Reisebericht Saudi Arabien - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Saudi Arabien

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Grenze UAE - Jeddah                  07.03. - 20.03.2014                         2.919 km
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Es ist Freitag und aus diesem Grunde ist wenig los. Wir nehmen die linke Spur für „light vehicles" (auf keinen Fall bei den LKW‘s einordnen). Gleich am ersten Schalter wird das Carnet de Passage abgestempelt. Hier erhält man auch einen Laufzettel, den man dringend behalten muss, der wird bei den Saudis wieder abgegeben. Dann geht’s zur Passabfertigung, 70 AED berappen, fertig. Weiter mit dem Fahrzeug durchs Niemandsland, immer links halten (auf keinen Fall die Truckspur nehmen, hier werden laut Aussage 10.000 LKW pro Tag abgefertigt. So viele?) zur Passabfertigung. Freundlichen werden wir geleitet. Es werden Fingerabdrücke genommen und ein Foto gemacht, keine Gebühren. Dann weiter fahren zum Zoll. Die sind zuerst sehr erstaunt über unser Auto, wissen nicht so recht wie sie uns einordnen sollen. Es erfolgt die Kontrolle der Fahrzeugpapiere und dann des Fahrzeuges. Bei uns wurden lediglich ein paar Schubladen und Schranktüren geöffnet. PKW und Geländefahrzeuge werden intensiv kontrolliert, die müssen teilweise alles auspacken. Nach 25 Minuten ist die Einreise nach Saudi Arabien erledigt.  

Gleich nach der Grenze gibt es einen „Drive Through ATM" zum Geld ziehen und eine Tankstelle. 0,06€ kostet der Liter Diesel. Keine Sorge im Landesinnern wird es günstiger, dann kostet Diesel nur noch knapp 5 Eurocent.

Wir haben in Dubai viele Menschen gesprochen, die beruflich mit Saudi Arabien zu tun haben und mit ganz ganz wenigen Ausnahmen haben wir nur Negatives gehört. Jetzt haben wir die Gelegenheit rein zu schnuppern in dieses Land, uns selbst einen kleinen Eindruck zu machen.

Saudi Arabien ist eines der reichsten Länder der Erde, eine der wenigen verbliebenen absoluten Monarchien. Es ist das Land in dem Frauen im 21. Jahrhundert nicht Autofahren dürfen und als nicht geschäftsfähig gelten und daher einen Vormund brauchen. Es ist das Land in dem die herrschende Königsfamilie Unsummen an Geld mit Öl und Gas verdient und dann der Bevölkerung eine „Spende" abgibt. Saudi Arabien, das Land, in dem die Religion den obersten Stellenwert hat und sich Terrorismus u.a. deswegen entwickelt weil fundamental Gläubige die Nähe zu den USA und die offene Lebensweise einiger Mitglieder des Königshauses nicht für gut erachtet. Und, Saudi Arabien ist ein modernes Protektorat. Die USA bilden die Streitkräfte aus und sichern Schutz, dafür erhalten sie großzügig Öl. Lediglich Israel ist noch Stein des Anstoßes, denn die Saudis lehnen bis heute die Existenz Israels ab und sind mit der Unterstützung Israels durch die USA nicht einverstanden.

                                                  

Direkt neben der Tankstelle gibt es ein paar kleine Restaurants. Als Frau darf ich nur in einem separaten Raum essen, dem „Family Room", eine Art Separee, wir sitzen am Boden und essen super lecker Hühnchen mit Reis. Eine neue Erfahrung! Satt machen wir uns auf den Weg nach Riyadh, 400km geradeaus durch die Wüste.

Bei einer Pinkelpause unterwegs hören wir ein Pfeifen unter dem Auto. Wir verlieren Druckluft. Notdürftig können wir reparieren, kommen allerdings deswegen erst im Dunkeln in der Ortschaft Haradh an, wo wir ein Plätzchen neben der Feuerwehr finden.
Am nächsten Morgen überlassen wir uns ausgeschlafen den, durch tausende LKWs, ausgefahrenen Spurrillen und schaukeln weiter Richtung Riyadh. Immer wieder kommen wir an weitflächigen grünen Anbauflächen vorbei. Intensiv bewässert wächst aus dem Sandboden das Futter für die Kühe. Saudi Arabien ist Agrarland Nummer 1 der gesamten Region und zahlreiche Laster von Almarai, dem größten Hersteller von Milchprodukten, beliefern die komplette Arabische Halbinsel. Die Molkerei „Al Danah" der Firma Almarai, an der wir vorbei kommen, interessiert uns. In großen Hallen sind 45.000 Kühe untergebracht. Leider können wir wegen eines Virus die Farm nicht besichtigen. Unsere Fragen nach der täglichen Milchproduktion kann der nette junge Mann am Eingang leider auch nicht beantworten.

