Reisebericht Sambia Teil IV - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Sambia


Der unberührte Westen

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Teil IV >  Kangelesha - Kaoma           27.09. - 13.10.2015          1.089 km

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Die letzte größere Stadt auf unserem Weg in Richtung Westen ist Solwezi. Ab hier wird es noch ländlicher. In der westlichen Region Sambias regieren die „Chiefs“ und diese wiederum unterstehen den „Senior Chiefs“. Ähnlich der Landesfürsten regieren sie ihre, oft sehr großen, Distrikte. Königreiche gibt es nicht mehr. Viele von ihnen sind jedoch tatsächlich königlicher Abstammung und so ist auch der Umgang mit den „royal highnesses“ geprägt von großem Respekt und großer Verehrung. Wie gefestigt diese Strukturen nach wie vor sind, wird damit deutlich, dass 1x jährlich eine Konferenz der Regierung mit ca. 100 Chiefs stattfindet, in der über die Geschicke des Landes beraten und beschlossen wird.
 
Die Teerstraße ab Solwezi in Richtung Westen ist bis auf ganz wenige Ausnahmen sehr gut. Zwei Tage fahren wir durch ländliche Gegend, vorbei an kleineren Dörfern ohne jegliche Infrastruktur und Angebot. Stellenweise gibt es nicht einmal Tomaten, nur das allseits beliebte Cassava.
 
Lukwakwa Zeremonie in Manyinga bei Senior Chief Sikufele
 
In dem kleinen Ort Manyinga findet Anfang Oktober das Lukwakwa Fest statt, das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Im Ort angekommen, fragen wir uns durch. Wir wollen dem Senior Chief unsere Aufwartung machen, uns als seine Gäste aus Deutschland vorstellen, und sein offizielles Einverständnis für die Teilnahme an seinem Fest einholen. An einer „leeren“ Tankstelle haben wir Glück. Ein Untergebener des Chiefs kann uns bringen und an die richtigen Personen weiterleiten.
 
Die Vorbereitungen vor dem Palast und auf dem Festivalgelände sind in vollem Gange. Es werden Buden, Stände und Tribünen aufgebaut, wie bei uns zu einem Volksfest.
 
Wer sich nun unter dem Palast ein Schloss à la König Ludwig oder Windsor vorstellt, ist komplett falsch gewickelt. Es ist ein einfaches afrikanisches Wohnhaus, vielleicht ein wenig größer als andere, mit einigen Vorhöfen, die wahrscheinlich speziellen Zwecken zuzuordnen sind. Nur die Umzäunung ist höher als bei anderen Häusern und sie ist blickdicht.
 
Es ist die Palastpolizei, die sich erst einmal um uns kümmert. Freddy, so heißt unser „Vermittler“ erklärt unser Anliegen und stellt uns vor. Godfrey, der Palastpolizist, nimmt sich uns an und wir werden beim „Senior Chief“ angemeldet. Doch bevor wir „die heiligen Hallen“ betreten dürfen, erhalten wir noch einen Schnellkurs in Sachen „Benimm“.
 
Der Chief ist so eine Art König, wird mit „his highness“ angesprochen und man verhält sich ihm gegenüber auch entsprechend. Das bedeutet, dass wir, weil ich als Frau dabei bin, nicht zum Haupttor Einlass finden, sondern einen Seiteneingang nehmen müssen. Am ersten Tor knien wir nieder klatschen jeder 3x in die Hände und gehen einen Innenhof weiter, dort knien wir erneut und klatschen wieder 3x in die Hände, vor dem Palasteingang, einer wunderschön geschnitzten Türe, dasselbe nochmal, dann dürfen wir das Haus betreten. Der Chief sitzt auf einer Art Schaukelstuhl, der schon einige Jahre in Benutzung sein dürfte, seinem Thron.
Godfrey, stellt uns vor, der Chief begrüßt uns per Handschlag und weist uns mit einer Geste auf die Sofas hin, die im Raum an der Wand entlang stehen. Wir dürfen uns setzen, während Godfrey am Boden Platz nimmt. Wir erleben einen sehr schlanken, zierlichen älteren Mann, dem man seine Würde nicht ansehen würde, träfe man ihn zufällig auf der Straße. Er erzählt ein wenig über die Geschichte der bevorstehenden Zeremonie und erwähnt ganz nebenbei, dass wir keine „Angst zu haben brauchen, es kämen auch noch andere Weiße“.
 
