Reisebericht Tansania Teil I - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Tansania

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Teil I >  Horo Horo - Terekea           04.08. - 24.08.2014          842 km

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Horo Horo ist ein kleiner Grenzübergang. Die Abfertigung ist völlig problemlos und freundlich. Gleich danach empfängt uns eine breite, perfekt geteerte Straße, sogar Straßenschilder gibt es hier.
Tanga, eine gemütliche Hafenstadt, ist unser erster Halt. Unübersehbar der deutsche Uhrturm von 1901 und das Gebäude des ehemaligen Hamburger Sisalkontors. Ansonsten ist nichts mehr vorhanden aus der deutschen Kolonialzeit vor dem ersten Weltkrieg. Uns erinnert Tanga sehr stark an Städte im Oman. Die Bevölkerung ist hauptsächlich islamisch, die Frauen tragen bunte Gewänder, die Männer tragen die weißen Häubchen. Ganze Straßenzüge sind Souk-ähnliche Ladenzeilen, in denen die Bohnen- und Reissäcke bis auf die Straße stehen. Die Menschen rufen und winken uns zu. Auffällig in Tanga ist, dass selbst die schönen Häuser am „Ocean Drive", der Uferpromenade, wo die besser gestellten Familien nicht mit Elektro- oder Stacheldrahtzäunen gesichert sind. Die Gegend scheint sicher zu sein.

Wir wollen mit einer Dhau nach Sansibar und so suchen wir uns in Pangani, einem ehemaligen Sklavenhafen, eine Frachtdhau, die uns mitsamt Motorrad mitnimmt. Wir haben Glück beim dritten Anlauf finden wir tatsächlich ein fast leeres Schiff. Wir müssen um 21:00 Uhr da sein, um mit der Ebbe das Motorrad einladen zu können. Dann liegt das Schiff auf der Seite und die Besatzung kann das Motorrad, ohne Steg und Brett, in das Schiff hieven. Auch wir gehen an Bord und machen es uns zwischen den Seemännern auf den harten Brettern gemütlich. Um 01:00 Uhr, mit der einlaufenden Flut legen sie ab und verlegen den Standort in die Mitte des Flusses. Erst gegen 04:00 Uhr soll die Dhau auslaufen. Aber das klappt nicht. Das Schiff hat sich in einer Ankerleine verfangen und trotz schieben, Wasser abpumpen bekommen sie das Boot nicht frei. Dann eben heute nicht. Die Besatzung legt sich wieder hin. Morgens um 08:00 Uhr verlassen wir bei strömenden Regen das Schiff, um am Abend wieder anzutreten. Gleiches Spiel neues Glück, nur diesmal klappt es. Wir gehen gegen 22:00 Uhr wieder an Bord, machen es uns erneut zwischen den Seemännern gemütlich. Um 01:00 Uhr wird die letzte Fracht und noch eine Person aufgenommen, dann legen sie ab in die Mitte des Flusslaufes und tatsächlich gegen 04:00 Uhr setzen wir Segel Richtung Sansibar.
Es wird eine ruhige Überfahrt. Wir sehen die aufgehende Sonne über dem glitzernden Meer und bald im Hintergrund die Silhouette der Insel. Zum Frühstück gibt es gebratene Casawa, eine Rübe, die nach Kartoffeln schmeckt, und Tee. Gegen 11:30 Uhr legen wir vor Sansibar an. Alles prima, nur das Abladen des Motorrades gestaltet sich schwierig. Es gibt keinen Steg und die Flut setzt schon wieder ein. Das Motorrad muss von der Dhau in das kleine Boot eines „Sub-Unternehmers" gehoben werden und damit wird es an Land gebracht.

Die Überfahrt war ein richtiges Erlebnis, wenn auch zeitaufwendig. Aber das war es wert.

                                                  


Wir fahren erstmal in den Norden der Insel, nach Nungwi, und nehmen uns dort eine einfache, aber saubere Backpacker-Unterkunft direkt am Strand. Jetzt genießen wir erstmal den weißen Sandstrand und das glasklare Meer. Das Abendessen bei Kerzenlicht am Strand macht den wunderschönen Tag perfekt.

