Reisebericht Iran Teil IV - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Iran
05.11. - 28.01.2013

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Teil IV   >   Isfahan - Kerman       
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Wir haben Isfahan auch zu einem Stopp in der einzigen MAN Niederlassung Irans genutzt. Hier lassen wir ein paar kleinere Reparaturen machen, Nichts Größeres, wir hätten dies auch in jeder anderen Werkstatt machen lassen können. Wir werden in perfektem Deutsch begrüßt. Alirezah, der Inhaber hat neun Jahre in Berlin gelebt und studiert. Wir zählen ihm unsere Problemchen auf, er gibt Anweisungen und schon fängt die Mannschaft an zu arbeiten. Da wir erst am Nachmittag hier ankommen, übernachten wir heute hier im Hof der Werkstatt und am nächsten Morgen schaffen die Jungs weiter. Wir nutzen den Aufenthalt um mal wieder Emails zu machen und zu putzen. Am Abend lädt uns Ali zu sich nach Hause ein. Seine Frau spricht auch ein wenig Deutsch und so wird es ein sehr informativer und kurzweiliger Abend. Wir sprechen über dies und das und Ali erzählt auch viel von seiner Zeit in Deutschland. Wir erfahren, dass ein guter Mechaniker zwischen 600.000 und 800.000 Tuman im Monat verdient, das sind derzeit ca. zwischen 160 und 220 Euro. Die Angestellten leiden unter den drastischen Preissteigerungen der letzten Monate. Am nächsten Morgen regnet es in Strömen als wir uns von dem gesamten Team verabschieden. Und so ganz nebenbei sei bemerkt, dass wir mit der Arbeit sehr zufrieden waren.
Wir fahren wieder zurück nach Isfahan in die Stadtmitte, um bei Ali im Computerbasar den bestellten Wireless Router abzuholen. Sein Vater lässt es sich partout nicht nehmen, uns zum Mittagessen einzuladen, Widerrede absolut zwecklos. Ganz entgegen der üblichen Vorstellung über die Rolle des Mannes im Iran fällt auf, dass Ali’s Vater im Haushalt mithilft. Er serviert Getränke, deckt den Tisch und hilft seiner Frau die Speisen zu richten. Leider haben wir nicht allzu viel Zeit. Wir wollen an diesem Nachmittag Isfahan noch hinter uns bringen und schaffen es tatsächlich noch bis Shareza.
Von hier steuern wir hinauf in das Zagros Gebirge. Dieses Gebirge zieht sich von Nord nach Süd in mehreren Gebirgsketten. Auf den Hochplateaus liegt Schnee, nicht viel ca. 10 cm, aber es ist kalt. In einer kleinen abgelegenen Ortschaft, Komeh, geht unsere Straße nicht wie in der Karte eingezeichnet weiter. Wir fragen uns durch und stellen fest, dass wir wieder ein Stück zurück müssen, als wir an einer anderen Straße beobachten, wie sich ein LKW im aufgeweichten Lehm festgefahren hat. Wir wollen helfen, bekommen jedoch wegen dem Matsch den Rundhauber mit Traktor auf der Ladefläche auch nicht die kleine Böschung hinaufgezogen. Auch bei uns drehen die Räder durch. Daraufhin fangen die Einheimischen an, mit einer kleinen Raupe aus dem Ort, an anderer Stelle mit Sand einen Weg zu befestigen und mit viel Schwung kommt der Mercedes dann frei. Natürlich lässt man uns nicht so einfach wieder weg. Wir werden zum Essen eingeladen und es wird auch darauf bestanden, dass wir, wenn wir schon unbedingt in dem LKW schlafen wollen, zu einem sicheren Ort kommen, welcher sich als ein eingezäunter Abstellplatz für Baumaschinen herausstellt, natürlich mit Nachtwächter. Hier in dem Dorf spricht niemand Englisch, aber viele kennen jemanden irgendwo der Englisch spricht und so werden wir den ganzen Abend von Handy zu Handy gereicht und erzählen jedem wie wir heißen, wo wir herkommen, was unser Beruf ist etc.
