig Durchgangsverkehr herrscht. Wir fahren weiter. In Shistavec angekommen das gleiche Spiel, sofort sind wir umringt von ca. 10 Männern, die alle den LKW bestaunen. Wo wir herkommen, wo wir hinwollen. Es entspinnt sich eine Diskussion, als wir sagen, wir wollen weiter nach Turaj fahren. Einige winken sofort ab, "keine Chance, mit dem LKW unmöglich", andere sagen "kein Problem, da geht es weiter, aber sehr eng und steil".

Wir schauen uns den Ort an, der übrigens lange nicht so schön wie Novoseje ist, und werden dabei von zwei Herren noch auf einen Kaffee eingeladen, einfach so. Wir können uns zwar nicht unterhalten, aber das stört nicht. Auf dem Weg zurück zum LKW beratschlagen wir noch mal und entscheiden uns, nach dem was wir gehört haben, für die sichere Variante zurückzufahren. Wir wollen kein Risiko eingehen. Wenn die Stecke noch enger wird, haben wir ein Problem, das muss nicht sein. Es war auch so ein großartiges Erlebnis.

Kurz hinter Domaj finden wir einen Übernachtungsplatz. Es dauert nicht lange und wir hören Kindergeschrei. Minuten später sind sie auch schon bei uns und stellen sich vor, Adelina, Liliana, Sadre. Nette selbstbewusste Kinder, keine Geschwister, aber irgendwie verwandt, soviel verstehen wir. Einige Zeit später taucht die Oma mit den Schafen auf. Das Strickzeug unterm Arm wandert sie über die Hügel und hütet ihre Schafe und wohl auch die Kinder. Es bewegt mich aus tiefstem Herzen, wenn ich in diese offenen und authentischen Gesichter schaue, kein Misstrauen einfach nur Freude und ehrliches Interesse obwohl man sich nicht wirklich unterhalten kann. Die Oma hat auch keine Scheu mich zu berühren. Herzlich tätschelt sie mir das Gesicht als ich was sage und sie lachen muss.



Für uns geht es weiter in die Drin Schlucht. Auch hiervor wurden wir gewarnt "mit diesem Fahrzeug keine Chance, viel zu groß". Wir wollen es zumindest probieren. Auf anfangs guter Schotterstrasse geht es einen Berghang entlang, eine enge Fahrbahn und enge Serpentinen winden sich die Berge rauf und runter. Die Aussicht in die Schlucht und auf den Fluss ist grandios. Mir wird manchmal schon komisch zumute, wenn ich auf der Seite zum Abgrund sitze und in den Seitenspiegel schaue, dort dann die Randsteine, darunter das Geröll und hin und wieder sogar den Fluss darin sehe, so nahe fahren wir am Abgrund. Es ist alles gut befestigt, kein Grund zur Panik. Eine Eisenbrücke nur mit Holzbrettern belegt, lässt uns für einen Moment zögern, sie ist sehr eng und wir fragen uns, ob sie uns trägt. Wir passen geradeso durch. Insgesamt kommen wir zwar nur langsam voran, aber es ist wunderschön.

Später ändert sich die Landschaft. Es ist viel bewachsener. Die Büsche und Bäume stehen dicht am Wegesrand, wir kommen nicht mehr durch, die Äste der Bäume hängen zu tief. Wir packen unser Beil aus. Teilweise kommen wir nur durch, wenn wir dicke Äste abhacken und uns so den Weg frei arbeiten. Es kratzt und quietscht an den Fahrzeugseiten, aber es geht nicht anders. In sieben Stunden fahren wir ganze 34 Kilometer. Am Ende des Tages werden wir mit einem wunderschönen Schlafplatz über der Schlucht bei Bardaj-Rec belohnt. Wir genießen den fantastischen Rundblick über die Berge und sehen im Süden in den Wolken Blitze, wir bleiben verschont.

Weiter geht es auf etwas breiterer Piste, weniger Bäume, runter in Richtung Flussbett. Es ist nicht mehr ganz so heiß wie die Tage vorher, anscheinend hat das Gewitter für Abkühlung gesorgt.

Für einen Teilabschnitt in der Drin Schlucht haben wir für 153 km eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 10,8km/h und einen Durchschnittsverbrauch von 68 Litern/100km hingelegt, was für ein Tempo…. Aber es hat sich gelohnt.