Am nächsten Tag packen wir unser Zeug und erkunden die Insel Richtung Osten. Bald schon wird uns klar, entweder super tolle teure Hotelresorts oder Backpacker-Unterkünfte einfachster Art, dazwischen gibt es scheinbar nichts im Angebot! An der Ostküste hat man ohnehin den Eindruck, man ist in Italien am Strand. In eine Hotelanlage wurden wir mit dem Hinweis „only for Italian guests" erst gar nicht eingelassen. Zugegeben es gibt schönere Inseln. Der Kontrast zwischen Strand = teure Hotels und Landesinneres = arme Bevölkerung ist schon eklatant. Wir fragen uns laufend, wer von dem Erlös des Tourismus profitiert. Wir sehen im Grund nur junge „hippe" Menschen und fragen uns, wie die sich die Insel leisten können. Sansibar ist keine Billig-Insel, aber so scheint es mega-in. Am Ende des Tages landen wir in Paje, dem Kite Eldorado schlechthin. Was anderes kann man hier nicht machen. Hier an der Ostküste sind die Preise um einiges höher als im Norden.
Für uns ist es hier zu touristisch, wir ziehen ab, weiter nach Norden, die Ostküste entlang. Super tolle Strände, weißer Sand, türkisfarbenes Wasser. Und, wir landen erneut in einer Backpacker Unterkunft, direkt am Strand. Übrigens, trotz dem starken Tourismus gibt es auf ganz Sansibar nur in Stonetown ATM’s, sonst ist nirgends Geld zu bekommen. Da auch die neue Unterkunft nur für eine Nacht frei ist, ziehen wir erneut um, wieder ein Stück weiter nach Norden. Es ist ein „cooler" Platz einer „Rastaman-Clique", die abends nach dem Essen die Trommeln auspacken und am Lagerfeuer trommeln und singen. Wir gönnen uns noch einen Schnorchelausflug in die blaue Lagune. Es ist wie in einem großen Aquarium, irre viele bunte Fische unterschiedlicher Größe, riesige Korallen in unterschiedlichen Formen. Am Nachmittag machen wir einen ausgedehnten Strandspaziergang und besichtigen aus Interesse eine Hotelanlage. Kleiner Bungalow für 450 US$ die Nacht mit Halbpension, ein Schnäppchen, es ist nicht das Teuerste.

Nach zwei Tagen brechen wir wieder auf, diesmal nach Stonetown. Die Stadt voller Touristen, ein Souvenirladen am anderen, total überteuert, schmutzig und heruntergekommen.. Wir schlendern durch die alte Stadt und über den Nachtmarkt. Wir sind enttäuscht und überrascht zugleich vom Zustand der Stadt. Vor 10 Jahren waren wir schon mal hier und haben es viel ruhiger erlebt. Es hat sich stark verändert, aus unserer Sicht nicht zum Besseren. Wo bitte gehen die Einnahmen aus dem Tourismus hin?

Die Überfahrt mit dem Schnellboot nach Daressalam dauert ca. 90 Minuten. Außer dem kleinen Hafengelände kommt uns dort nichts bekannt vor. Viel wird und wurde gebaut, glitzernde moderne Hochhäuser, breite Straße. Boomtown Dar? Die Ausfallstraße nach Bagamoyo, Richtung Norden, ist mittlerweile vierspurig, am Straßenrand viele Shops und Handwerker.
In Bagamoyo übernachten wir nochmal, doch eine Tagung hat die ganzen Hotels der Stadt belegt. Erst nach langem Suchen finden wir noch ein Plätzchen. Auch hier in Bagamoyo, der ehemaligen Hauptstadt der deutschen Kolonie, stehen noch ein paar Ruinen. Durch den Saadani Nationalpark fahren wir nach Pangani.