Am nächsten Morgen sind wir natürlich auch zum Frühstück verabredet. Nach Komeh kommen keine Touristen sagt man uns, was wir denn hier wollen, es liegt auch nicht an der Hauptverkehrsstraße. Wir sollen unbedingt wieder kommen. Zum Abschied erhalten wir eine große Kiste Äpfel, und wir können den Ort nicht verlassen, ohne dass wir samt Auto fotografiert werden und die örtliche Polizei den Pass und das Visa kontrolliert hat.
Per Zufall, oder besser per Verfahrer, kommen wir dann doch noch nach Khafr, einer kleinen Ortschaft am Rande der Welt, dort sollte unsere Straße weiterführen über die Berge. Aber das ist schlicht eine Sackgasse, denn hier auf 2300 m ist Schluss, nichts geht hier weiter. Es gibt keine geräumte Straße mehr, wir müssen zurück. Obwohl der Winter hier erst anfängt sind alle Straßen über die hohen Berge bereits geschlossen, und wer weiß, in welchem Zustand diese gewesen wären. Unglaublich hier zu wohnen, hier ist weit und breit nichts mehr. Zwischen den Bergketten sehen wir weite Hochebenen mit Anbaugebieten, es gedeihen Äpfel und Weintrauben am Fuße der umliegenden Viertausender. In diesen Gebieten leben heute Landwirtschaft treibende frühere Nomaden. Das sieht man an den gemusterten weiten Röcken oder Kleider der Frauen, aber auch in den Gesichtern, viele sind von der Sonne noch gegerbter und dunkler. Bei uns würde man wahrscheinlich sagen, es ist ein anderer Schlag. Kurz vor Shiraz entdecken wir ein riesiges nagelneues Shoppingcenter mit einem Hypermarket. Dort finden wir sogar Gouda und Camembert. Im Grunde gibt es bis auf Schweinefleisch und Alkohol alles, und so füllen wir unsere Vorräte auf. Einen ruhigen Stellplatz finden wir in der Millionenstadt Shiraz am Azari Park, einem Vergnügungspark.

                                                  

Shiraz, die Stadt der Blumen, der Nachtigallen und der Poeten, sie gehört zu den größten und sehenswertesten Städten im Iran. Der Wein von Shiraz war früher im ganzen Land bekannt, aber seit der Revolution ist die Herstellung von Wein verboten und so kennt man die Shiraztraube bei uns vor allem aus Australien und Südafrika. Nichtsdestotrotz, Shiraz hat Sehenswertes zu bieten, und so haben wir uns wieder per Fahrrad auf den Weg gemacht, die Stadt zu erkunden. Es ist eine moderne Stadt mit breiten Boulevards und wenig engen Gassen. Und, Shiraz ist an Touristen gewöhnt. Das erkennen wir ganz schnell unter anderem daran, dass Shiraz auf unserer Reise die einzige Stadt bisher ist, die zwei Kategorien von Eintrittspreisen verlangt, einen für nichtiranische Touristen und einen für Iraner. Ein geschäftstüchtiges Völkchen, die Shirazer.
Wir besichtigen die alte Stadtfestung, die ursprünglich die Residenz des Herrschers war. Es ist ein wuchtiger Ziegelbau, der an seinen vier Ecken mit mächtigen Basteien verstärkt ist. Im Inneren zeigen heute hochkarätige Handwerker, wie Kammschnitzer und Miniaturmaler ihre feinen Künste. Nicht weit davon entfernt kommen wir zur Masdjed-e Vakil. Diese Moschee folgt dem Vorbild der arabischen Hofmoschee, ist aber bei weitem nicht mehr so sehr verziert wie z.B. die Moscheen in Isfahan. Direkt in der unmittelbaren Umgebung wurde das alte Badehaus, das Hammam-e Vakil nach einer gründlichen Renovierung der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Dort wird anhand von Wachsfiguren das Leben im Badehaus originalgetreu nachgestellt. Anschließend radeln wir zum Baq-e Narenjestan, einem alten Stadtpalast in einem schönen Garten. Die Wände und die Decke der Vorhalle sind prächtig mit Verspiegelungen ausgeschmückt. Die Räume mit kunstvoll bemalten Holzdecken und farbigen Scheiben in den Fenstern ausgestattet. Auch ein Museum über Shiraz ist hier untergebracht. Das absolute Highlight von Shiraz jedoch ist das Heiligengrab von Shah Cheraq. Dieser Grabbau stammt aus dem 15. Jhd. und gilt als eine der wichtigen Pilgerstätten in Iran. Die weithin sichtbare Kuppel hat eine ungewöhnliche Form, fast wie eine Birne, und atemberaubend schöne Fliesenverzierungen auf türkisfarbenem Grund mit gelben Arabesken. Im Inneren hoch oben in der Kuppel hängt ein riesiger Kronleuchter, dessen Licht in den berühmten Verspiegelungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts im gesamten Innenraum mehrfach wiedergegeben wird. Man kann sich der Atmosphäre kaum entziehen. Ein ausgedehnter Innenhof führt zu einem kleineren Grabbau über dem ebenso eine Kuppel in der Form einer Birne ragt und dessen Innenraum auch vollständig mit Spiegel verkleidet ist. Leider ist es in den Innenräumen der Mausoleen verboten zu fotografieren.