In Peshkopi, der nächsten größeren Stadt, versorgen wir uns wieder mal mit Lebensmitteln. Wir sind hier nahe der Mazedonischen Grenze, dort soll der Diesel günstiger sein als in Albanien und bei unserer Menge lohnt sich das  durchaus. Wir entscheiden rüber zu fahren, um dort zu tanken. Die Grenze an sich kein Thema. Wir besorgen uns mazedonisches Geld und gehen Tanken. Natürlich erinnern sich die Grenzposten an uns als wir zurück an die Grenze kommen, aber sie fragen nur kurz, machen aber weiters keine Anstalten. An diesem Tag haben wir auf der Weiterfahrt auf die Hochebene von Klenya völlig die Zeit aus den Augen verloren und viel zu spät angefangen nach einem Stellplatz zu schauen.

Wir kämpfen uns im Dunklen, mit voller Beleuchtung auf einer groben Schotterpiste durch, die auch hier tief hängenden Bäume interessieren uns schon lange nicht mehr. Teilweise ist die Piste so schlecht, dass wir nur schaukelnd im Schritttempo voran kommen, es geht immer bergauf. Erst gegen 20:30 Uhr, stockdunkel, führt eine Einbuchtung von der Piste ab, auf eine ganz kleine Lichtung, die einigermaßen eben ist. Hier bleiben wir die Nacht stehen. Wir wissen nicht, wie es um uns herum aussieht, es ist auch egal, nur noch eine Kleinigkeit essen und dann schlafen.

Am nächsten Morgen sehen wir,  dass wir in einer kleinen Mulde auf einer kleinen Lichtung, unweit der Strasse stehen. Dort geht es weiter, immer hinauf über Serpentinen und auf ausgewaschener Geröllpiste. Oben auf der Hochebene von Klenya angekommen, haben wir einen fantastischen Blick über das Land. Wir sind hier im Nationalpark Jablanica-Shebenik ganz nahe an der Mazedonischen Grenze. Aus diesem Grunde gibt es hier oben eine Militärkontrolle. Unser Pass wird kontrolliert, alles nur Routine. Vorbei an ursprünglichen Dörfern und riesigen Schafherden geht es weiter.

An einer Wasserquelle am Straßenrand tanken wir auf. Das Wasser schmeckt fantastisch, frisch und ohne Beigeschmack. Unsere Bohrmaschine mit der kleinen Pumpe dran, leistet Großes so lange die Akkus halten.



An einem Feld kaufen wir bei einer Bäuerin Kartoffeln, sozusagen frisch geerntet, auf unspektakulärer Schotterstrasse geht es nach Librazhd. Es ist schon wieder spät und wir halten uns hier in sehr bewohntem Gebiet auf, so landen wir letztlich zum Schlafen auf dem Parkplatz eines Hotels, über der Ebene von Elbasan. Wir essen hier und besprechen nochmals unsere Route. Wir ändern den Plan und wollen einen "Schlenker" nach Mazedonien zum Ohrid See machen, von dort weiter in den Süden von Albanien fahren. Also geht es am nächsten Morgen zurück nach Librazhd und über den Thana Pass hinunter nach Ohrid.

Leider liegt der älteste, tiefste (289 m) sowie klarste See Europas im Dunst, für uns nicht zu erkennen. In der Stadt Ohrid, es ist Sonntag und sehr ruhig, gehen wir spazieren, lassen uns treiben, trinken Kaffee, gehen ins Internet Cafe.

Wir brechen auch noch zum benachbarten Prespa See auf, der als Naturschutzgebiet dem Ohrid See in seiner Popularität etwas hinterher hinkt. Seine Ufer sind verschilft und nicht so gut zugänglich. Hier wirkt alles ziemlich verschlafen. Es regnet bereits 2(!) Tage, wie verwöhnt wir schon sind, nach fünf Wochen zum ersten Mal Regen! Am nächsten Tag scheint wieder die Sonne und wir fahren den See entlang nach Albanien. Der große und der kleine Prespa See liegen idyllisch hier oben in den Bergen. Auf neu ausgebauter Teerstrasse geht es auf einer Hochebene Richtung Korca. Viel Obstanbau ist zu erkennen, Apfel, Pflaumen, Paprikafelder wo das Auge hinschaut. Die Gegend hier scheint bei weitem wohlhabender als das, was wir bisher in Albanien gesehen haben. Gerade in der Ecke um Korca verblüffen uns die schönen Häuser und die teuren Autos davor. In der Stadt selbst hingegen sehen wir ärmlichste Ziegelwohnblocks.