Riyadh, die Hauptstadt, ist auf den ersten Blick eine hässliche Stadt. Es ist schmutzig, die Häuser sind alt und stellenweise runtergekommen. Kein Glanz, keine gepflegten Rasenflächen, keine Prachtstraßen oder Paläste wie in den Emiraten. Auch die Innenstadt, mal abgesehen von den wenigen schönen Hochhäusern wie z.B. dem Kingdom Center Tower, oder „Flaschenöffner" wie die Einheimischen das Gebäude nennen. Im Inneren ein Nobelhotel, eine Shopping Mall, viele Büros und im 99 Stock dann die Skybridge. Ansonsten gibt es wenig zu sehen. Empfehlenswert ist das National Museum, wohl das beste Museum seiner Art auf der Arabischen Halbinsel. Leider ist heute Ruhetag, wir dürfen das Museum trotzdem für 2 Stunden besuchen sehen aber nur einen kleinen Teil.

Am schlimmsten ist der Verkehr. Wir haben uns doch sehr an Dubai und Abu Dhabi gewöhnt, wo teilweise 6 spurig in eine Richtung, der Verkehr floss. Der Verkehr in Riyadh an einem Wochentag ist gewaltig. Hier gibt es richtig Stau, die Zufahrten zu den großen Straßen sind dann von der Polizei gesperrt. Wir sollten sogar einmal eine Stunde warten, bis wir hätten weiterfahren dürfen. Wir sehen kaum ein Auto das nicht verbeult ist oder bei dem nicht die Stoßstange weghängt. Es wird aggressiv gefahren, ohne nachzugeben. Von wegen der Kleinere gibt nach, die hier haben keinen Respekt vor unserem LKW. Es erinnert uns stark an Kairo oder Teheran. Wie dort werden aus 3 Spuren 5 gemacht, ohne Blinker von der äußersten Spur in die Ausfahrt abgebogen. An Ampeln werden die stehenden Fahrzeuge auf der Abbiegespur überholt, um dann ganz lässig als erster von vorne wegfahren zu können. Da man als Ausländer eher geduldet als willkommen ist, sollte man besonders vorsichtig und vorschriftsmäßig fahren. Frauen dürfen öffentlich überhaupt nicht Auto oder Fahrrad fahren. Auch die Autos halten keinem Vergleich mit den Emiraten Stand. Zum Großteil sind es alte Kisten, Neufahrzeuge Fehlanzeige, man sieht, den Menschen in Saudi Arabien geht es nicht sehr gut.