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Damit nicht genug an Kultur. Wir „rollen" weiter nach Persepolis und kommen am späten Nachmittag dort bei blauem strahlend blauem Himmel an. Natürlich nutzen wir das gute Licht um Fotos zu machen und um einen ersten Eindruck zu erhalten.
Parsa oder Persepolis war eine Palastanlage der Achämenidischen Herrscher und wurde 515 v. Chr. am „Berg der Gnade" dem Kuh-e Rahmat gegründet. Bis es von den Truppen Alexander des Großen vernichtet wurde, wurde diese Anlage für Empfänge und Neujahrsfeiern und Siegesfeiern nach Feldzügen genutzt. Absolut sehenswert sind die äußerst gut erhaltenen Reliefs und Keilschriften. Lange war dieses Areal von Schutt und Trümmern überdeckt, und erst in den 1920er und 1930er durch Ausgrabungsarbeiten von deutschen Archäologen der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Am nächsten Morgen ist es stark bewölkt, so dass wir uns nochmal umdrehen und erst nach einem ausgedehnten Frühstück und etwas Hausarbeit und E-Mails erledigen erneut einen Spaziergang über das Ausgrabungsgelände machen. Zwischenzeitlich scheint auch wieder die Sonne. Nach etwa 3 Stunden, sind wir wieder zurück, trinken erst mal gemütlich Kaffee und versuchen erneut unsere Mails zu lesen, was eine durchaus nervige Angelegenheit ist, weil das Internet generell im Iran sehr, sehr langsam ist und immer wieder Ausfälle hat. Später erkunden wir die Umgebung per Rad und besorgen frisches Brot fürs Frühstück. Es fühlt sich gut an, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.
Richtung Südosten in die alte Wüstenstadt Yazd, machen wir einen kurzen Abstecher nach Pasargad, dorthin „wo alles begann". Von hier aus nahm das persische Weltreich seinen Ausgang, hier waren die iranischen Stämme nach jahrhundertelanger Wanderschaft sesshaft geworden und haben 700 v. Chr. ein kleines Königreich begründet. Für uns war Pasargad nicht unbedingt sehenswert. Auf weitem Gelände gibt es ein paar spärliche Reste von Ausgrabungen, von denen das Grab von Kyros dem Großen 559 v. Chr. am besten erhalten ist. Ein Stück weiter biegen wir nach Safa Shahir nach Osten ab und kreuzen auf relativ guter Piste erst über eine Hochebene und dann durch die Berge Richtung Abarkuh. Irgendwo unterwegs auf der Strecke bleiben wir für die Nacht stehen. Nach den vielen Besichtigungen und der Kultur der letzten Tage ist diese Einsamkeit gerade richtig. Die Wüste hat uns wieder. Sehr schnell leuchten die Sterne und die Mondsichel über die weite Steinebene. Wir kommen uns vor, als wenn wir unter einem Lüster stehen würden. Am nächsten Morgen haben wir im Gewirr der vielen Reifenspuren und der vielen Auswaschungen, durch starken Regen der letzten Tage, so unsere liebe Mühe eine richtige Piste zu finden. Aber, immer der Richtung des Navigationsgerätes folgend, kommen wir bald auf eine Wellblechpiste und vorbei an kleinen Dörfern mit so klingenden Namen wie Esfandabad und Mehrabad. Wir halten hier nur kurz, um Brot zu kaufen und werden sofort belagert und mit Fragen bombardiert. Woher wir kommen, warum wir nicht die Autobahn fahren, wie wir heißen etc. etc. Touristen sind hier Mangelware, das Dorf liegt nicht auf der üblichen Route. Wir bekommen unser Brot geschenkt, müssen dafür aber den Bäcker fotografieren. Und von den Schaulustigen bekommen wir auch gleich noch eine Tüte Orangen und Äpfel dazu. Wir versuchen es abzulehnen, vergeblich. Es ist immer wieder unglaublich!




