Reisebericht Simbabwe Teil I - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Simbabwe


Entlang dem Sambesi

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Teil I >  Kazungula - Mount Darwin                    19.05. - 31.05.2016               1.371 km

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Entgegen aller Gerüchte über die unfreundlichen Polizisten und die schlimmen Abzockmethoden in Simbabwe, sind wir über die professionelle Abwicklung und die Freundlichkeit mit der wir an der Grenze „bearbeitet“ werden, sehr überrascht.

Unser erstes Ziel im Land wird die kleine alte Stadt Viktoria Falls sein. Als wir im November die berühmten Wasserfälle auf Sambia Seite besucht hatten, führte der Sambesi sehr wenig Wasser. Jetzt ist die Regenzeit vorüber und wir sind gespannt. Nach einer kurzen Stadt Besichtigung und dem Kauf einer Simkarte besuchen wir das altehrwürdige Victoria Falls Hotel. Es ist ein traditionsreiches Kolonialhotel, das in seiner 100 jährigen Geschichte seinen Charakter und seinen eigenen Charme bewahrt hat. Wir wandern durch den herrlichen Garten, von wo aus man einen fantastischen Blick auf die hohen Gischtfontänen der Wasserfälle hat. Diesmal hat es zu viel Wasser, einige Besucher erzählen uns, dass sie bei ihrem Besuch der Fälle nicht einmal die Abbruchkante erkennen konnten.

Jetzt endlich, genug des Touristenprogrammes, geht es weiter ins Landesinnere. Wir werden dem Sambesi folgen. Auf einer guten Schotterpiste fahren wir einen Höhenzug entlang, durch Lichtungen im dichten Busch erhaschen wir immer wieder einen tollen Ausblick zurück auf die Gischt der Wasserfälle und verstehen jetzt umso mehr, warum die Einheimischen die Wasserfälle „Mosi-Oa-Tunya - Donnernder Rauch“ nennen.

Die kleinen Grundstücke sind mit Zäunen aus dicken Balken eingegrenzt und picobello gefegt. Mit einem herzlichen offenen Lachen winken uns die Menschen zu. Da geht einem das Herz auf. Die Frauen tragen die bunten, farbenprächtigen Wickeltücher. Die Babys sind fest auf den Rücken gebunden, die Waren balancieren sie  elegant auf dem Kopf. Es ist wieder Afrika!

Der Abstecher zu dem kleinen Nest Mlibizi, direkt am Fluss, hat sich nicht gelohnt. Immerhin erstehen wir schönen großen Sambesi Barsch. Das Abendessen ist somit gesichert. Auch in Binga, der nächsten größeren Ortschaft, gelingt es uns nicht, direkt an den Kariba See heranzukommen. So  übernachten wir eben in der gepflegten Anlage des Kulizwe Hotels.

Weiter geht es immer in Richtung Osten. Vorbei an den Stelzenhäusern der Tonga, eben diesem Volk, das aus dem Gebiet des heutigen Stausees umgesiedelt wurde. In unserem Sambia Bericht haben wir darüber schon berichtet. Es macht auf uns den Eindruck, dass die Menschen in diesem abgelegenen Teil des Landes ihr Auskommen und ihren Frieden haben. Dies ist kein Farmgebiet weißer „Rhodesier“ somit fanden hier anscheinend keine Enteignungen statt und Harare, die Hauptstadt ist weit weg. Normalerweise hat es hier auch genügend Wasser, so dass die Tiere und die Felder gut bewirtschaftet werden können.

Ein kleiner Hinweis in unserem GPS System weist uns daraufhin, dass wir, je weiter wir nach Osten fahren, ins Land der Shona gekommen sind. Die Shona sind die größte ethnische Gruppe in Simbabwe. Hier kommt der Name unseres LKW’s her, „Shumba“, was in deren Sprache "Löwe" bedeutet.

Die Menschen sind unglaublich! Winken und lachen, als wären wir alte Freunde, die endlich wieder zu Besuch kommen, nur ganz gelegentlich hält jemand zögerlich die Hand auf und „bettelt“, aber nie aufdringlich oder hartnäckig. Wir übernachten in der Nähe von Dörfern, auf Fußballplätzen, völlig unbehelligt. Sogar einen Tisch bringt man uns vorbei, um uns den Aufenthalt angenehmer zu machen.