Durch einen glücklichen Umstand können wir in Riyadh unser Visa verlängern lassen. Dafür müssen wir allerdings einen halben Tag investieren. Wir fahren zu dem „Jawazath Office" in der King Fahad Road. Dort machen wir beide, unabhängig voneinander, interessante Erfahrungen. Unmengen von Menschen bewegen sich um diese Behörde. Und da wir nicht wissen wo wir genau hinmüssen, alle Schilder sind auf Arabisch, gehen wir in die erste Türe und ich werde gemäß dem Motto „Ich warte draußen" in der Sonne vor der Türe „abgestellt". Klaus adaptiert sich gänzlich in dieser Männerwelt, was bleibt ihm auch anderes übrig. Er sitzt gemütlich in einem Sessel bei einem freundlichen Polizisten in einem klimatisierten Raum und wartet auf den nächsten Schritt. Schnell ist klar, wir müssen in ein anderes Gebäude. Klaus fragt an einem Schreibtisch nach dem Weg, ich muss auf eine Handbewegung des Polizisten hin in die Ecke dahinter. Nein, da gibt es keinen Stuhl. An der Wand stehen ist angesagt. Welch ein Glück, dass ich überhaupt hier drinnen sein darf und nicht vor der Türe in der Sonne stehen muss.
Klaus verschwindet in der Menge. Gefühlt gehen in den 20 Minuten, die ich warte, ca. 1000 Männer an mir vorbei rein und raus, alle „gaffen" als wär ich vom Mond gefallen. Ich trotze den Blicken, mit dem deutlichen Gefühl, hier habe ich nichts zu suchen, es reicht wenn (m)ein Mann (m)ein Foto auf einen Antrag klebt. Klaus stellt in der Zwischenzeit einen Antrag auf Verlängerung. Dank der Hilfe eines jungen Pakistanis, der sehr gut englisch spricht, findet er den Weg in das Schreibbüro des Agenten, ca. 500 m hinter der Behörde. Pro Person 200 Rial Visumsverlängerung plus 20 Gebühr fürs Schreiben, alles in Arabisch. Und dann kommt das Mittagsgebet dazwischen. 20 Minuten „Sendepause". Danach will uns der junge Pakistani wieder weiterhelfen und mir hilft er, indem er mir sagt, wo ich mich in der großen Halle hinsetzen darf, um zu warten. Immerhin ist es hier drinnen klimatisiert.
Das Gebet ist vorüber und plötzlich strömen wieder zahlreiche Männer schlurfend in das Gebäude und wieder hinaus. Sie alle haben in ihren Plastiktüten bündelweise Pässe ihrer ausländischen Angestellten, für die sie die Visa besorgen. Welch‘ eine Bürokratie! Schlange stehen ist ohnehin nicht des Arabers Stärke. Im Pulk geht es lautstark in Richtung der Schalter und dort reden dann alle durcheinander und schieben irgendwelche Dokumente durch die schmalen Schlitze. Der arme Mensch dahinter macht in, von Allah geschenkter, stoischer Ruhe seine Arbeit. Nach dem Mittagsgebet werden keine Anträge mehr angenommen. Mit der Hilfe des jungen Pakistani versucht Klaus beim Visa Manager sein Glück. Nachdem ich dann hier sitze, nimmt kaum noch jemand von mir Notiz. Ungehindert kann ich beobachten und das ist sehr interessant. Auffällig, die weißen Dishdashas sind hier nicht so blütenweiß und gestärkt wie im Oman und in VAE und es duftet auch längst nicht so gut. Teilweise schauen die Herren richtig ungepflegt aus. Vor dem Amt sitzen verhüllte Frauen auf der Straße und betteln. Nach ca. 2 Stunden kommt Klaus mit einem Zettel winkend heraus. Dieser Computerausdruck ist unsere Visaverlängerung um 7 Tage. Hurra!

Am Abend treffen wir Wael und seine Frau Elena. Sie sind Freunde von Saleh, von den Dubai Riders und laden uns zum Essen ein. Anschließend gehen wir noch auf einen Kaffee zu ihnen nach Hause. Beide sind leidenschaftliche Harley Davidson Fahrer und so ergeben sich schnell gemeinsame Themen und angeregte Gespräche.




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Nach 2 Tagen Riyadh überlassen wir uns wieder den tiefen Spurrillen der Autobahn Richtung Norden nach Ha’il. Heute ist Fahrtag, das heißt Kilometer „runter reißen" und das Wetter passt dazu. Die Luft ist voller Sand, irgendwo weit draußen tobt ein Sandsturm. Unterwegs kommen wir an einigen fest installierten Straßen-Kontrollen vorbei, es werden aber nur die PKWs kontrolliert, für uns interessieren sie sich nicht. Die Landschaft ist wenig abwechslungsreich, auch wenn es zwischendurch grün ist, halbaride Landschaften wo durchaus etwas anzubauen ist. Kamele und Schafe grasen gemütlich in den grünen Dünen. Wir vertreiben uns die Zeit mit Mario Barth und Hape Kerkeling.

Ungefähr ab der Hälfte der, für heute geplanten, Strecke fängt es an, aus Eimern zu regnen und das Thermometer fällt schnell von 30 auf 19 Grad. Hallo? Wir sind in Saudi Arabien! Im Dunkeln stoppen wir in Ha’il und übernachten dort in der Nähe des Souk. Am Morgen hat der Regen aufgehört. Es hat nur 15 Grad, die Sonne kommt durch die dicke Wolkendecke und langsam erwärmt sich die Luft. Die Menschen, speziell die Einheimischen, nehmen kaum Notiz von uns als wir am frühen morgen über den Souk schlendern. Nur hin und wieder spricht uns ein Araber an. Von den vielen ausländischen „Gastarbeitern" werden wir regelrecht bestaunt.