Ein krasser Gegensatz. Hier in dieser Gegend gibt es Kulturhistorisches von großem Wert. Und so machen wir einen Abstecher nach Vithkuq, dort steht eine der ältesten und sehenswertesten Kirchen dieser Region. Der Ort liegt etwas versteckt in den Bergen, schon die Fahrt dahin lohnt sich. Es soll um 1700 einer der reichsten und wichtigsten Handelsorte des Balkans gewesen sein. Heute spürt man davon nichts mehr. Oberhalb des Hauptortes kommt man zu der alten Kirche. Es hat sich gelohnt!!



Allein von außen ist "Shen Mihilli", wie die Kirche heißt, durch die Säulenkonstruktion beeindruckend. Durch einen Spalt können wir erahnen, welche Schätze sich im Inneren auftun. Außen herum alte Gräber. Leider ist die Kirche abgeschlossen.

Die Kirche beschäftigt uns und wir wollen am nächsten Tag den Schlüsselbewahrer ausfindig machen, also fahren wir ein Stück höher in die Berge und bleiben für die Nacht. Mit diesem Vorhaben starten wir in einen wunderschön sonnigen Tag. Was liegt näher als den Zugang zu einer Kirche bei einer Kirche zu vermuten? Wir fahren zurück in den Ort und halten dort an der orthodoxen Kirche an. Der Priester mäht gerade seinen Rasen. Als wir ihn auf "Shen Mihilli" ansprechen zögert er einen kleinen Moment und gibt uns dann zu verstehen, dass er natürlich den Schlüssel hat allerdings kein Auto, und er will uns die Kirche öffnen. So fahren wir mit dem netten Menschen, der nur ein paar Worte englisch spricht und uns Jahreszahlen über sein Handy vermittelt, wieder zurück zur Kirche. Er öffnet sie und wir trauen unseren Augen nicht! Diese dreischiffige Basilika von 1682 ist fast original erhalten. Innen hat sie viele, durch Säulen getragene, Kuppeln, die außen, da durch ein Flachdach verdeckt, nicht zu erahnen sind. Wunderschöne Gemälde, alte Holzbänke, einfach fantastisch. Er öffnet uns auch den hinteren Bereich der Kirche, der den Frauen vorbehalten war. Er ist zwar genau so groß wie der eigentliche Kirchenbereich, aber lange nicht so schön ausgemalt, er war zum Teil zerstört und wurde wieder renoviert.

In der Nähe von Vithkuq gibt es auch noch eine Klosterruine "Shen Petri". Dort sind noch zwei Gebäude, die Kirche und eine Kapelle, erhalten. Auch dorthin begleitet uns der nette Geistliche. Die Kirche ist ebenso sehenswert. Wiederum schön ausgemalt und teilweise sehr gut erhalten.

Die kleine Kapelle im Hintergrund dieser Kirche birgt im Keller eine Gruft. Hier wurden wohl Massenbestattungen durchgeführt und später hat sich dann jemand die Mühe gemacht, die Gebeine ordentlich zu sortieren. Gruselig.



Wir bringen den Geistlichen wieder zurück zu seinem Rasenmäher, bedanken uns höflich und da er kein Geld verlangt, geben wir eine Spende in seine Kirchenkasse. Toll war's! Und mit diesem Gefühl geht es für uns weiter in Richtung Leskovik. Die Strecke führt uns durch verschiedene Landschaften bergauf, bergab, über flache Ebenen, steile Serpentinen, teils waldig, teils kahl. Fast hinter jeder Ecke ist es anders. An einer Quelle an der Strasse nehmen wir wieder Wasser auf, eiskalt. Auf dem nassen, glitschigen Boden rutsche ich aus und "knalle", eh ich mich versehe, rücklings in den Matsch und herumliegenden Müll. Grausig, ich triefe, der Matsch läuft an mir runter, ekelig. Klaus spritzt mich mit unserer Außendusche ab, sozusagen "Waschgang an der Person". Ich zieh mich um und bin für den Moment bedient. Als wir den Sonnenuntergang abseits beim Dorf Radanj an einem kleinen Stausee genießen, kann ich über mein Malheur schon wieder lachen.