                                                  


Unser Etappenziel ist ein einsames Gebiet direkt am Karibasee. Um dorthin zu gelangen überwinden wir auf einer, sehr kurvenreichen, mit einigen Serpentinen versehenen, Schotterstraße etliche Höhenmeter. Die Straße ist gelegentlich ausgewaschen, aber insgesamt sehr gut fahrbar. Es wird einsam, nur ganz wenige Menschen wohnen an diesem Teil des Sees, es sind hauptsächlich Fischer.
Auf einer Halbinsel finden wir unseren Traumplatz, um uns herum Nichts. Büffelherden grasen in einigem Abstand, Hippos liegen faul im Wasser und melden sich gelegentlich mit lauten Rufen, Fischadler fliegen auf der Suche nach Beute das Ufer ab, und nachts hören wir das Trompeten der Elefanten. Im Hintergrund sehen wir die Bergkette des Matusadona Nationalpark, auf der gegenüberliegenden Seite des Sees die Lichter der Stadt Kariba. Wir sind völlig allein.

Unsere Freunde verlassen uns nach zwei Nächten. Sie wollen weiter, sie haben ja bis August noch Einiges vor. Wir jedoch hängen noch einen Tag dran und lassen ihn am Lagerfeuer ausklingen. Die Nacht hat es leicht geregnet, aber kein Problem, bis wir aus dem „Bette kriechen“ ist alles wieder trocken. So machen wir uns auf den Weg nach Nordosten in Richtung Sambesi Tal. Die Stadt Kariba, die dem See seinen Namen gab, lassen wir links liegen. Ab hier ist Teerstraße, es wird hügelig, ständig geht es bergauf und bergab, die Gegend ist völlig unbewohnt. Eine kurvige Bergstraße führt über das Escarpment und gibt am Scheitelpunkt den ersten Blick hinunter in die Ebene des Sambesi und weit hinein nach Sambia frei. Doch kurz vor der Grenze nach Sambia biegen wir ab und verlassen erneut die Teerstraße, um den Mana Pools Nationalpark im Transit zu durchqueren.

Am ersten Gate erfahren wir, dass wir hierfür ein Transitpermit benötigen, das im Headquarter Morongoro ausgestellt wird, das etwa 10km auf der Bergstraße zurückliegt. Wir sind daran vorbeigefahren. Doch für heute ist es ohnehin zu spät. Wir übernachten bei den netten Damen am Gate und holen das Permit am nächsten Morgen.
Zwei Frauen leben mit einem Kind in einfachsten Verhältnissen an diesem Ort. Sie erzählen uns, dass sie alle vier Wochen versetzt werden. Wohin erfahren sie im Vorfeld nicht und Einfluss auf die Entscheidung haben sie auch nicht. Das ist ein großes Problem für die Familien. Derzeit bekommen sie keinen Lohn, die Regierung ist pleite, dem Staat geht es schlecht. Nur ganz vorsichtig äußern sie sich über den „alten Mann“, wie sie Robert Mugabe, den Präsidenten, nennen. Wir vermeiden ein weiteres politisches Gespräch, wir wollen die beiden nicht in eine unangenehme Situation bringen. Begleitet mit einigen großen Seufzern, deutet eine in Richtung Sambia Grenze und sagt: „da drüben, die können frei sagen was sie denken, wir können das nicht.“ Die andere Frau nickt zustimmend, wir spüren regelrecht, wie sehr sie das belastet.

Die Genehmigung in der Tasche verabschieden wir uns herzlichst von den beiden netten Frauen und dem Sohn. Die ersten Kilometer der Strecke sind übelstes Wellblech, zeitweise haben wir den Eindruck, uns fliegen alle Teile um die Ohren. Erst bei fast 80km/h ist es einigermaßen zu ertragen. Das geht richtig aufs Material. Bei der Geschwindigkeit nimmt man die vorbeifliegende Natur nicht mehr wahr, volle Konzentration auf die Schlaglöcher und die Strecke ist angesagt. Ab dem ersten Kontrollgate wird es besser. Neben den oft riesigen Dunghaufen der Elefanten sind große ausladende Baobabs die einzige Attraktion. Unsere Route führt direkt durch den Buschwald, entlang dem Sambesi Escarpment, das wir in einiger Entfernung durch die Bäume sehen können. Mana Pools selbst schenken wir uns.