Impressionen von unserer Tour nach Sansibar



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Es war eine lange Fahrerei und der Hintern tut uns auch ganz schön weh, aber es war eine tolle Woche, Urlaub vom LKW, mal wieder etwas ganz anderes. Zurück in Pangani waschen wir erstmal unsere Wäsche und verstauen wieder alles an Ort und Stelle. Es ist schön wieder „heim" zu kommen. Und so verabschieden wir uns von der Küste und richten uns in Richtung Usambaraberge aus. Dem ehemaligen Sommerdomizil der deutschen Kolonialherren.

Leider macht uns das Wetter einen kleinen Strich durch die Rechnung. Am Nachmittag hat es in dieser Gegen arg geregnet und so sind die Erdstraßen teilweise richtig aufgeweicht und verwandeln sich in schlammige Rutschbahnen. Erst mal eine Nacht abwarten. Aber am auch am Morgen es nicht anders aus. Wir entscheiden uns für die Teerstraße, um in den Luftkurort Lushoto, dem ehemaligen Wilhelmstal, zu fahren. Ganz oben, am Irente Aussichtspunkt, finden wir einen tollen Platz zum Übernachten, mit Blick direkt in die Weite der Maasai Steppe unter uns. Fantastisch! Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Saften, Marmelade kochen, Obstsalat schnipseln und Brot backen.

Der nächste Morgen erwartet uns mit strahlend blauem Himmel. Die Wolken ziehen unter uns über die Maasai Steppe. Was für ein Anblick! Wir trödeln ein wenig und die paar Einheimischen, die uns Gesellschaft leisten, finden im Garten zwei Chamäleons, ein Junges und ein Männchen. Was für gemütliche Tierchen. Doch eh wir uns versehen, ziehen Wolken auf. Ruckzuck sehen wir nicht mal mehr die Stromleitungen über uns und es fängt an zu regnen. Jetzt aber hurtig, hier dauert es nicht lange bis die Straßen wie Schmierseife sind. Wir haben Glück, die Piste bleibt gut, der Regen ist nicht stark. An einer Klosterschule erstehen wir sehr guten Käse und hausgemachte Marmelade. Der weitere Weg führt durch die Berge, teilweise durch Reste richtigen Regenwaldes. Es ist eine fantastische Gegend. Am späten Nachmittag erreichen wir in dem kleinen Ort Mambo den „Welt Aussichtspunkt". Ganz oben, an der Spitze eines Felsens gelegen, hat man von hier bei klarer Sicht die Chance bis zum Kilimandjaro zu sehen. Im kleinen Ort Mtae verlassen wir die Usambara Berge. In unseren Karten als normale 4WD Piste eingetragen, entpuppt sich die Strecke als Wanderweg, hauptsächlich von Fußgängern und Motorrädern benutzt. In Untersetzung hoppeln wir von Rinne zu Rinne und von Stein zu Stein nach unten. Ein paar sehr schwierige Passagen treiben den Adrenalinspiegel nach oben, aber wir meistern das. Wir haben für 21 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,4km/h circa 5,5 Stunden gebraucht. Landschaftlich ist die Route ein Hochgenuss, mit einem unsagbaren Ausblick weit hinein nach Kenia. Für Trucks ist die Strecke jedoch auf keinen Fall zu empfehlen.



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Auf der Nordseite der Usambara Berge fahren wir weiter in Richtung Kilimandjaro und erreichen die nächste Bergkette, die Pare Berge.