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Auf guter vierspuriger Teerstraße durchqueren wir die kleine Kavir-e Abakuh (Wüste Abarkuh) und nähern uns einer Gebirgskette mit dem 4075 m hohen Berg „Shir Kuh". Am Rande der Straße sehen wir immer wieder alte, aus Lehm erbaute, zerfallene Karawansereien. Sie haben schon lange ausgedient, heutzutage befahren schwer beladene LKW’s diese uralte Handelsstraße und die Versorgungsstationen sind jetzt Getränkeläden, Reparaturwerkstätten und Gebetshäuser.
Über eine kleine Route steuern wir direkt in die Berge über einen Pass weiter Richtung Nordosten. Als wir auf der Passhöhe auf 2900 m ankommen, staunen wir nicht schlecht. Aus dem Kofferraum eines Autos schallt uns aus einem 1000 Watt JBL Subwoofer persische Musik über die Gipfel entgegen und bei 5° Grad tanzen junge Männer zur Musik, andere sitzen auf Teppichen vor ihren Autos und rauchen Wasserpfeife. Sie machen einfach Party und haben riesig Spaß. Klaus wird, kaum ausgestiegen, gleich aufgefordert mit zu tanzen und mit zu rauchen. Direkt daneben sitzen, ebenfalls auf Teppichen, Familien beim Picknick am Lagerfeuer, kochen Tee und unterhalten sich. Gegenüber am Berghang rutschen Kinder, aber auch Erwachsene, mit aufgeblasenen Autoreifen den Berg hinunter. Wintersport auf iranisch. Und das alles passiert einfach so, an einem Donnerstagnachmittag (entspricht unserem Samstag). Die Menschen sind einfach nur gut drauf, ohne Alkohol, ohne „Vorglühen", wie das bei der deutschen Jugend anscheinend hin und wieder praktiziert wird. Einfach klasse, keiner regt sich über den anderen auf, sie akzeptieren einander und lassen den anderen sein. Natürlich tanzen nur die Männer, die Frauen stehen daneben und schauen zu und klatschen im Takt, auch sie lachen und freuen sich mit den Jungs. Und die Menschen, die ihre Ruhe wollen, gehen einfach weiter weg. Es gibt keinerlei Feindseligkeit wegen des Lärms. Die Leute sind so freundlich und lustig, man kann sich dem gar nicht entziehen, man kann nicht anders, als sich auch zu freuen und mit zu lachen. Wir denken, die Menschen leben „im Moment" und das halten wir für typisch iranisch.
Durch ein enges Tal, durch viele Dörfer, geht es wieder nach unten, in die weite Ebene rund um Yazd
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Eine der ältesten Städte der Welt, Weltkulturerbe-Stadt, Provinzhauptstadt, Wüstenstadt an der alten Seidenstraße. Die Gärten von Yazd sind berühmt für ihre Granatäpfel, der Stoffbasar ist berühmt für seine schweren Brokatstoffe, und für die Seidenproduktion ist die Stadt auch heute noch berühmt. Die historische Altstadt von Yazd besteht fast ausschließlich aus Lehmhäusern in engen Gassen mit überdachten Gängen und Kuppeln, sowie zahlreicher Windtürme. Zum Parken finden wir inmitten der Altstadt einen ruhigen Platz. Wir schlendern durch die dunklen Gassen, lassen uns treiben und besichtigen einige historische Gebäude, zum Beispiel die Freitagsmoschee, die in ihrer gewollten Schlichtheit sehr auffallend ist. Besonders witzig finden wir, dass es an vielen Häusern mit den typisch niedrigen Holztüren zwei Arten von Türklopfern gibt. Einen ringförmigen für Frauen der einen hellen Klang erzeugt und einen quaderförmigen, der einen dunklen Klang erzeugt, für Männer. Die Stadt profitiert von der Nähe zu dem von uns überquerten Gebirge, denn von dort kommt genügend Wasser, die Stadt und die angelegten Gärten in der Umgebung zu versorgen. In einem ausgeklügelten Wassersystem mit vielen unterirdischen Kanälen und Reservoirs wird dieses Wasser geleitet und auch frisch gehalten. Im Wassermuseum wird veranschaulicht, wie mühsam man diese Kanäle gebaut hat, sie bis heute wartet und wie die Frauen früher das Wasser aus den tief in der Erde gelegenen Bunkern in Krügen über viele Stufen nach oben getragen haben. In der Altstadt sind noch viele dieser Zugänge zu dem unterirdischen Wassersystem zu finden.