Auf einem Fußballplatz, den wir als Nachtplatz auserkoren haben, treffen wir zwei junge Lehrer, sie roden diesen Platz für die Secondary School, für die sie gemeinsam mit sieben anderen Lehrern circa 350 Schüler betreuen. Diese Schüler haben oft einen bis zu 24 km weiten Schulweg zu Fuß durchs Elefantengebiet. Hier im Drei-Länder-Eck Sambia, Mozambique, Zimbabwe sind die Leute sehr arm. Der Tourismus ist weit weg und der Mana Pools Nationalpark bietet nur für ganz wenige einen Job. Die beiden klagen über die Motivation der Schüler. Obwohl, bis auf 50 von ihnen, alle irgendwie finanziell unterstützt werden und die Familien kaum Kosten haben, liegt die Priorität in den Familien darauf, Essen herbei zu schaffen. Den Eltern steht der Sinn nicht nach Schule, viele von ihnen waren ja selbst nicht in einer solchen Einrichtung. Täglich die Mäuler satt zu bekommen ist Priorität Nr. 1. Nach dieser kurzen Unterhaltung gehen sie wieder weiter und schauen nach ihren Ziegen. Auch sie müssen sich bei all dem Idealismus noch um ihr Essen kümmern.

Hinter dem kleinen Ort Mushumbi Pools öffnet sich die Landschaft. Wir befinden uns immer noch in einer Ebene parallel zum Sambesi Escarpment. Die weite Fläche wird zum Anbau von Mais und Tabak genutzt in der viele kleinere Anwesen große Flächen bewirtschaften. Wir nutzen fast jede Gelegenheit Gemüse und Obst an der Straße zu kaufen. Doch das Angebot ist sehr übersichtlich und unsere Küche wird vom Angebot bestimmt. Nie haben wir das Gefühl übervorteilt zu werden, viele der Waren sind klar ausgezeichnet und damit erübrigt sich Handeln. Unser Wasser holen wir aus den Pumpbrunnen in den Dörfern. Und, wie soll es anders sein, von dort schleppen es die Frauen in riesigen Eimern zu ihren Häusern. Wie einfach haben wir es da mit unseren Wasserschläuchen und der kleinen Bohrmaschinenpumpe.

Bei Mukuwe beginnt dann endlich die Teerstraße, die uns in unzähligen engen Kurven aus der Ebene hinauf in die Berge bringt. Die Landschaft wird wunderschön hügelig, im Hintergrund liegen hohe Berge, das Land ist hier bereits sehr fruchtbar und in der Hauptsache wird Tabak angebaut. Je weiter wir Richtung Hochland von Guruve kommen, umso kühler wird es.




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Wir besuchen das Künstlerdorf Tengenge. Bereits 1966 wurde eine ehemalige Tabak-Farm und Chrom Mine von ihrem Besitzer aufgegeben und in dieses Künstlerdorf umgestaltet. Damals kamen die erste Generation Künstler mit ihren Familien hier an. Heute, in der dritten Generation, leben in dem Dorf 550 Personen, das sind 110 Steinmetze mit ihren Familien. Die Künstler kommen von überall aus dem Land, aber auch aus Angola und Mozambique, viele auch ohne ihre Familien. Manche sind hier geboren, Kinder der ersten Generation. Die Gemeinschaft organisiert sich selbst. Das gemietete Land gehört heute einem Künstler, der in Harare lebt. Für Strom und Internet ist kein Geld zur Verfügung, es kommen einfach zu wenige Besucher nach Tengenenge. Zu den Kunden zählen auch einige Galeristen aus München, Neuseeland oder Australien. Auf einem sehr großen Freigelände sind in etwa 5000 Exponate ausgestellt und Chipo und Robert, die zum Manager-Stab der Gemeinschaft gehören, führen uns durch. Wir dürfen alles in Ruhe besichtigen und bekommen Vieles rund um das Gestein und die Arbeit erklärt, während wir den Steinmetzen bei der Arbeit über die Schulter schauen können. Jeder hat einen anderen Stil. Und, wir werden sogar fündig.