Die Pisten auf der Ostseite dieser Berge sind ziemlich eng und teilweise in schlechtem Zustand, langsam „schaukeln" wir durch die Dornenbüsche. Das Quietschen der Dornen auf dem Lack geht uns manchmal durch und durch, aber das ist halt so. Wir passieren große Reisfelder und riesige Feuchtgebiete. Bald schon sehen wir rechter Hand die weiten Ebenen des Tsavo Nationalparks in Kenia. Nach einem kurzen Stück Teerstraße biegen wir wieder ab in Richtung Jibe See, einer touristisch völlig unerschlossenen Gegend auf der Nordseite der Pare Mountains. Der Blick in die unglaubliche Weite der Ebene und die darin liegenden Inselberge ist grandios.
Wir passieren kleinere Dörfer und Siedlungen und immer wieder Felder. Auch in dieser Ecke des Landes ist es sehr fruchtbar. Auf den Märkten bekommen wir blütenweißen Blumenkohl, tiefgrünen Brokkoli und knallorangene Karotten. Und dieses Gemüse schmeckt richtig gut. Nordtansania ist die Kornkammer des Landes. Trotzdem sind die Menschen hier arm und ihre Behausungen sehr einfach. Die Menschen sind einfach nett, sie rufen und winken uns zu „Karibuni, Karibuni"-„Willkommen, Willkommen" und dabei lachen sie mit einer Offenheit und Herzlichkeit, dass man einfach mitlachen muss.

Diese Runde ist landschaftlich lohnenswert aber auch, um einen Eindruck in das einfache Leben der Bevölkerung zu erhalten. Durch den Jibe See geht die Grenze Kenia Tansania und der See bildet eine Pufferzone zwischen dem großen Tsavo Nationalpark in Kenia und dem Gebiet hier in Tansania. Baden? Nein danke! Außer man will sein Badevergnügen mit Flusspferden, Krokodilen und Bilharziose Schnecken teilen.

Am Abend erreichen wir Moshi, eine gemütliche Kleinstadt am Fuße des Kilimanjaro. Hier können wir uns endlich wieder mit dem Nötigsten versorgen und unsere Vorräte auffüllen. Zum Abschuss eines wunderschönen Tages lüftet der „Kili" auch noch sein Wolkenkleid und zeigt sich in der Abendsonne mit seinen Gletscherfeldern in voller Pracht.
Den „Kili" zu besteigen ist nicht unser Vorhaben, wir sind eher die Freizeitwanderer. Wir umrunden stattdessen den Berg am Rande des Nationalparks durch den Regenwald in Richtung Marungu.
Der Weg durch den Regenwald ist eng, steinig und schlammig. Wir müssen sogar mal wieder einen Baum schlagen der zu tief über die Fahrbahn wächst. In unserer „Tracks for Africa"-Karte ist diese Route als Teerstraße eingetragen, von wegen! Wir passen sehr oft gerade so durch! Aber es lohnt sich. Immer wieder kommen wir durch kleine Weiler, hauptsächlich Bananen und Kaffeeanbau. Die Menschen leben in einfachsten Hütten. In Marungu erreichen wir wieder die Teerstraße. Durch diesen kleinen Ort werden jährlich Tausende Touristen durchgeschleust auf ihrem Weg zum Gipfel, denn von hier starten zwei der bedeutendsten Routen. An diesem Ort wird der Unterschied zwischen der entwickelten Welt und Afrika wieder mal besonders deutlich. Auf der einen Seite die vielen Touristen bzw. Bergsteiger in ihren superteuren Funktionsklamotten und auch sonst natürlich ausgestattet mit der besten Ausrüstung, die dann hunderte oder gar tausende Dollar in die Kassen irgendwelcher Tourveranstalter stecken. Und auf der anderen Seite die lokale Bevölkerung, die sich abmüht um 200US$ jährlich für die Secondary School für eines der Kinder aufzubringen.

Die Landesgrenze passieren wir in dem kleinen Ort Terekea. Alles läuft schnell und reibungslos ab. Im Umgang mit dem Carnet des Passages ist der Beamte etwas „hilfebedürftig", wir zeigen ihm wo die Stempel und die Unterschriften zu leisten sind, und so sind wir nach 10 Minuten in Kenya, in Loitokitok. Auch hier läuft alles reibungslos, die Roadtax ist „verhandelbar" und mit 40US$ gültig für einen Monat schließen wir einen guten Deal ab.



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Tansania  I -  Der Nordosten und Sansibar

Tansania II - Am Viktoriasee

Tansania III - In den Glutkessel Tansanias

Tansania IV - Der Tanganjika und der Süden

... Menschen in Tansania

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