Hier in Yazd treffen wir Tieme, einen jungen Holländer, wieder. Das erste Mal haben wir uns in Shiraz getroffen, dann haben wir die Eltern in Persepolis kennengelernt, und jetzt treffen wir uns hier wieder. So klein ist die Welt. Tieme ist seit Monaten mit dem Fahrrad von Holland unterwegs und hat für 3 Wochen Besuch von seinen Eltern. Er macht sozusagen Urlaub vom Radfahren mit seiner Familie indem sie gemeinsam per Bus eine Rundreise durch den Iran machen. Es sind total nette Leute, wir laden Sie zu uns zum Tee ein und haben viel Spaß miteinander. Yazd ist eine Großstadt, aber bereits am nächsten Tag treffen wir uns zufällig schon wieder. Eigentlich wollten wir heute weiterfahren dann entscheiden wir spontan den Nachmittag gemeinsam zu verbringen. Wir besichtigen den Feuertempel der Zarathustrer und essen gemeinsam sehr ausgiebig zu Mittag. Es wird bereits dunkel als wir uns erneut, und diesmal wahrscheinlich endgültig von der Familie verabschieden. Tieme wird nach dem Besuch seiner Eltern seine Reise durch Usbekistan, Tadschikistan, in Richtung China, evtl. auch Karakorum, nach Asien fortsetzen und in Vietnam werden ihn seine Eltern erneut besuchen, um das Land dann gemeinsam per Fahrrad zu erkunden. Eine sympathische Familie und ein unglaublich couragierter junger Mann.




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Wir haben das Bedürfnis ein paar Tage „für uns" zu verbringen, keine Besichtigungen, keine Kommunikation, die Türen und die Fenster mal richtig aufmachen, rausgehen (ohne Kopftuch) und in der Sonne sitzen.
Also packen wir es an. Richtung Osten, vor uns nichts als Wüste. Wir kreuzen Bafq, einen Verkehrsknotenpunkt, hier treffen 2 der wenigen Eisenbahnlinien im Iran aufeinander. Die Stadt liegt am Rande einer großen Salzpfanne in einer Senke, seit langem sind wir mal wieder unter 1000 m. Es ist eine riesige Oase, viele Palmen, alte Lehmhäuser, enge Gassen. Es ist aber auch eine Minenstadt, in der Umgebung gibt es mehrere große Minen, es sind dies die wichtigsten Arbeitgeber. Außerhalb der Stadt eine fantastische Wüstenlandschaft. Die Genauigkeit unserer „Reise Knowhow-Karte" lässt schon wieder zu wünschen übrig. Wir fahren auf Straßen, die nicht eingezeichnet sind und andere Straßen, die eingezeichnet sind, existieren nicht. Eine Piste soll uns querfeldein nach Kerman bringen. Wunderschön ist es hier abseits der gängigen Routen. Als wir in ein altes einfaches Dorf kommen und nach dem Weg fragen, wollen uns die Bewohner zurück auf Asphalt schicken. Sie können einfach nicht verstehen, warum wir hier lang wollen. Die andere Strecke sei schneller und die Straße ist besser, hier fährt man doch nicht etc.