Sein Hofstaat verhält sich ihm gegenüber sehr devot. Bevor sie ihn ansprechen klatschen sie in die Hände und während des Gespräches knien sie am Boden vor ihm. 
Wir tragen unser Anliegen noch in ein „offizielles Buch“ ein, dann ist unsere Audienz auch schon beendet. Wir dürfen auf dem Palastgelände übernachten, das Organisationskomitee wird informiert und uns vorgestellt. Alles läuft hochoffiziell. Wir sind nun Gäste des „Senior Chief“ und werden als solche auch speziell behandelt. 
Auf einem Stück Acker können wir stehen, irgendwie mittendrin, um uns herum die Häuser der königlichen Angehörigen. Wir erleben den Aufbau des Festes aus nächster Nähe. Immer wieder kommen Offizielle, die uns begrüßen und sich vorstellen. In Afrika ist es üblich, dass Gäste persönlich willkommen geheißen werden und dass für sie gesorgt wird. So werden wir bekocht, können unsere Wünsche äußern und am Abend wird „serviert“.
Die Spannung steigert sich jeden Tag ein bisschen mehr. Aus allen Ecken des riesigen Distrikts des Senior Chiefs werden Menschen mit ihren Musikinstrumenten auf LKW Ladeflächen herangekarrt. Ab jetzt wird die ganze Nacht gesungen, musiziert und getanzt. Die „Maskenmänner“ mischen sich allmählich unters Volk und machen ihre Späße. Uns haben sie besonders im Visier. Immer wieder fordern sie uns auf, ihre Bewegungen nachzumachen und mit ihnen zu tanzen. Doch das ist mit der üblichen europäischen Beweglichkeit nicht zu schaffen, es reicht lediglich dazu, die Menschenmasse mit unserer ungelenken Art zu belustigen. Dass wir überhaupt mitmachen finden die Menschen klasse.

                                                  


Die Zeremonie wird über drei Tage gefeiert. Vom ersten bis zum letzten Tag wird rund um die Uhr gesungen, musiziert und getanzt. Diese Menschen haben eine Energie, irre! Am dritten Tag dann der Höhepunkt: Senior Chief Sikufele tritt vor dem in der großen Arena versammelten Publikum auf, begleitet von seinen Regierungsbeamten. In einem symbolischen Lukwakwa Zaun, der in der Mitte der Hauptarena errichtet ist, führen die Mbunda dann einige Rituale auf, die ihre militärischen Fähigkeiten während ihrer früheren Reisen und Eroberungen beschreiben sollen. Dabei loben sie auch ihren allmächtigen Gott und tanzen ihre traditionellen Tänze.
 
Unsere Stühle stehen mit Namenszettel auf der Tribüne der geladenen Gäste. Wir erhalten sogar die offiziellen Zeremonie T-Shirts mit dem Konterfei des Chiefs! Den ganzen Tag über dürfen wir uns in der Arena frei bewegen und alles fotografieren.
 
Am letzten Tag verabschieden wir uns artig von unseren Gastgebern. Sogar der Senior Chief empfängt uns und nimmt sich die Zeit für einen kleinen Plausch. Plötzlich, mitten im Gespräch steht er mit den Worten „lasst mich Euch ein kleines Geschenk geben“ auf und verlässt den Raum. Nach einer Weile kommt er mit einem lebenden weißen Hahn zurück und drückt ihn mir in die Hand. Unsere erste Reaktion schlucken wir anständig hinunter, loben das Geschenk und bedanken uns höflich. Zum Schluss tauschen wir noch die Telefonnummern aus und gehen unserer Wege. Ob wir der Aufforderung, nur ja wieder zu kommen, gerecht werden können, wissen wir nicht.
 
Wie abgelegen, wie ländlich wir sind, merken wir auch daran, dass es seit Solwezi keine Tankstelle gibt. In Manyinga baut Evans gerade eine auf, doch auch er wartet seit 5 Tagen vergeblich auf den Tankwagen aus Ndola. Unser Sprit reicht noch, aber das sollte man bedenken, wenn man in diese Gegend fährt. Je weiter wie westlich fahren umso einsamer wird es.



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Im Land der Lunda und Luvale.
 
Wenn der Fluss den kleinen Ort Zambezi erreicht, hat er bereits 300km in Angola hinter sich gebracht und ist bereits zu einem ansehnlichen Fluss angewachsen, der jedes Jahr in der Regenzeit über seine Ufer tritt. Entlang des riesigen Sambesi leben diese Menschen in diesem Schwemmland, viele sind Halbnomaden und folgen mit ihren Kühen dem fruchtbaren Weideland.
 
