Reisebericht Iran Teil II - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Iran
05.11. - 28.01.2013

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Teil II  >>   Now Shahr - Teheran            
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Von Now Shahr und Chalus nehmen wir eine Bergstraße, die uns hinauf in das Zentrale Alborz Gebirge führt. Auf dem Weg kommen wir an eine Straßenkontrolle. Sie winken uns rechts ran und deuten, dass wir umdrehen müssen. Für LKW keine Durchfahrt, zu groß, lautet das Argument. Bis wir mehrere mit 40 Personen besetzte Busse kommen sehen, da werden wir natürlich stutzig. Die hätten eine Ausnahmegenehmigung, schließlich transportieren die 40 Personen, der LKW allerdings sei zu groß, wir sollen umdrehen. Über 3 Hierarchien hinweg diskutieren wir uns nach oben durch, bis wir von Chefstelle schließlich das OK bekommen. Wir fahren in eine wunderschöne Bergwelt, passieren Marzanabad, ein kleines verschlafenes Dorf, die Sonne strahlt und oben glitzert der frische Schnee auf den Gipfeln der Viertausender, und über allem thront der Alam Kuh der zweithöchste Berg im Iran. Diese Strecke ist es wirklich wert gefahren zu werden.
20 km weiter das gleiche Spiel. Wir werden wieder raus gewunken, keine LKW… aber das hatten wir ja schon. Diesmal telefonieren die Beamten mehrfach. Nein, nicht mit der Stelle davor, sondern mit irgendeiner Dame, irgendwo, die Englisch spricht, uns aber direkt nicht helfen kann. Irgendwann wird es diesen Beamten zu dumm, sie fahren weg und wir können weiter. Die Landschaft wird immer grandioser, das Tal wird irgendwann zur Schlucht. Eine enge Straße durchschneidet die immer höher werdenden Felswände. Nach der dritten Polizeikontrolle, Inhalt ist immer derselbe nur hier wird jetzt auch der Führerschein gefordert, geht die Straße über in enge Serpentinen. Ab hier werden wir eskortiert. 2 Beamte fahren uns in einem Pickup gemütlich hinterher und warten sogar auf uns, wenn wir zwischendurch mal ein menschliches Bedürfnis befriedigen müssen. Alles zu unserem Wohl. Binnen kurzer Zeit klettern wir 1000m höher. Und wieder eine Polizeikontrolle, nun ist auch der Pass gefragt. Allmählich nervt es, und Klaus' Gesichtsausdruck zeigt das deutlich. Diese vielen Kontrollen halten uns ganz schön auf und sie lenken auch vom Eigentlichen ab, daher übersehen wir die nächste Polizeikelle versehentlich. Wir passieren 2 kleinere Stauseen und zwischendurch immer wieder kleine Bauerndörfer. Leider verpassen wir am Weg nach oben den Abzweig nach Baladeh, hier wollten wir für heute eigentlich hin. So kommt es, dass wir durch den Kandovan Tunnel fahren und auf der Suche nach einem Schlafplatz in das 2600m hochgelegene Dizin, dem bekanntesten Ski Resort in Iran, kommen. Hier am 4542 m hohen Berg Darband Sar ist ein großes Skigebiet mit 15 Liften und langen Abfahrten. Das wiederum haben wir von einem jungen Iraner erfahren, der Mitglied im Iranischen Alpin- und Grasski-Nationalteam ist, aus Dizin stammt und hier oben trainiert. Auch erzählt er uns, dass jährlich auf diesen Pisten ein Weltcuprennen der Grasskifahrer stattfindet und dazu auch die deutsche Nationalmannschaft anreist. Und so plaudern wir in eisiger Kälte im Schnee, bevor wir uns leicht ausgekühlt in unsere warme „Höhle" zurückziehen. Draußen bei sternenklarer Nacht fallen die Temperaturen. Ist schon irre vor gerade mal 6 Stunden waren wir noch am Meer bei 19 Grad auf 0m und jetzt sitzen wir im Schnee auf 2600m bei eisiger Kälte.
Am nächsten Morgen machen wir uns auf einen Spaziergang durch dieses Ski Resort. Wir stapfen im Schnee über die Skipisten und freuen uns wie die Kinder, weil es so herrlich ist. Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein, heut Nacht hatten wir -5 Grad. Dann geht es zurück Richtung Kandovan Pass, wir wollen die Querstrecke durch das Alborz Gebirge Richtung Baladeh fahren. Heute finden wir den Abzweig, in einem kleinen Dorf in einer Kurve unscheinbar und nicht beschildert. Steil führen auch hier die Serpentinen nach oben in eine sagenhafte Szenerie. Schroffe Berge, glitzernder Schnee, kleine verlassen Sommerweiler, alles im gleißenden Sonnenschein. Eine schmale Straße, die uns nach und nach durch ein menschenleeres Gebiet nach oben auf 3153m bringt. Mittags sitzen wir in der Sonne und sind ganz kleinlaut, so imposant wirkt das alles auf uns. Es sind genau diese Momente, die uns bewusst machen, wie gut es uns geht.