Unser Weg führt weiter in Richtung Al’Ula, einer Provinzhauptstadt auf halbem Weg zwischen Medina und Ha'il. Der heftige Gegenwind durch die weiten Ebenen treibt unseren Momentanverbrauch auf über 50 Liter hoch. Immer wieder sehen wir große Schafherden und viele Kamele, das Haustier der Saudis, und Zelte mit einfachen Stallungen dabei. Nur vereinzelt gibt es ein paar Ortschaften, sie schauen trostlos und runtergekommen aus. Die Menschen, die hier leben sind hauptsächlich Nomaden. Von dem vielen Regen gestern haben sich vielerorts kleine glitzernde Seen gebildet. Der sonst so karge Wüstenboden ist bereits leicht grün. Erstaunlich wie schnell aus dem sandigen Boden etwas wächst.
Weite Ebenen werden von riesigen Gesteinsformationen eingerahmt. Bizarr geformte, sehr außergewöhnliche, aufgrund von Witterung entstandene Felsformationen, die dem Betrachter wie Abbildungen von Tier- und Menschengestalten erscheinen. Diese wunderschöne Landschaft begleitet uns bis zum Tagesziel Mada’in Saleh. Ein riesiges Wadi, eine Oase tut sich vor uns auf. Mada'in Saleh ist die bei weitem bekannteste antike Stätte des Landes. Es handelt sich hierbei um eine ca. 2000 Jahre alte Felsengräberstätte, eine Nekropole der Nabatäer, die dort vor über 2.000 Jahren rund 150 Monumentalgräber in die fantastisch geformten Einzelfelsen und Felsformationen gehauen haben. Wie in Petra, drüben in Jordanien. Mada'in Saleh allerdings haben erst wenige europäische Augen gesehen. Bemerkenswert daran sind die aufgrund der trockenen Witterung gut erhaltenen Felsinschriften auf Aramäisch und Thamutisch. Durch das Wadi der Nabatäergräber führte einst auch die legendäre Hedschas-Bahn. Sie verband Damaskus mit Medina und wurde ab 1900 von deutschen Ingenieuren geplant und gebaut. Heute kann man die Geschichte dazu in einem liebevoll aufgebauten Museum betrachten.

Wir übernachten außerhalb des Geländes, um am nächsten Morgen nochmals durchzufahren. Wir sehen, dass ein großes Privatflugzeug auf einer Straße, die durch die antike Stätte führt, gelandet ist. Die Straße ist von der Polizei gesperrt. Im Bahn-Museum erfahren wir warum. Wir werden von einer Gruppe Araber angesprochen. Woher wir kommen, ob wir tatsächlich mit dem LKW da sind, ob wir den ganzen Weg gefahren sind etc. Sie sind ganz begeistert und machen Fotos von uns und dem LKW. Später fragen wir vorsichtig bei den Museumsangestellten nach und es stellt sich heraus, dass es ein Freund des Prinzen mit seinen Vertrauten war, die mit dem Flugzeug eingeflogen sind.




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Der Weg Richtung Jeddah am Roten Meer ist noch weit. Die Landschaft nach Al’Ula bleibt weiterhin gigantisch schön. Hier könnte man längere Zeit verbringen. Es gäbe Einiges zu sehen. Allein die alte aufgegebene Lehmstadt von Al‘Ula wäre es wert zu bleiben. Bis 1970 haben die Menschen in diesen Häusern noch gewohnt. In dieser Landschaft hat man kilometerlang das Gefühl am Grund des Meeres zu fahren. Auch in der nächsten Stadt, Yanbu al Nakheel, gibt es eine riesige verlassene Lehmstadt. Die Gegend drum herum allerdings schaut aus wie nach einer Flut. In den ehemaligen Gärten ragen nur noch Palmenstümpfe aus dem kargen Boden, eine ausgetrocknete Oase. Im Hintergrund ragt der schroffe Gebirgszug des 2010m hohen Jebel Radwa heraus. Wir haben schon wieder Gegenwind, es ist ganz egal in welche Richtung wir fahren. Da hilft es auch nicht, dass wir von 1200m hinunter zum Meer fahren. Der Durchschnittsverbrauch bei Tempomat 100kmh bleibt bei ca. 35 Liter. Eine riesige Ebene nimmt uns auf. Der Verkehr, insbesondere LKW, nimmt stark zu. Die erste Stadt am Meer ist die Industriestadt Yanbu al Bahr. Wir umfahren Yanbu und kommen auf der gut ausgebauten Autobahn durch unbewohnte Gegenden, an riesigen Raffinerien, Petrochemischen Fabriken oder Entsalzungsanlagen vorbei. In Saudi ist eben alles etwas größer.