Nahe an der Grenze zu Angola haben Missionare in den 70er Jahren eine sagenhafte Hängebrücke über den Sambesi gebaut, die sogenannte „Swinging Bridge“. Dieses „Drahtseilkonstrukt“ spannt sich 253 Meter lang über den Fluss und verbindet somit die beiden Seiten. Damals war hier in Chinyingi eine Mission und ein 52Betten Hospital der Kapuziner, welches eine Gemeinde mit 500 Einwohnern versorgt hat. Zwei Menschen kommen gerade mal so aneinander vorbei. Dort lernen wir Elsbeth, Jörg, Raffi, Fabian und Andi kennen. Sie alle kommen aus der Schweiz und leben in Sambia oder haben in dem Land gelebt. Andi ist Pilot bei der „Flying Mission Zambia“ und hat seine Freunde hierher geflogen. Wir sind uns auf Anhieb sympathisch und verabreden uns in dem kleinen Ort Zambezi wieder zu treffen. Es wird ein lustiger und kurzweiliger Abend mit interessanten Geschichten.
 
Auch in Zambezi gibt es kein Diesel. Es gibt zwar eine Tankstelle, aber die haben keinen Sprit, dieser wird „unter der Hand“ an die Freunde des hiesigen Chiefs gegeben. Wir haben noch ein langes Stück Weg vor uns und wollen auf Nummer sicher gehen. Ein junger Geschäftsmann aus Chipata hilft uns aus. Er hat sein eigenes Fass mitgebracht und hat etwas Reserve. Der Diesel auf dem Schwarzmarkt ist einfach zu gefährlich, da verschmutzt und/oder verdünnt. Wieder mal Glück gehabt.
 
Erneut schlagen wir uns in die Büsche, auf eine schmale, zugewachsene Piste entlang dem Sambesi. Wieder mal müssen wir Äste abhacken und absägen. Wir können es einfach nicht lassen. Doch diesmal schwören wir uns, ab jetzt mehr auf die Größe der Straße zu achten. Wir haben halt mal keinen Kleinwagen und gewisse Strecken sind für uns einfach tabu, auch wenn es schwerfällt.
 
CHITOKOLOKI
 
Vor hundert Jahren kamen ein paar Missionare aus Kanada von Livingstone in Richtung Norden den Sambesi hinauf gepaddelt und haben diesen wunderschönen Ort für eine Mission entdeckt. Sie nannten die Mission Chitokoloki. Angefangen hat alles mit einer Lepra- und Tuberkulosestation mitten im Busch an der Grenze zu Angola.
Heute ist Chitokoloki ein namhaftes Hospital und in ganz Sambia bekannt. Es wird von Freiwilligen der Organisation der CMML „Christian Missions in Many Lands“ geführt und vorangetrieben. Chitikoloki ist nachwievor „nur“ eine Mission aber mittlerweile extrem erfolgreich. Heute gibt es an diesem Standort insgesamt 3 Krankenhäuser mit insgesamt mehr als 350 Betten, 3 Operationsräume mit hervorragendem Equipment und eine angeschlossene Schule. Chitokoloki ist aber auch sozusagen die Zentrale für andere angeschlossene Missionen wie Lolomo, Chavuma, Kalene und Mambilima. Die Patienten und Ärzte werden im hauseigenen Flugzeug transferiert. Jeden Tag werden hier ca. 150 Patienten behandelt. Einige können danach die Klinik wieder verlassen, andere werden stationär aufgenommen. Die 350 Betten reichen bei weitem nicht aus, um alle Patienten unterzubringen. Es werden Matratzen zwischen die Betten gelegt, um alle Personen unterzubringen. Niemand wird abgewiesen und alles, jede Behandlung ist kostenlos. Lt. Gordon Hanna, dem kfm. Leiter der Mission werden hier im Busch mehr Operationen durchgeführt, als an der Universitätsklinik in Lusaka der Hauptstadt Sambias. Finanziert wird das Ganze durch Spenden, zum größten Teil Sachspenden, wie z.B. große Sattelzugaufleger, medizinische Geräte, Kleidung, Schuhe etc.
 
Es ist bewundernswert, was diese Menschen hier geleistet haben und leisten. Wir hätten noch Tage hier verbringen und den interessanten Geschichten zuhören können.
 
Wer sich mehr für diesen wunderbaren Ort an den Ufern des Sambesi interessiert oder helfen möchte, kann weitere Einzelheiten auf www. Chitokoloki.com nachlesen. Wer spenden möchte sollte sich via E-Mail direkt mit Gordon Hanna in Verbindung setzen.