Weiter geht es hinunter in ein Tal am Fluss Nour entlang. Baladeh selbst ist ein kleiner Ort, der den kleineren Dörfern ringsum Versorgung bietet, mehr auch nicht. Kurz hinter Baladeh finden wir einen netten Standplatz an einer schönen steinernen Brücke direkt am Fluss. Wir genießen die gute Luft und das tolle Wetter bei einem Spaziergang den Fluss entlang.  
Weiter in Richtung Teheran kommen wir am höchsten Berg des Iran, dem Damavand immerhin 5672m hoch, vorbei, und lassen ab hier die fantastische Bergwelt des zentralen Alborzgebirges hinter uns. Wir werden uns nicht mit dem LKW durch die Stadt mühen, sondern im Norden der Stadt an eine Seilbahnstation am Berg Tochal fahren und den dortigen Parkplatz zu nutzen. Das hiesige Management wurde anscheinend von Bekannten, die ein paar Wochen vor uns hier waren, schon vorgewarnt. So ist der „Empfang" sehr entspannt und der General Manager der Firma ist auch nicht überrascht ob unseres Anliegens und bietet sehr nett seine Unterstützung an.
Hier ist es ideal für uns. Wir stehen mit einem schönen Blick auf die Stadt, können mit der U-Bahn alles Sehenswerte erreichen und haben in einem nahe liegenden Café einen sehr gut funktionierenden Internetanschluss. Nachdem wir am nächsten Morgen das Internet erst einmal ausgiebig genutzt haben, kümmern wir uns um unsere Wäsche. Es hat sich in den letzten Wochen so viel angesammelt, dass wir uns entscheiden alles in eine Wäscherei zu geben. Wir fragen beim Management um einen Tipp und werden erst einmal zum Tee eingeladen und dem kompletten Managementteam vorgestellt. Diese Firma, dazu gehören die Seilbahn, ein Rekreation Center und das höchstgelegene Hotel der Welt, hat 200 Mitarbeiter. Bezüglich unserer Wäsche empfiehlt man uns das zur Firmengruppe gehörende Hotel Esteghlal, das frühere Hilton, wohl eines der besseren 5 Sterne Hotels in Teheran. Gleich ruft man dort an und macht klar, dass wir vorbeikommen. Der Hotel Manager bringt uns auf seinem Nachhauseweg mitsamt unseren 3 Kopfkissenbezügen voller Schmutzwäsche dorthin. Im Hotel herrscht Hochbetrieb. Der Haupteingang ist mit X-Ray und Polizei gesichert. Unsere Schmutzwäsche muss auf das Laufband, genauso wie unsere Jacken. Dann marschieren wir, die Säcke geschultert, an der Rezeption vorbei, mitten durch eine große Menschenmenge Richtung Concierge. Unser Begleiter hilft uns, die richtige Person ausfindig zu machen und so drängen wir uns, weiter durch die Menschenmenge in der Lobby, hinter die Kulissen des Hotels in die Wäscherei. Dort erwartet man uns schon. Alles wird neu sortiert und jedes Wäschestück wird sorgfältig erfasst. Ich würde am liebsten im Boden versinken. Erst spazieren wir mit unserer Schmutzwäsche durch die Lobby des 5 Sterne Hotels voller elegant gekleideter Menschen, und jetzt sortieren 2 iranische Hotelmanager meine Schmutzwäsche. Erst als wir wieder raus aus dem Hotel zurück zum Auto gehen, erfahren wir, dass die vielen Menschen Teilnehmer der zurzeit stattfindenden Syrienkonferenz der arabischen Liga sind. Das erklärt den hohen Sicherheitsaufwand am Hoteleingang und die TV-Übertragungswägen vor dem Hotel. Und wir marschieren mit Schmutzwäsche mittendurch!
Der Manager bringt uns noch zur U-Bahn, drückt uns seine U-Bahnkarte in die Hand und wünscht uns weiter einen schönen Tag. Wir finden uns leicht zu Recht, alles ist gut erklärt und bald sind wir in der Innenstadt. Bei einem langen Spaziergang lassen wir das Treiben der Millionenstadt auf uns wirken. Es ist ziemlich turbulent und laut, aber was für uns auf den ersten Blick chaotisch ausschaut hat System. Die Motorradfahrer und die PKWs scheinen wie wild durcheinander zu fahren, immer nahe an der Grenze sich irgendwie zu verkeilen, aber es funktioniert! Alles löst sich immer wieder auf und niemand schimpft und regt sich auf. Alle sind ruhig und gelassen, nur hin und wieder hupt jemand, aber das war es auch schon. Lediglich als Fußgänger ist man das schwächste Glied. Im Grunde überquert man die Straße im fließenden Verkehr, zwischen den fahrenden Fahrzeugen hindurch, die bremsen einfach nur kurz etwas ab und geben hinter einem wieder Gas. So schlängelt man sich von Fahrzeug zu Fahrzeug über die Straße. Am Anfang ist es ein unsicheres Gefühl, aber auch das hat System.