Am nächsten Morgen bimmeln uns die vorbeiziehenden Schafherden wach. Ein wunderschöner Tag beginnt gemütlich mit einem kurzen Schwatz mit dem Schäfer und weiter geht's über Carshove ins Vjosa Tal. Weiter windet sich die Strasse bergauf und bergab über die Hügel, gemütlich geht es dahin. Die Szenerie ist wirklich beeindruckend. Bei Benja biegen wir ab Richtung Norden und fahren den Fluss Lengarica entlang. Wir kommen an eine stattliche türkische Bogenbrücke, dahinter soll es heiße Thermalquellen geben. Wir beschließen, den Fluss in der Schlucht zu erkunden.

Auf dem Weg treffen wir ein Ehepaar aus Sachsen, die wir schon gestern in Vithkuq getroffen hatten. Wir plaudern ein wenig und verabreden uns für den Abend. Weiter die Schlucht hinein finden wir tatsächlich einige dieser "Badebecken", aber heiß, bzw. Thermal? Die sind gerade mal lauwarm. Wir gehen lieber weiter die Schlucht hinein, queren dabei immer wieder den Fluss. Es ist nie tiefer als bis zur Badehose und dabei so erfrischend. Die Schlucht wird teilweise richtig eng und auf den glitschigen Steinen muss man gehörig aufpassen, dass man nicht ausrutscht. Nach unserem Nachmittagsspaziergang sitzen wir mit Manu und Matze zusammen. Es wird ein feuchtfröhlicher lustiger Abend. Die beiden sind mit einem ausgebauten Bremach unterwegs und so gibt es einige gemeinsame Themen und Interessen. Am nächsten Morgen werden noch ein paar Tipps ausgetauscht. Wir verabreden uns für den Strand nach dem Llogora Pass, da wir ungefähr die gleiche Strecke vor uns haben. Vorweggenommen ist, dass wir uns nicht mehr getroffen haben. Wir standen ca. 2 Kilometer auseinander.

Die alte Kirche in Kosina aus dem 12. Jahrhundert streifen wir kurz, da auch sie verschlossen ist. Sie ist ganz anders aufgebaut als "Shen Mihilli" wirkt graziler mit viel architektonischer Spielerei.

Nach Tepelena biegen wir wieder von der Teerstrasse auf eine Schotterstrasse ab.  Anfangs noch sehr gut, entpuppt sich diese Strecke später als grobsteinig, mit Geröll und Auswaschungen. Die Piste nach Amantia, ein Archäologiepark, eine Kultstätte der Illyrer. Und so ist es wohl auch nicht arg verwunderlich, dass wir uns teilweise sogar auf dem wirklich uralten griechischen Verkehrsweg der Antike bewegen. Es geht immer hoch über dem breiten Schwemmtal der Vjosa entlang am Kurvelesh Massiv, ziemlich holprig und grobsteinig ausgewaschen geht es so dahin, begleitet von einem großartigen Panorama.



Wir besichtigen diesen Hügel Amantia und klettern umher. Beim Abstieg kommen wir durch einen kleinen Weiler indem uns eine Frau abfängt, auf Feigen und Wasser einlädt und uns alte Münzen zum Kauf anbietet. Diese hat sie wohl hier irgendwo auf ihrem Grund und Boden gefunden. Vielleicht wertvoll, aber wir wollen damit nichts zu tun haben.

Auf unspektakulärer Fahrt geht es weiter nach Vlora. In dieser Großen Stadt am Meer kaufen wir ein und fahren weiter, als wir dann plötzlich vor einem Tunnel stehen: 3,20 Meter Höhe - und jetzt??

Wir müssen eine Umfahrung suchen und irren einige Zeit umher, bis wir uns dann durchfragen, eine Strasse führt durch ein Wohngebiet direkt oberhalb des Tunnels. Weiter geht's Richtung Llogora Pass - eine sehr schöne Strecke durch Dörfer, die, weil sie am Meer liegen, vom Tourismus profitieren möchten und sich langsam darauf einstellen. Bausünden hie und da bestätigen das bereits. Leider ist das Wetter als wir den Pass hinauf fahren nicht ideal, es wird sehr dunstig. Der Pass führt auf seiner Rückseite über klasse Serpentinen direkt zum Meer.

