Reisebericht Simbabwe Teil 3 - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Simbabwe


Im Süden

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Teil III >  Mount Selinda - Plumtree                    21.06. - 12.07.2016               1.061 km

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Weiter entlang an der Grenze zu Mozambique verlassen wir nun auch das Middleveld hinunter in das Lowveld, wo wir uns nur mehr zwischen 200m und 500m bewegen. Die Landschaft verändert sich deutlich, das üppige Grün verschwindet, es löst sich ab mit Buschwald und geht langsam in die Savanne über. Die Straße ist extrem schlecht. Hier scheint es sehr mühsam zu sein, dem Boden Fruchtbares abzuringen. Die Menschen sind arm, leicht zu erkennen an ihren Hütten, der Kleidung, den zerfetzten Schuhen. Die ersten Baobabs tauchen in der Landschaft auf und die Temperaturen gehen in Richtung der 30 Grad Marke. Im Sommer ist es hier extrem heiß, sehr oft bis zu 48 Grad im Schatten, sagt man uns.

Es ist interessant zu beobachten, wie die Menschen zusammen arbeiten. Wir haben den Eindruck, dass es neben der traditionellen Rollenverteilung auch eine gemeinsame Erledigung der z.B. Feldarbeit gibt und speziell die Männer nicht so herumlungern, wie wir es in anderen Ländern schon beobachtet haben. Wir sehen wie Männer und Frauen gemeinsam einen ganz schlechten Straßenabschnitt ausbessern, indem sie Löcher zuschütten, Steine schleppen, Büsche abhacken. Als wir vorbei kommen, klatschen, winken und rufen sie uns freudig zu. In anderen Ländern haben Menschen, die Ähnliches getan haben, die Straße blockiert und nach Geld gefragt.

Bei einer kleineren Flussdurchquerung müssen wir mal wieder „Forstarbeit“ leisten. Eine Kurve ist für uns zu eng, und so müssen wir den Bewuchs der Uferböschung dezimieren. Ein paar Männer, eigentlich auf dem Weg in die nächste Kneipe, man kann ihr Vorhaben bereits riechen, helfen uns mit allem Elan, Steine heranzubringen und die, mit dem LKW herausgerissenen, Büsche und Bäume zu beseitigen.

Bereits bei der Anfahrt zum Gonarezhou Nationalpark fällt uns der nagelneue Elektrozaun auf, an dem man sehr lange entlangfahren muss, bis man schließlich zum Eingang in das vorgelagerte „Malilangwe Conservation“ Gebiet kommt. Von hier sind es noch ungefähr 35 km bis zum eigentlichen Parkeingang bei Chipinda Pools. Eine sehr freundliche junge Dame frägt in Harare die noch freien Camps ab, natürlich mit unserem Handy. Buchen und bezahlen können wir dann bei ihr. Eigentlich müsste man, wie so oft, vorreservieren.

Der erste Streckenteil in den Park hat wenig zu bieten. Immer wieder sehen wir Impalas, Elefanten und Kudus. Und dann, schwierig zu erkennen zwischen den Steinen, ein paar Wildhunde. Je näher wir dem dominierenden Fluss Runde kommen, der zu dieser Jahreszeit kaum noch Wasser führt, umso parkähnlicher wird die Landschaft. Und als wir gegenüber den berühmten Chilijo Klippen angekommen sind, befinden wir uns in einer wahren Bilderbuchlandschaft. Es ist so schade, dass es ausgerechnet heute bewölkt ist. Wie wunderschön würden diese roten Sandsteinklippen in der untergehenden Sonne ausschauen. Aber auch so ist die Szenerie fantastisch. Wir machen unser Abendessen am Feuer und nicht mal 10 Meter entfernt, tun es uns drei Elefanten gleich. Wir wurden gewarnt vor den Elefanten im Park, durch die viele Wilderei in den vergangenen Jahren seien sie gegenüber Menschen sehr nervös, teilweise auch aggressiv. Doch die hier lassen sich von unserer Anwesenheit gar nicht aus dem Konzept bringen, genüsslich zupfen sie Blätter von den Büschen. In der Nacht wachen wir immer wieder von dem nahen und sehr lauten Gebrüll der Löwen auf. Und zum Frühstück können wir eine Löwin beobachten, die direkt vor uns das Flussbett entlang schlendert.