                                                  

        

In der Stadt laufen die Vorbereitungen für das am Wochenende bevorstehende Ashurafest auf Hochtouren. Ashura ist der bedeutendste Feiertag im Iran, es wird der Ermordung des dritten Imam Hossein, 680 n. Chr. in Kerbela gedacht. Zu diesem Anlass hat sich eine Volkskultur von Trauerprozessionen entwickelt, für die jede Menge Standarten und Banner verkauft werden. Ganze Straßenzüge sind bereits in schwarz und grün beflaggt.
Per Zufall finden wir in einer Seitenstraße im Zentrum ein Restaurant voller Shisha rauchender und Fußball schauender Männer, richtig gemütlich ist es hier und es gibt gute traditionelle Küche. Nach dem Essen, wir bezahlen umgerechnet € 8,00 für Beide, kommen wir mit dem Wirt ins Gespräch. Er zeigt uns Fotos seiner zahlreichen Deutschlandreisen. Zur Fußball WM war er in München und Nürnberg und er hat Freunde in Hamburg und Berlin, die er gelegentlich besucht. Er hält Deutschland für ein starkes, diszipliniertes Land, das wirtschaftlich sehr stark ist und er mag die Menschen dort. Und dann kommt wieder die Frage, was uns am Iran so gut gefällt? Ganz einfach, es sind die Menschen, die hier sehr, sehr nett sind und ein Gefühl des Willkommenseins in uns auslösen.
Der nächste Tag ist der Kultur gewidmet. Nach dem wir gefrühstückt haben und uns gerade fertig machen, klopft es an der Türe. Es ist der Hotel Manager, er bringt Willkommensgeschenke und frägt nach unseren Plänen und ob wir Hilfe brauchen. Nein, heute kommen wir alleine klar, wir haben ein einfaches Programm. Wir werden erneut mit der U-Bahn in die Stadtmitte fahren und dort den Golestan Palast sowie das Nationale Juwelenmuseum besichtigen. Es ist schon erstaunlich, wie aufmerksam die Menschen sind.
Im Golestan Palast sind heute einige Museen untergebracht. Einige prunkvoll ausgekleidete Spiegelsäle sowie das ethnologische Museum, das anhand von Wachsfiguren die traditionellen Trachten und Gebrauchsgegenstände darstellt, sind durchaus sehenswert.
Das Juwelenmuseum befindet sich im Untergeschoß der Iranischen Zentralbank. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen wird man dort eingelassen. Hinter einer mächtigen Stahltüre sind zwei mit Juwelen verzierte Thronsitze, ein mit 50.000 Edelsteinen verzierter Globus, die Kronen und Throninsignien der Pahlavi-Shahs, Diademe und weitere tausende Schmuckstücke ehemaliger Herrschergenerationen, sowie der größte jemals geschliffene Diamant mit 182 Karat zu sehen. Die Exemplare sind auf der Welt einmalig.

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