Reisebericht Sudan Teil II - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Sudan

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Teil II >  Shendi - Galabat / Äthiopische Grenze          
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Nach 2 Nächten fahren wir weiter nach Shendi. Die Stadt bietet nichts Sehenswertes. Wir kommen hier zufällig an einigen Autowerkstätten vorbei, in denen die berühmten alten Bedford LKW repariert werden. Diese ursprünglich britischen Fahrzeuge sind eine Besonderheit in Sudan. Die Fahrzeuge werden modifiziert, was nichts anderes bedeutet, als dass sie rundum verstärkt, aber auch verlängert und verbreitert werden. Ausgestattet mit sehr massiven Sitzbänken auf der Ladefläche, sind sie dann für die rauen Rüttelpisten, die vielen Schlaglöcher und schwere Beladung ideal geeignet. Manche sind wahre Kunstwerke. Die Besitzer sind sehr stolz auf ihre fantasievoll bemalten und dekorierten Fahrzeuge. In diesem Werkstattviertel gibt es nichts was nicht repariert wird. Alte Wartburg, Toyota, Land Rover, für alles gibt es hier Ersatzteile, alles wird repariert. Für Neues gibt es kein Geld. Wir sind ganz begeistert.

Hier treffen wir Dr. Taho. Er besitzt eine Farm im Norden Shendis und erklärt uns, dass es dem Sudan hauptsächlich an Ausbildung mangele. Es gibt viele Leute mit Geld, aber sie wissen nicht wie sie es investieren können. Auch das Vermarkten von Waren wie z.B. sein Gemüse, sei ein Problem. Man bleibe auf den Waren sitzen, da es kaum Exportmöglichkeiten gibt. Bei Kaffee und Tee sprechen wir noch lange darüber, aber auch über die Unterschiede zwischen unseren Kulturen, die Scharia und die afrikanischen Wurzeln der Sudanesen. Auch das Müllproblem sprechen wir an. Bis hierher haben wir in ganz Sudan 3 Mülltonnen gesehen. Uns wird immer ganz anders, wenn wir unseren feinsäuberlich gesammelten Müll auf den großen Haufen vor dem Ort werden. Wissend, dass Hunde oder Ziegen die Tüten auseinander reißen und er dann wie all der andere Müll durch die Gegend fliegt. Die besten Vorzeichen auf menschliche Ansammlungen sind stets die vielen Plastiktüten, die wie Lametta in den Büschen und Sträuchern hängen.

Hinter Shendi biegen wir an einer Tankstelle links ab auf eine Piste. Wir fahren nach Musawwarat as-Sufra und Naga. Ein Kusch-König, der vielleicht um 220 v. Chr. regierte, erbaute hier mehrere große Tempel. Die Piste führt durch eine savannenähnliche Landschaft, das Thermometer zeigt 45 Grad. Wie halten die vielen schwarzen Ziegen das nur in der Sonne aus? Unsere Klimaanlage kommt kaum noch nach. Die Tempel in dieser Abgeschiedenheit sind sehenswert, auch wenn sie längst nicht so beeindruckend sind, wie die Pyramiden von Meroe. Aber schon rein landschaftlich ist es die Strecke allemal wert. Die deutschen Archäologen leisten an diesen Orten eine bewundernswerte Arbeit, die Schätze für die Nachwelt zu erhalten. Hier leben nur noch Nomadenfamilien, die aber durchaus auch Ackerbau betreiben. Das Wasser für sich und ihre Tiere holen sie aus einer 80m tiefen Quelle. Eine mühsame Arbeit.

Ca. 80 km vor Khartoum „werkeln" wir uns abseits der Hauptstraßen mit einigen Verfahrern auf schlechten, staubigen Pisten durch viele Dörfer durch bis zum Nil. Denn, wenn wir schon am Nil entlang fahren, dann wollen wir endlich auch einen der berühmten Nilkatarakte zu sehen bekommen. Es ist schon fast dunkel als wir endlich den Fluss erreichen. Dort haben ein paar geschäftstüchtige Bauern die Zeichen der Zeit erkannt und direkt am Wasser Plätze zum Schlafen und Essen hergerichtet. Es wäre übertrieben dies als Campingplätze oder Restaurants zu bezeichnen. Alles ist sehr, sehr einfach, aber schön gelegen. Durch das kühlere Nilwasser ist auch die Umgebung etwas kühler und es hat keine Moskitos. Wir liegen in unserem Bett, blicken aus der geöffneten Dachluke hinaus in den prachtvollen Sternenhimmel und fallen schließlich in einen erholsamen, wohlverdienten Schlaf.