Jeddah, die Stadt am Roten Meer und das Einfalltor der Pilger. Von hier aus sind es nur noch 75 Kilometer bis nach Mekka, zu dem wir Westler keinen Zutritt haben. Nicht-Muslime dürfen Medina und Mekka und die unmittelbare Umgebung nicht betreten, die Polizei weist Besucher auf die spezielle Ringstraße hin, die als »Christliche Umgehungsstraße« bekannt ist. Jeddah ist anders als Riyadh, bunt, laut, prosperierend und weltoffen, soweit das in diesem Land geht. Die Stadt ist exemplarisch für Saudi-Arabien. Nur zwei Generationen brauchte die Stadt, um das Mittelalter hinter sich zu lassen und einen Ring aus Industrieansiedlungen, Shopping Malls und Wohnvierteln um die Altstadt zu legen. Noch 1947 umgab die, nur einen Quadratkilometer große, Altstadt eine Mauer aus Korallenfelsen. Hinter der Mauer lebten etwa 30.000 Menschen. Nun zählt Jeddah über zwei Millionen Einwohner und dehnt sich auf über 1.000 Quadratkilometer aus. Allein die prächtige, von Palmen und zeitgemäßen Plastiken und Skulpturen gesäumte Corniche ist 60(!) Kilometer lang. Sie führt an schneeweißen Moscheen, an Königspalästen, Luxusvillen, Sandstränden und Vergnügungsparks vorbei.

Wir kommen am spätnachmittag an. Es ist Rush Hour. Völlig verstopfte Straßen und dazu diese irren Autofahrer, die sich in jede noch so kleine Lücke quetschen und sogar am linken äußeren, nicht vorhandenen Seitenstreifen der Autobahn, mit 2 Räder im Sand, überholen. Wir passieren Shoppingmalls so groß wie Fußballstadien. Für uns ist es allerdings erstmal wichtig in Erfahrung zu bringen, wie, wo und wann die Fähren nach Sudan abgehen. Deshalb peilen wir direkt das Fährbüro Baaboud Shipping an. Diese Linie fährt 2 x pro Woche. Ganz uneigennützig verweist Baaboud uns weiter an Namma Shipping Lines, Büro Askali, die 3x pro Woche fahren.
Jetzt haben wir die Fakten
und können entscheiden. Es ist schon dunkel, als wir noch ein wenig die Corniche entlang durch die Stadt „cruisen". Es ist Donnerstagabend und da „boxt der Papst". Hunderte Menschen, ganze Familien haben es sich in den Parks am Meer, mit Grill, Gaskocher und riesigen Teekesseln auf Teppichen gemütlich gemacht. Wir finden einen „ruhigen" Platz am Ende der Corniche. Ohne Ohrstöpsel geht hier gar nichts, denn nachts um 03.00 Uhr ist noch mehr los als um 23:00 Uhr.

Nachdem Klaus am nächsten Morgen länger mit Sandro von MAN in Dubai telefoniert hat, weil wir ein Problem mit der Druckluft und dem Common Rail festgestellt haben, brechen wir zur Stadtbesichtigung auf, nicht ohne vorher im nahegelegenen Hotel Interconti unsere Emails zu checken.