Hätte man bisher getrost mit einem PKW den Park befahren können, braucht man in Richtung Norden ein Allradfahrzeug, und das nicht nur für die Flussdurchquerungen, die Wege sind teilweise sehr schlecht. An einer Flussdurchquerung treffen wir Einheimische aus dem nahen Triangle und erfahren, außer ein paar Tipps zur Wildbeobachtung auch, dass der Süden des Parks immer noch unter Wilderei leidet und daher dort kaum Wild zu sehen sei. Diesen Abstecher können wir uns also getrost sparen.

Auf unserer Spazierfahrt in Richtung der Aussichtspunkte auf den Klippen durchqueren wir dichten Mopane Buschwald. Plötzlich werden wir von einem lauten Knall aus unserer Nachmittagsruhe gerissen. Der LKW kippt spürbar nach vorne links weg. Was war denn das?! Schnell ist klar, der Reifen ist platt! Wir sind zu nahe an einem abgesägten Baumstumpf vorbeigefahren und hängen geblieben. Die Seitenwand des Reifens ist ganze 15cm aufgerissen. Ein Moment Unachtsamkeit = 800 €. Klaus ist wütend. Es ist die erste Reifenpanne auf der Reise, die vermeidbar gewesen wäre. Doch es ist, wie es ist und wir sind froh, dass es einer unserer älteren Reifen ist und nicht einer der neuen, die wir in Windhoek gekauft haben. Mit gedämpfter Stimmung wechseln wir den Reifen. Übervorsichtig ob dieses Erlebnisses fahren wir weiter.
 
Die zweistündige Zwangspause zwingt uns dazu, unterwegs zu übernachten. Dafür eignet sich nichts besser als ein Aussichtspunkt auf den Klippen. Sagenhaft liegen der Runde und der gesamte Nationalpark unter uns und die berühmten Chilojo Klippen erleben wir jetzt im Schein der untergehenden Sonne.

                                                  


Am nächsten Tag umrunden wir die Klippen und durchqueren erneut den Runde, um uns auf den Weg zu den großen Pfannen im Norden des Parks zu machen, die uns von den Einheimischen empfohlen wurden. Traumhaft idyllisch liegen diese kleinen Seen im Busch. Hippos suhlen sich genüsslich im Wasser, jede Menge unterschiedlicher Vögel und Enten staksen auf der Suche nach Futter im grünen Teich. Im Hintergrund grasen Antilopen wie Nyalas, Impalas, Springbock und natürlich Elefanten.

Wir haben Zeit. Wir genießen die Ruhe und warten einfach ab, ob, und, wenn ja, was passiert. Erst spät am Nachmittag wechseln wir unseren Standort. Wir wollen zu der größeren Pfanne auf der anderen Seite des Flusses. Doch weit gefehlt, aus einem gemütlichen Sonntagsnachmittagsausflug wird eine umfassende Baumfällaktion. Die Ausfahrt aus dem Flussbett ist, wegen tiefer Auswaschungen und Abbrüchen, extrem schmal und schräg und zu allem Überfluss ist sie auch noch sehr eng, da Bäume und Büsche in den Weg hinein wachsen. Wir kommen hier nicht weiter. Zurückfahren ist unter den Umständen bereits schwierig und außerdem wäre es ein Umweg von ca. 60km durch den Park. Das könnte man im schlimmsten Fall immer noch machen. Wir entscheiden uns nach guter Abwägung für die Forstaktion. Doch mit Panga und Beil kommen wir nicht weit. Mindestens fünf dickere Bäume sind extrem dicht und stark miteinander und mit anderen Büschen verwachsen und verschlungen. Hier muss unser „Fichtenmoped“ seinen Dienst verrichten. So leid es uns tut, in dieser Idylle diesen Lärm zu verursachen.