In der Steinwüste finden wir einen schönen Platz, oberhalb einer großen Pfanne mit einem fantastischen Rundblick und verbringen dort einen schönen und sonnigen Tag im Freien. Kurze Hosen und kein Kopftuch! Wir waschen unsere Wäsche und kochen für Heiligabend richtig auf, Lammgulasch mit Semmelknödel. Dann machen wir es uns gemütlich, als um 20:30 Uhr Besuch kommt, ein junger und ein älterer Mann aus dem letzten Dorf. Sie möchten, dass wir mit zu ihnen nach Hause kommen. Hier sei Wüste und es sei kalt, außerdem sei es hier gefährlich. Das ist was wir verstehen. Wir versichern, dass wir es sehr warm haben und uns hier wohl fühlen. Um 23:00 Uhr, wir wollen gerade ins Bett, kommt der junge Mann erneut, diesmal zusammen mit fünf Männern, zwei davon bewaffnet. Anscheinend Polizei, so richtig kann man das nicht erkennen, sie sind alle in zivil. Zwei weisen sich aus. Wir sollen mitkommen, es sei zu gefährlich hier, desert, danger. Wir trauen der Sache nicht so richtig und die Männer sind auch nicht sehr hartnäckig, also bleiben wir. Um 01:30 Uhr wachen wir von den Scheinwerfern zweier Fahrzeuge auf, einer davon ein Polizeiwagen mit Blaulicht. Diesmal ist ein Mann dabei, der sehr gut Englisch spricht. Was wir hier überhaupt wollen? Welches Interesse wir an der Wüste haben? Hier gibt es nichts zu sehen? Wir können hier nicht bleiben. Es ist zu gefährlich, Drogenschmuggler bewegen sich in diesem Gebiet. Vor etwa einem Jahr sei in diesem Gebiet schon mal etwas passiert. Die Polizei kann hier nicht für unsere Sicherheit garantieren. Wir sollen keine Fragen stellen, sondern einfach mitkommen. Also packen wir mitten in der Nacht unser Zeugs zusammen. Sie bringen uns 50 km zurück, raus aus der Wüste nach Kuhbonan auf einen Parkplatz. Um 04:30 Uhr kommen wir da an, den Rest der Nacht, steht ein PKWQ mit laufendem Motor (es ist kalt) neben uns. Um 07:30 klopft es an der Türe, wir sollen mitkommen, weiterfahren. Um 08:00 Uhr und um 08:30 Uhr klopft es erneut. Diesmal Leute aus dem Dorf, Pass Kontrolle. Wir „schimpfen" aus dem Fenster, wollen schlafen. Um 09:00 Uhr ein Herr im Anzug, wir machen nicht mehr auf. Das war‘s mit Schlafen. Als wir um 13:00 Uhr endlich abfahren, folgt uns die Polizei. Im nächsten Ort wollen wir eine Abkürzung durch das Gelände nehmen, sie eskortieren uns, irgendwann winken sie uns vorbei. Wir sind wieder allein.
Die Hauptroute des Drogenschmuggels führt durch diese Provinz und die iranische Polizei liefert sich mit den Schmugglern aus Afghanistan und Pakistan zeitweise erbitterte Kämpfe.
Die Situation heute Nacht hat schon einen Stimmungsdämpfer gegeben. Es wird einem so schnell vor Augen geführt, dass es sie halt doch gibt, die Banditen und Drogenschmuggler, die die Welt mit ihrem Scheiß versorgen und vor nichts zurückschrecken.
Wir disponieren um und queren einen Gebirgszug nach Zarand weiter Richtung Osten in die Wüste Lut. Über eine raue, unwirtliche und steinige Gebirgslandschaft bis auf 2600 m. Wir kommen durch, vom Erdbeben zerstörte, Dörfer, deren Ruinen noch stehen und daneben neue Häuser gebaut werden. Wo immer es geht, haben Menschen Felder angelegt und sammeln in großen Becken Wasser, das dann über Kanalsysteme weiter verteilt wird. Nach dem Gebirge werden wir an der Straße nach Shahdad, erneut an einem Polizei Kontrollposten angehalten. Gleiche Geschichte: kein Weiterfahren möglich, zu gefährlich, im Gebirge gibt es Schießereien. Wir müssen umkehren und erneut um planen.
Hier im Osten des Landes nehmen die Polizeikontrollen zu. Wir können nicht mehr jede geplante Strecke umsetzen und „draußen" übernachten geht auch nicht mehr. Es ist zu unserer Sicherheit, traurig genug, dass es so ist. Am Abend kommen wir in Kerman an und „nisten" uns auf dem großen Parkplatz des Hotel Akhavan ein. Hier hat es ein funktionierendes Internet und ein gutes Restaurant.





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