Wir fahren die ewig lange Corniche entlang, auch heute, am Freitag, sind viele Familien draußen in den schattigen Parks. Das Wetter ist ideal, eine Brise vom Meer bei ca. 26 Grad, was will man mehr. Weiter geht’s zum Fischmarkt, der Artenreichtum des Roten Meeres ist enorm und dem entsprechend ist auch das Angebot in der riesigen Halle. Kleiner Hai gefällig oder riesen Scholle, Hummer oder Krebse, hier gibt es alles was das Herz begehrt. Wir entscheiden uns für eine Scholle und lassen diese im angeschlossenen Restaurant grillen. Nur das Beten kommt uns wieder dazwischen, es heißt 30 Minuten warten. Im Familien-Teil des Restaurants erhalten wir ein „Separee" und genießen den gegrillten Fisch. Einfach lecker. So gestärkt fahren wir weiter in die Altstadt von Jeddah, zum Souk Al-Alawi. Dort tauchen wir ein in die Menschenmenge und in irdische Einfachheit. Überall Geschäfte mit Duftkugeln, Gewürzen und Stoffen, und weil Touristen wie wir sehr selten sind, werden wir nicht attackiert und zum Kaufen gedrängt, wie anderswo in Arabien. Der Souk ist eher eine Fußgängerzone und nur in einigen Bereichen überdacht. Alles ist sehr ursprünglich es gibt keine Souvenirs, dafür Dinge des alltäglichen Gebrauchs von Kakerlakenvernichtungsmittel, über Kolanüsse, Kleidung, Obst und Fleisch, hier gibt es alles. Freundlich geben die Händler Auskunft zu unseren Fragen über ihr Angebot. Freundlich bringen sie mir gemahlenen Kajalstein, den ich mir in die Augen streue, damit sie besser leuchten. Eine Frau aus Jemen erklärt mir ihren Großeinkauf an Duftsteinen, die zerhackt werden und mit Weihrauch, Sandelholz und anderen Essenzen verräuchert werden. Die Nigerianische Geschäftsfrau bietet teure Kolanüsse an, deren hoher Koffeingehalt stimulierende Wirkung hat. Inder, Pakistanis, Afghanen, Süd-Ostasiaten, Sudanesen, Nigerianer, Jemeniten, hier trifft sich alles. Es ist ein wahrer Multikulti-Schmelztiegel.
Und dann inmitten des Geschehens ein ohrenbetäubender Lärm. Es ist der Ruf der Muezzins, der wie ein Kanon aus den Lautsprechern der benachbarten Moscheen der Altstadt in unsere Ohren schallt. Allah’u akbar, es ist Gebetszeit. Das Leben steht still. Die Türen der Geschäfte werden geschlossen, die Straßenhändler decken ihre Waren ab und alle rennen in die Moscheen. Wenn diese voll sind, wird eben auf der Straße in Reih und Glied gebetet. 5x am Tag findet dieses Szenario statt. Wenn man sich gerade in einem Geschäft aufhält muss man das verlassen. Auch an der Tankstelle ist es uns passiert, dass wir 20 Minuten warten mussten, bis nach dem Gebet die Menschen zurückkommen, ebenso im Restaurant.
Es ist schon spät, als wir unseren Weg zurück an die Corniche einschlagen, wo wir erneut übernachten.
Am Freitag und Samstag ist bekanntlich Wochenende und da kann man sich in der sonst überfüllten Stadt gut bewegen, das gilt es auszunutzen. Deshalb nehmen wir am nächsten Tag nochmals die Altstadt Al-Balad in Angriff. Die hohen alten Lehmhäuser mit ihren balkonartigen, holzverzierten Fenstern sind einzigartig. Jeddah versucht diese Altstadt so gut es geht zu erhalten. Teilweise sind diese schönen Dokumente der Zeit auch noch bewohnt. Wir schlendern durch bis zum Souk Al-Awali. Frauen, die auf Kinderwägen Altpapier sammeln oder aus Mülltonnen suchen, betteln uns an. Ein Bild, das man häufig in der Stadt sieht.




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Am Sonntagmorgen treffen wir uns mit Sohail. Er ist Mitarbeiter von unserem Freund dem Saudischen Sheikh aus Dubai, mit dem wir laufend in Kontakt stehen. Er meint in „seinem Land" hat er mehr Möglichkeiten als in den Emiraten und so versuchen wir mit Hilfe Sohails unser Visa nochmals um 4 Tage zu verlängern, zu gut gefällt es uns hier. Doch leider klappt es diesmal mit einer Visaverlängerung nicht. Transitvisa können nur in Riyadh verlängert werden. Wir bleiben trotzdem noch ein paar Tage. Da wir immer mehr Druckluft verlieren, lassen wir unseren Shumba bei MAN in Jeddah nochmals durchchecken. Es muss tatsächlich ein Teil bestellt werden, das ausgetauscht werden muss. Wie der Zufall es will, ist in der Zwischenzeit unser Freund Sheikh Bandar in Jeddah angekommen. Kurzerhand besuchen wir ihn in seinem Haus am Meer und verbringen dort zwei angenehme Tage. Wir haben uns regelrecht angefreundet und herzlich fällt der Abschied aus.