Wir sägen Bäume, hacken und reißen Gestrüpp auseinander, schleppen alles weg. Wir arbeiten hart. Immer wieder stecken die Widerhaken der Schlingpflanzen in der Haut, das Blut läuft uns die Arme und Beine hinunter. Im Hintergrund wandert, ungetrübt von unseren Aktionen, eine Herde Elefanten den Flusslauf entlang. Wir schauen aus wie die Schweine…. Doch mit Einbruch der Dunkelheit haben wir es geschafft. Schnell noch alles irgendwie im Truck verstauen und dann „reißen“ wir in der Dunkelheit noch die 15km bis zu unserem heutigen Nachtplatz runter. Über unsere späte Ankunft sind die, in den Bäumen aufgeschreckten, Paviane allerdings weniger begeistert. Mit großem Geschrei suchen sie das Weite. Uns juckt es überall, wir wollen nur noch duschen und einen großen Teller Spaghetti essen.

Erst am nächsten Morgen sehen wir, wo wir zu stehen gekommen sind. Eine paradiesisch gelegene, mit Wasser gefüllte, Pfanne liegt vor uns. Jede Menge Vögel, Flusspferde, und etwas später immer wieder Elefantenherden, die sich ihren Spaß im kühlen Nass gönnen, ein paar davon tun das direkt vor unserem Wohnzimmerfenster. Das ist toll hier! Africa at it's best!!
Riesige Herden Impalas und Springböcke äsen ganz gemütlich. Einziger Wermutstropfen in dieser morgendlichen Idylle, wir müssen unsere Werkzeuge und Geräte vom Vortag noch putzen und wieder verstauen und zu allem Übel noch einen abgerissenen Bolzen an der Motorrad-Hebebühne ersetzen.
Kurzfristig entscheiden wir uns, noch eine Nacht hier zu bleiben. Es gefällt uns zu gut hier, wir wollen es auch noch ein wenig genießen können. Und es lohnt sich. Wir sehen etwa 300 Elefanten, darunter einen Paarungsversuch unter lautem Trompeten, eine große Herde Elandantilopen, die dann auch noch von drei Wildhunden gejagt wird und eine größere Gruppe scheue Nyalas mit ihren buschigen Schwänzen und Wasservögel, Wasservögel…. .

Dieser Park bietet alles was Afrika ausmacht: Ursprünglichkeit, Artenvielfalt, wenn auch nicht an jeder Ecke an Autos gewohnte Tiere. Immer wieder wechselnde Vegetation und landschaftlichen Hochgenuss mit den Chilijo Klippen als Höhepunkt. Ein umfassendes Wegenetz und Offroad-Abenteuer, denn teilweise sind die Straßen so schlecht, dass wir uns lieber ein kleineres Fahrzeug gewünscht hätten. Der Park ist – noch - ein Geheimtipp.



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Wir verlassen den Park über den Save, der zu dieser Zeit bereits fast trocken ist. Hoffentlich reicht das Wasser für die Tiere dieses Jahr! Nicht, dass erneut so viele Tiere verhungern und verdursten wie zu Beginn der 90 Jahre.

Auf dem Weg zurück in die Zivilisation statten wir der schönen Chilo Gorge Lodge, die am Weg liegt, einen kurzen Besuch ab. Die Lodge ist seit kurzem wieder eröffnet und liegt wunderschön an dem Steilufer des Save mit einem weiten Blick in den Park.