Die Abende sitzen wir mit Chipo, Robert und zwei Frauen am Lagerfeuer. Die beiden Frauen haben für uns alle gekocht, „Roadrunner“ (Hühnchen) mit Reis und Sadza. Es ergeben sich interessante Einblicke in das Leben der Menschen hier im Dorf und im Allgemeinen. Wir merken genau, wie zurückhaltend sie alle am Anfang sind, doch irgendwann bricht das Eis und sie öffnen sich. Auch sie klagen über die Situation im Land, dass es kein Einkommen gibt, alles furchtbar teuer ist und viel zu wenige Besucher ins Land kommen. Die Menschen haben Angst. Die Polizisten im Land sind korrupt, die Nationalparks schlecht ausgestattet und überteuert, weiße Farmer oder Geschäftsleute wurden zu Hauf teils mit Waffengewalt vertrieben. Auch die eigene Bevölkerung wird schikaniert und bespitzelt. Ein Problem von Tengenenge ist der schlechte Ruf des Landes außerhalb der Grenzen. Dennoch sind sich die vier darüber einig, dass sie noch Glück haben, denn Tengenenge ist vom Ministerium geschützt. Dieses Künstlerdorf ist ein touristisches Highlight und ein internationales Aushängeschild. Daher wurde ein neues Projekt ins Leben gerufen. Gemeinsam mit einer japanischen Hilfsorganisation soll eine neue Marketing Strategie entwickelt werden. Sie alle sind ganz zuversichtlich. Wir drücken die Daumen.

Chipo nimmt uns am nächsten Tag mit zu den abseits gelegenen Wohnhäusern als wir, um mit dem Telefon ins Internet zu können, eine ca. 45 minütige Wanderungen auf einen nahen Berg machen müssen. Sehr ruhig und gefasst erzählt Chipo, dass er Freunde hat, deren Hände oder Füße abgehakt wurden oder die gar erschossen wurden, weil sie nicht ins Regime passten. Er erzählt von grausamen Methoden, so zum Beispiel, dass ganze Familien in ihren Hütten eingeschlossen und anschließend darin verbrannt wurden. Um Wahlen zu gewinnen oder auch „nur“ als Abschreckung, um wieder andere bei der Stange zu halten, werden die Menschen in Angst versetzt. Er meint ganz pragmatisch, selbst wenn Mugabe weg ist und die neue Regierung alles richtig macht, woher die kommen soll ist allen ein Rätsel, wird es wohl bis zu 20 Jahre dauern, bis es wieder besser gehen könnte. Das, so sagt er, erleben wir nicht mehr. Er gibt ganz offen zu, dass er uns gegenüber zu Anfang skeptisch war und sich gefragt hat, ob wir weiße Spione seien. Doch das hätte sich dann schnell gelegt.
Wir wurden mit einer unglaublich herzlichen und offenen Art und sehr sympathisch hier aufgenommen und haben in diesen 3 Tagen neue Freunde gewonnen. Etwas betrübt tauschen wir Adressen und Telefonnummern aus und verlassen diese Menschen.

Unsere nächste Station ist Centenary, eine kleine Stadt in einem Farmgebiet. Auf der Suche nach einem Supermarkt landen wir in einer Bar und werden sofort von zwei jungen Männern, die dort sitzen, angesprochen. Erneut dieselben Geschichten: Ob wir wüssten, in welch misslicher Lage die Bevölkerung lebt, dass es keine Aussichten auf Besserung gibt. Sie sehen keine Chancen, weder für sich noch für ihre Kinder. Die Dürre des letzten Jahres wird sich erst in diesem Jahr voll auswirken. Und immer wieder die Frage an uns, was sie denn tun sollten. Wie sie es ändern könnten?

Centenary ist Tabakhochburg, hier gibt es nach den Aussagen der Menschen, noch eine Hand voll weißer Farmer, doch nur wenige Arbeitsplätze. Wir kommen an so einer Farm, der Ashford Farm, vorbei. Sie ist ein Paradebeispiel, wie es im Land ausschauen könnte. Wir fahren hin, doch leider treffen wir niemanden an. Wir hätten gerne ein paar Fragen gestellt und mehr erfahren. In den Schuppen stehen funktionierende Geräte und Traktoren, der Hof ist gefegt, die Hecken geschnitten. Und etwas abseits liegt ein sehr ansehnliches, gepflegtes Dorf für die Angestellten, mit Schule. Alles inmitten vieler Tabakfelder.

Auf unserer weiteren Strecke nach Mount Darwin kommen wir noch an ein paar Farmen vorbei, keine ist so gut erhalten und gepflegt, ganz im Gegenteil. Wir fragen uns, ob dieses Land nicht für alle ein Stück abgeworfen hätte?



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