Gleich nach dem Pass rechts ab geht es auf einer Schotterstrasse zu einem langen Kiesstrand. Es ist schon 18.00 Uhr und es wird bereits dunkel, nur jetzt nicht einbuddeln. Wir lassen auch noch Luft aus den Reifen ab, da unser "Shumba" in dem tiefen lockeren Kies ganz schön gräbt und auch bald an seine Grenzen kommt. Wir bleiben auf der hinteren, dem Berg zu gewandten Seite des Strandes stehen und sehen erst am nächsten Morgen so richtig wo wir hier gelandet sind.

Wir sind völlig alleine an einem langen Strand, der, auch wenn Kieselsteine, wunderschön ist. Das Wasser ist total klar und warm - einfach herrlich! Die Nacht können wir mit geöffneter Dachluke über dem Bett unter dem Sternenhimmel schlafen, tagsüber baden wir, backen Kuchen und Brot, lesen, waschen unsere Wäsche, machen kleinere Reparaturen. Eine kleine Windböe versetzt unserer Markise einen "Hieb", so dass eine Plastikhalterung abbricht, wie ärgerlich, gerade hier können wir sie so gut gebrauchen. Jeden Morgen so gegen 10 Uhr sehen wir draußen auf dem Meer die Fähre der Anek Lines vorbeifahren. Ansonsten? Nichts. Wir verbringen 5 schöne, ruhige Tage hier am Strand, an dem wir eigentlich nur 2 Tage bleiben wollten.



Weiter Richtung Süden, in Borsh, finden wir noch mal einen schönen Strand an dem wir problemlos die Nacht verbringen können. Wir nehmen am nächsten Morgen noch ein Bad im Meer zur Erfrischung, wer weiß wie oft wir das noch machen können, und weiter geht's nach Sarande. Die Küstenstrasse Richtung Süden ist wunderschön, ganz ursprünglich hie und da kleinere Städte oder Ortschaften die anfangen sich touristisch zu entwickeln. Hoffentlich lernen sie dann auch ihren Müll zu bändigen, das ist in ganz Albanien ein fürchterlicher Anblick.

In Mesopotam besichtigen wir noch einmal eine Klosterkirche, da es für uns am Weg Richtung Delvine liegt. In den Bergen übernachten wir und hören im Radio bereits griechische Sender. Gjirokastra, das für uns jetzt nur noch einen Abstecher bedeutet, war zwar nicht "eingeplant", klingt für uns jedoch so interessant, dass wir die Altstadt besichtigen. Der hier vorherrschende Baustil ist für Albanien einzigartig, eine Art Fachwerkbau. Einzeln stehende Häuser mit größeren Erkern und vielen Fenstern, sowie mit Stein gedeckten Dächern. Diese Stadt gehört zum Unesco Weltkulturerbe.


Und so geht es in aller Ruhe nun schließlich an die griechische Grenze.

Wir haben, mal wieder, nicht alles gesehen, so z.B. waren wir nicht in der, zum Weltkulturerbe gehörenden, Stadt Berat, noch waren wir am höchsten Berg, dem Tomorri. Wir waren an Orten, die nicht auf der touristischen Hauptroute liegen, wie in Novoseje und Shistavec.

Wir hatten tolle Begegnungen mit Menschen, die mit Freude, Vertrauen und Offenheit auf einen zu kommen.

Albanien ist ein Eldorado für Offroader und Enduristen. Hier kommt man natürlich nur langsam voran, z.B. haben wir an einigen Tagen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 1okmh erzielt, und das nicht weil wir bei laufendem Motor soviel fotografieren. Die Straßen fordern diesen Tribut. Aber es ist egal, diese fantastische Landschaft entschädigt, auch wenn wir mit dem LKW manchmal passen mussten, weil zu schwer, zu groß, zu hoch etc.

Es ist ein Land, dem wir wünschen seine Ursprünglichkeit sehr, sehr lange zu bewahren.

In Griechenland (05. bis 07. Oktober 2011) fahren wir im Grunde nur Transit Richtung Türkei, über Thessaloniki und weiter Richtung Alexandropoli. Am Strand vor Kavalla nehmen wir tatsächlich unser letztes Bad im Meer Es ist schon sehr viel kälter, man merkt, dass es Herbst wird.

Am 08. Oktober überqueren wir die Grenze in die > Türkei
, 1. Etappe




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