In Chiredzi, einem kleinen staubigen Nest abseits der Hauptstraße, lassen wir unseren letzt verbliebenen Ersatzreifen auf die Felge montieren. Der Reifen muss vulkanisiert werden und das dauert, so übernachten wir kurzerhand auf dem Hof des Reifenservices. Im Laufe des nächsten Morgens ist unser Reifen montiert und wieder an Ort und Stelle untergebracht. Kein Tourist kommt freiwillig nach Chiredzi. Die Menschen sind wahrlich überrascht uns hier zu sehen. Wir benötigen noch einige Lebensmittel. Wir fragen uns durch, wo wir zum Beispiel Fleisch einkaufen können. So erfahren wir von dem großen Schlachthof in der Stadt. Die Firma ist unter weißer Leitung und während wir auf das Verpacken unserer „Großbestellung“ warten, werden wir auf eine Tasse Kaffee eingeladen und lernen so Elmy, Michelle, Kobus und Ferdy kennen.

Sie alle arbeiten hier. Vier ehemalige Farmer haben sich zusammen getan und „Koala Parks Schlachthof“ mit Sitz in Harare gegründet. Spezialisiert auf Rinderhaltung und -schlachtung sind sie sehr erfolgreich. Vier große Schlachthöfe gehören zu dem „Familien-Unternehmen“ landesweit, so umgehen sie eine „Zwangsteilhaberschaft“ eines Farbigen von 51%.

Ferdy erzählt aus den letzten Jahren, wie er und seine Eltern innerhalb von fünf Stunden die Farm, die der Großvater 1935 gegründet hat, verlassen mussten. Sie lieben ihr Land zu sehr, als dass sie es verlassen könnten, sie sind hier geboren und aufgewachsen. Aber als ehemalige Rhodesier dürfen sie keine Farm mehr besitzen, während ihre Kinder, die nach der Unabhängigkeit geboren wurden, als sogenannte „Newborn“ jederzeit eine Farm aufbauen könnten. Das verstehe wer will!

Während wir so sitzen und quatschen ergibt sich ganz automatisch die Frage, wo wir übernachten werden. Elmy, die in einem Firmenhaus wohnt, lädt uns ein, in ihrem Garten zu stehen. Hier können wir unsere Sachen wieder auf Vordermann bringen, Wäsche waschen usw. Gerne nehmen wir das Angebot an.

Jetzt sind wir bereits ein paar Tage in Chiredzi. Es ist zweifelsohne der „Nabel der Welt“. In der Umgebung riesige Zuckerrohrplantagen, Zuckerrohrplantagen und nochmal Zuckerrohrplantagen, ansonsten ein Supermarkt und eben der große Schlachthof. Und genau hier ist es, wo wir ganz tolle Menschen kennenlernen. Für uns ist es immer sehr spannend, in das Leben der Menschen vor Ort Einblick zu bekommen. Und so freut es uns ganz besonders, als Elmy uns zu einer „Baby Shower-Party“ mitnimmt. Michelle, ihre Kollegin, bekommt ihr erstes Kind und da ist es üblich, die werdende Mutter im Rahmen einer kleinen Überraschungsparty mit vielen notwendigen Kleinigkeiten zu überraschen. Anschließend kommen die Männer dazu und es wird gegrillt und gefeiert. Lustige und interessante Gespräche ergeben sich. Am nächsten Tag nimmt sich Elmy Zeit für uns und fährt mit uns auf ein, zum Schlachthof gehörendes, Gehege. Die Rinder, die hier in verschiedenen Kategorien untergebracht sind, werden noch ein paar Wochen gefüttert, bevor sie zur Schlachtbank geführt werden. Sie erklärt uns die ganze Prozesskette und wir sind überrascht, wie komplex Rinderhaltung zu sein scheint. Angeblich wird hier das beste Fleisch im südlichen Afrika produziert. Bestätigen können wir es noch nicht, aber wir haben eingekauft.