Jedes Jahr im September nach dem großen Regen in Äthiopien steigt der Nil um 6 Meter. Die Nilschwemme bringt fruchtbaren Schlamm mit sich, der sich auf den Feldern absetzt und den Boden dadurch fruchtbarer werden lässt. Für die Länder am Nil ein Jahrtausende alter Kreislauf. Bevor wir wieder aufbrechen machen wir eine Bootsfahrt auf dem Nil. Wir schippern durch den Katarakt, man spürt die stärkere Strömung, aber das war es auch schon, vorbei an den vielen Feldern, die mit Pumpen bewässert werden, vorbei an den Fischern, die die Dörfer mit fangfrischem Fisch versorgen. Ein eigener Rhythmus nimmt uns auf dem Wasser gefangen. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Schon ca. 40km vor Khartoum nimmt die Besiedelung zu, die Vier-Millionen-Stadt Khartum kündigt sich an. Dichter werdender Verkehr in dem "Tuk-Tuks", aus Indien importierte kleine dreirädrige Taxis, das Regiment übernehmen. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Weißem und Blauen Nil und das lässt sie dreiteilen: Das eigentliche Khartum, schachbrettartig von den Briten nach 1898 aufgebaut, breitet sich am südlichen Ufer des Blauem Nils aus. Nördlich davon befindet sich Khartum-Nord, und westlich des Flussdreiecks liegt Omdurman.
Laut unserem Reiseführer gibt es eine Adresse, wo man sicher und beschaulich campen kann. Sie hat den vielversprechenden Namen "Blue Nile Sailing Club" und liegt tatsächlich direkt am Nil. Darüber hinaus aber hält der staubige und schmutzige Platz nichts, was sein Name verspricht. Es ist ein Ort mit Bootswracks und Eisenschrott direkt neben einer lärmenden Straße und an einer Brücke. Das ist nichts für uns. Wir wechseln zum German Guesthouse. Dort können wir in einer ruhigen Seitenstraße parken und gegen ein Entgelt die Infrastruktur des Hauses, sowie die Vollpension in Anspruch nehmen. Außerdem ist es ein Treffpunkt anderer Reisender und vieler interessanter Menschen, unter anderem von vielen Hilfsorganisationen. So ergeben sich jede Menge interessanter Gespräche, oft bis spät in die Nacht.

Im Dezember haben wir in Dubai Obai kennengelernt und wir haben versprochen, wenn wir in Khartoum sind melden wir uns. Obai stammt aus einer der ältesten Großfamilien in Khartoum und ist leidenschaftlicher Motorradfahrer. Unser sudanesischer Freund ist mit seiner BMW GS1200 bereits die Strecke nach Kapstadt gefahren und kennt sich aus. Er gibt uns viele Tipps.

Und da wir schon mal in Khartoum sind und es Freitag ist, lassen wir uns natürlich nicht die tanzenden und singenden Derwische an dem Hamed-al Nil Mausoleum in Omdurman entgehen. Hamed-al Nil war ein Sufi-Führer und die Anhänger dieser Glaubensrichtung treffen sich jeden Freitagnachmittag an diesem Ort, um zu beten, zu tanzen und zu singen. Es ist ein wahres Spektakel, die Bilder
sprechen für sich…

                                                  

Gleich am darauffolgenden Tag lädt Obai uns auf die Hochzeit seines Cousins ein. Eine Hochzeit im Sudan dauert 3 Tage und wir nehmen am letzten Abend teil. Etwa 500 Gäste kommen in einem Festzelt zusammen in dem die Braut dem Bräutigam „übergeben" wird. Es wird gegessen und viel getanzt. Die ersten beiden Tage dienen jeweils den langwierigen Vorbereitungen und den Feiern in den Familien der Brautleute. Sie feiern im engsten Kreis getrennt und werden auf die Hochzeit vorbereitet. Unter anderem wird die Braut gebadet, massiert, gänzlich enthaart und anschliessend mit Henna bemalt, das allein dauert schon einen Tag.

Auf der Hochzeit lernen wir dann auch noch Obai’s Bruder kennen. Er war früher Motocross-Fahrer und besitzt jetzt eines der wenigen Mandi-Restaurants in Khartoum. Er lädt uns für den kommenden Tag zum Essen ein. Und da wir ohnehin weiterfahren wollen, nehmen wir das Angebot gerne an. Obai holt uns am German Guesthouse ab und wir fahren gefühlt durch halb Khartoum hinter ihm her. Ein ganz unscheinbares, typisch sudanesisches Restaurant erwartet uns. Das Essen ist noch nicht fertig, wir müssen noch 30 Minuten warten bis das Geheimnis gelüftet wird. Mandi nennt man die Art des Ofens. Es ist ein großer Erdofen, in dem ein Holzfeuer hinunterbrennt. Dann wird ein großer Topf mit speziell gewürztem Reis auf die weiße Kohle gesetzt, darauf folgt ein großer Rost beladen mit Hühnchen, Lammstücken und Lammköpfen. Alles wird lediglich mit Alufolie bedeckt, der Ofen geschlossen und dann „kocht" das Ganze ca. 3 Stunden in diesem Loch. Was dann auf den Teller kommt ist einfach nur köstlich, und auch noch gesund.
Wohlgenährt und zufrieden bringt uns Obai noch auf die Ausfallstraße Richtung Süden. Wir versprechen in Kontakt zu bleiben und verabschieden uns herzlich von einem liebgewonnenen Menschen.

Vor uns liegen ca. 550 Kilometer durch das größte Agrargebiet Sudans. Weite Anbauflächen liegen zwischen dem Blauen und dem Weißen Nil und lassen Baumwolle, Mais und Zwiebel für den Export wachsen. In diese Gegend Sudans „muss" man als Besucher nur, wenn man wie wir nach Äthiopien weiterfahren will. Ansonsten kann man sich die sehr schlechte Teerstraße getrost ersparen.
Die Landschaft verändert sich, es wachsen Sträucher und knorrige Bäume, hin und wieder sehen wir ein paar Baobab Bäume. Es ist sehr heiß, ungefähr 46 Grad. Seit Januar 2013 waren wir (mit Ausnahme der 4 Monate Heimaturlaub) nur in Wüstenstaaten unterwegs. Jetzt sind wir in der Sahelzone angekommen. Die Hautfarbe der Menschen ist noch eine Spur dunkler, die Gesichtszüge werden weicher, die Lippen voller. Die eckigen Lehmhäuser weichen den einfachen, grasbedeckten Rundhütten.

Kenner behaupten, dass Afrika erst südlich der Sahara beginnt. Wenn dem so ist, dann haben wir es nach über einem Jahr endlich erreicht.



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Bildergalerien:       Sudan    I - der Osten und die Nubische Wüste
                                   Sudan  II - am Nil entlang
                                   Sudan III - am Nil und der Süden
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