Wir müssen uns auf den Weg zu MAN machen, um die letzten Reparaturen durchführen zu lassen. Die Firma Haji Husein Alireza & Co Ltd
. (Koordinaten: N 39' 13,48  E 21' 33,42) vertritt die Firma MAN in Jeddah und wir sind dort herzlich willkommen. Das Team arbeitet professionell und zuverlässig. Die Werkstatt kann man guten Gewissens empfehlen. Die Firma sponsert uns mit den benötigten Teilen und dem Einbau, wir erhalten alles kostenlos. Wir sprechen hier von einem Betrag von mehr als € 1.000,--. Wir sind total perplex und überglücklich!

Noch völlig sprachlos ob unserer Glückssträhne, fahren wir weiter zu dem Büro von Askila und besorgen unser Fährticket. Auch müssen wir noch Volltanken bis unter den Rand. Die billigen Länder liegen bald hinter uns. Nur das gestaltet sich nicht ganz so einfach. Eine Diesel-Tankstelle in Jeddah zu finden ist eine Geschichte für sich. Diese findet man unserer Erfahrung nach nur im äußeren Stadtbereich an den Ring- und Einfallstraßen. Scheinbar hängt das damit zusammen, dass LKW’s aus der Innenstadt „verbannt" sind. Insgesamt kurven wir mehr als 3 Stunden durch die verstopfte Stadt. Auf dem Weg sehen wir ein schönes Türkisches Restaurant. Ein letztes Mal wollen wir in der Stadt noch Essen gehen. Wir suchen uns am Buffet unsere Speisen aus, als wir erfahren, dass wir hier nicht essen können. Es gibt keinen "family room" und ich darf als Frau nicht in dem Restaurant sitzen. Wir können allerdings das Essen mitnehmen, und so essen wir dann im Auto. Es war trotzdem köstlich.

Unsere letzte Nacht in Arabien verbringen wir an der Corniche, nur 5 km vom Fährbüro entfernt.

Am Abfahrtstag müssen wir um 10:00 Uhr im Office erscheinen, das Fahrzeug wird am Office eingecheckt. Wir sollen um 16:00 Uhr wieder da sein zum Passagier Check-in. Völliger Quatsch! Um 19:30 sitzen wir immer noch in der sich nach und nach mit Menschen und Gepäck füllenden Wartehalle. Es ist zwar total interessant zu sehen, wer und was so alles ankommt, doch irgendwann wird selbst das langweilig. Morgenland mischt sich mit Afrika, es wird bunter. Dann hilft uns ein junger sehr freundlicher Grenzbeamter an der wartenden Menschenmenge vorbei durch die Hintertür ganz nach vorne. Es läuft ab wie am Flughafen, Gepäck- und Personen- und dann die Passkontrolle. Natürlich spuckt der Computer sofort aus, dass wir 4 Tage ohne gültiges Visum im Land waren. Ein Vorgesetzter kommt, wir können alles plausibel erklären und so erhalten wir ein freundliches OK und einen Ausreisestempel in unseren Pass. Weiter geht’s mit dem Bus zum Schiff. Die alte „Mawaddah" hat durchaus schon bessere Tage gesehen. Wir schauen, ob unser Fahrzeug an Board ist. Dank eines „Empfehlungsschreibens" vom sudanesischen Chef des Fährbüros erhalten wir freundlichste, bevorzugte Behandlung. Uns wird eine Suite zugeteilt. Trotzdem bin ich froh über unsere Leinenschlafsäcke. Eine Kabine zu haben auf dieser Überfahrt ist wahrlich kein Luxus. Wann das Schiff ablegt bekommen wir nicht mehr mit, wir sind gegen 01:00 Uhr eingeschlafen.

Wir wären gerne noch länger geblieben. Dieses Land hat soviel zu bieten. Wir sind seit unserer Abreise in Deutschland 30.000 km gefahren. Und jetzt freuen wir uns auf Afrika!




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Bildergalerie Saudi Arabien


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