Mehr als eine Woche verbringen wir bei Elmy. Sie kommt aus der Nähe von Mutare, ist aber wegen des Jobangebots in diese Kleinstadt im Süden gezogen. Hier erfahren wir viel über das Leben in einer Kleinstadt. Jeder kennt jeden und jeder weiß (meist) alles von jedem. Gerüchte laufen durch die Stadt wie räudige Hunde, schnell wird stigmatisiert und geurteilt, und wer einmal ausgeschlossen ist, bleibt draußen. In einer Stadt wie dieser, wo es nur etwa 60 Weiße gibt, tut man gut daran, sich anzupassen und an die „ungeschriebenen“ Regeln zu halten. Es ist der einzige soziale Kontakt den man hat.

Je mehr wir uns mit den Weißen beschäftigen und Gespräche führen, umso mehr lernen wir, dass die Menschen in Parallelwelten leben. Auch wenn die Kinder, schwarz und weiß, gemeinsam zur Schule gehen, so werden sie dennoch so erzogen, dass Beziehungen jedweder Art ausgeschlossen sind. Keine Geburtstagspartys, kein miteinander Ausgehen oder gar intime Beziehungen. Alles unter der Androhung von Enterbung untersagt. Gesellschaftliches No Go! Es gehört sich einfach nicht. Maximal arbeitet man zusammen, das geht nun mal nicht anders. Doch in den Köpfen arbeitet der Schwarze für die Weißen.

So entwickeln sich in dem Land die Menschen in verschiedene Richtungen, mit unterschiedlichen Zielen und Erwartungen. Und speziell die Schwarzen werden das Gefühl nicht los, diskriminiert zu werden. Gleiche Arbeit gleicher Lohn? Fehlanzeige! Es waren vorwiegend junge Menschen mit denen wir gesprochen haben, aber auch Menschen in unserem Alter.


Es gibt Unruhen und Tumulte in Simbabwe. Vor vier Tagen wurde bei Krawallen an der südlichen Grenze zu Südafrika, in Beitbridge, ein Lager des Zolls angezündet. Die Opposition hat zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen. Im ganzen Land finden Kundgebungen und Demonstrationen statt. In Harare wurden in einigen Vierteln Straßensperren errichtet. In der Hauptstadt streiken die Ärzte, Lehrer und andere Staatsbedienstete, da sie seit Wochen keinen Lohn erhalten haben. Die Regierung hat die Einfuhr von „nicht notwendigen Waren“ wie Kaffee-Milchpulver, Joghurt, Müsli, Salatdressings, in Flaschen gefülltes Wasser, Käse, Dosenfrüchte, Erdnussbutter usw. verboten. Das Land hat kein Geld, mehr diese Importe zu bezahlen. Die Regale in den Supermärkten werden wieder leerer. Die Menschen aber lassen sich die Willkür der Regierung nicht länger gefallen, wie es scheint. Sie lehnen sich auf. Die Tumulte sollen sich über das ganze Land ausbreiten. Die Rufe nach Jobs, Krankenversorgung, Löhnen, Schulbildung, Rufe gegen die Korruption und die Straßensperren der Polizei und vor allem die Rufe nach dem Rücktritt von Mugabe und seinem kompletten Ministerstab werden lauter.

Eines Abends auf der Suche nach einem Schlafplatz kommen wir in ein Goldminengebiet. Keine großen Minen, kleinere, von Menschenhand ausgegrabene Schächte und Gruben. Wir lernen Gobera, das bedeutet Samstag, kennen. Er arbeitet und wohnt hier oben ganz alleine. Er ist 37 Jahre alt und seine Familie, Frau und 3 Kinder, so erzählt er, wohnen in einem ländlichen Gebiet einige Kilometer von hier. Er sieht sie alle paar Monate. Er fragt, ob wir was zu lesen für ihn hätten, etwas über Tiere würde ihn interessieren. Nein leider, das haben wir nicht in Englischer Sprache, nur zwei Tageszeitungen können wir ihm geben. Doch auch darüber freut er sich.

Am nächsten Morgen besuchen wir ihn. Als wäre alles ganz normal zeigt er uns, wie er lebt. Seine Hütte ist ein Holzgestell mit einer übergeworfenen Plastikplane. Genauso eine Plane dient auch als Boden, die Türe ist ein Pappkarton, davor ein großer Ast mit Dornen, als Schutz gegen die Ziegen, die ihm sonst seine Vorräte auffressen. In einer Ecke hängen zwei Decken, in der anderen Ecke steht eine Schüssel, mit Tasse und Topf. Wasser holt er alle 3 Tage von irgendwo her. Wir sehen keine Matratze, kein Kissen, nichts wohnliches. Vor der „Hütte“ ein glimmerndes Feuer. Der Claim auf dem er arbeitet gehört ihm nicht. Seine Aufgabe ist es, das Abräumgestein zu durchsuchen. Er hackt es klein und sortiert es nach möglichem Goldstaub oder Vorkommen. Etwa 6 Tonnen braucht er, bis es sich lohnt, einen Traktor zu holen, der das Kleingehackte abholt und in die Mühle bringt, wo es ausgemahlen und endgültig sortiert wird. Von jedem Erlös muss er 50% an den Claimbesitzer abgeben, so hat er die letzten 3 Monate ca. 100 US$ verdient.
Mir imponiert seine Art zu erzählen, sein natürliches Auftreten und seine Selbstverständlichkeit. Er hadert nicht, er jammert nicht, er lacht. Das hier ist sein Job. Er hat einen Job! Auch wenn er extrem hart ist und er damit nicht reich werden kann.
Wir füllen seine Wassereimer voll, 20 Liter reichen ihm 3 Tage, und geben ihm Mehl, Eier und Salz und ein T-Shirt von Klaus. Er verkauft uns einen kleinen Stein mit Goldeinschlüssen für 2 US$. Er freut sich. Am Abend will er etwas Gutes für sich kochen, lacht er und winkt uns nach.
 
Das sind die Momente, die ganz tief rein gehen. Wenn er um etwas gebeten hätte, wir hätten es verstanden. Doch er wollte nur einen Stein verkaufen, fleißig, anständig und würdevoll. Wir haben ähnliche Situationen schon erlebt und immer wieder sind wir beeindruckt. Diese Menschen sind unglaublich.

Die Strecke nach Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes, ist unspektakulär. Auch in Bulawayo beschleicht uns wieder dieses Gefühl, ähnlich wie schon in Mutare. Irgendetwas stimmt nicht, irgendetwas fehlt. Es sind Menschen unterwegs, die überbreiten Straßen werden von Autos befahren, doch die afrikanische Stimmung fehlt. Dagegen lungern auch nicht so viele Straßenkinder und Bettler wie anderswo herum. Im Zentrum der Stadt sind noch einige der alten viktorianischen Häuser erhalten. Die Geschäfte in der Innenstadt sind voll. Doch die Industrie- und Warenläger in den Vororten sind leer, in den Autohäusern sehen wir nur wenige Ausstellungstücke.

Auf der Fahrt gen Westen in Richtung Grenze, durchfahren wir kleine Ortschaften mit den fruchtigen Namen Feigenbaum, Marula und Pflaumenbaum. Im Radio hören wir, dass die Regierung zwischenzeitlich gegen die Tumulte hart durchgegriffen hat. Es wurden Verhaftungen vorgenommen. Für eine kurze Zeit sind die Menschen wieder eingeschüchtert. Doch wir denken, dass es nicht mehr lange so weitergehen wird, die Menschen werden erneut aufstehen. Wir wünschen diesem wunderschönen Land so sehr eine Veränderung zum Positiven.

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BILDERGALERIEN   

Simbabwe -
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Der Osten und der Tuli Block

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