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In die Flutebenen des Luena und des Sambesi
 
Die Tage in Chitokoloki waren wirklich ein Erlebnis. Den Krankenhausalltag im Busch so hautnah mitzuerleben war sehr beeindruckend.
Wir verlassen die Mission auf der recht guten Lehmpiste, den weiterführenden Weg durch den Busch tun wir uns nicht weiter an sondern nehmen die Hauptroute. Die Watopa Fähre bringt uns heil über den breiten Kapombo. Mit 65US$ ist die fünfminütige Überfahrt kein Schnäppchen, aber die einzige Möglichkeit.
 
Ab hier bewegen wir uns im Lad der Lozi. Durch die offenen Fenster hören wir die fröhlichen Rufe der Kinder „How are you? How are you?” Die Jugendlichen halten sich “cool” zurück und die Frauen und Mädchen lachen uns freundlich zu. In dem kleinen staubigen Ort Lukulu direkt an den Ufern des Sambesi gelegen, weht es uns bereits den Sand der Ausläufer der Kalahari Wüste um die Nase. Die meisten Lozi sind Fischer und leben zu dieser Jahreszeit, es ist Winter (Trockenzeit), hat ja nur 35 Grad im Schatten, auf den Sandbänken im Fluss. Das Nötigste, was man so täglich braucht, wie Feuerholz und Fischreusen, wird mit Ochsenkarren transportiert. Ochsen sind stark und können sich verlässlich in diesem Gelände bewegen. In der Nacht reihen sich die kleinen Lagerfeuer an den Ufern des Sambesi aneinander wie kleine Glasperlen. Die Gesänge der Menschen an diesen Feuern hören wir bis spät in die Nacht. Die Lozi sind sehr freundliche Menschen, ihre Lebensumstände sind schwierig.
 
Die Strecke durch die Flutebenen des Luena ist nur von April bis November befahrbar. Der Luena ist kein kleiner Fluss, dennoch versickert er in der Trockenzeit (Winter) in einer Art Delta. In der Regenzeit schwillt er an und vermischt sich mit dem, ebenfalls mehr Wasser führenden, Sambesi zu einem riesigen See. Geht das Wasser nach der Regenzeit wieder zurück, bleibt grünes, sehr saftiges Weideland zurück.
Das Nutzen natürlich die Landwirte unter den Lozi für ihre riesigen Rinderherden. Um den Boden nicht zu sehr auszulaugen, ziehen sie mit ihren Rindern alle 3 Monate weiter, sie leben als Halbnomaden. Das ist kein großes Problem, schließlich besitzen diese Menschen nicht viel und das Wenige passt auf entweder einen Ochsenkarren oder auf einen Lastenschlitten, der ebenfalls von Ochsen gezogen wird. Wenn das Wasser kommt ziehen sie sich auf kleine Anhöhen zurück und bewegen sich dann nur noch in Kanus fort.
 
Unsere Piste ist größtenteils sehr tief sandig. Wir finden einen schönen Übernachtungsplatz direkt am Sambesi. Sofort begrüßen uns die, in der Nähe wohnenden Menschen freundlich, erklären uns ein wenig über das Leben am und vom Fluss und fragen ob wir etwas brauchen. Was für eine Frage! Allein die Frage beschämt einen! Doch sie ist ernst gemeint. Wenn die wüssten, was in unseren Vorratsschränken alles zu finden ist. Höflich lehnen wir ab und nehmen erst einmal ein ausgiebiges Bad im Fluss. Am nächsten Morgen kommen sie wieder und bitten uns um ein paar Schmerztabletten. Bevor sie wieder ihrer Wege gehen, wünschen sie und noch eine gute Reise.
 
Der Luena versickert nicht immer komplett, immer wieder sehen wir Stellen, wo sich Wasser hält und es sumpfig bleibt. Und so kommt es, dass wir bald vor so einer sumpfigen Stelle stehen. Das Wasser vermischt mit der schwarzen Erde ergibt richtig schönen schweren Lehm. Das sumpfige Stück ist nicht lang, etwa 10 Meter. Wir könnten eine Umgehung suchen, nehmen dann aber, nach einer eingehenden Besichtigung, das Risiko auf uns und fahren durch.
 
Ein bisschen zu wenig Gas und zu wenig Schwung und schon ist es passiert. Wir stecken fest! Das Profil der Reifen ist dicht. Nichts geht mehr vorwärts. Jetzt heißt es graben, schaufeln. Zwei Frauen kommen entlang, sie sind eigentlich auf ihrem Weg Wäsche zu waschen. Beherzt greifen sie mit an, buddeln mit bloßen Händen im Lehm. Nach einer Weile kommen junge Männer. Woher? Keine Ahnung? Der Buschfunk funktioniert offensichtlich. Auch sie packen nach eingehender Betrachtung der Situation, begleitet von vielen „Aahs“ und „Oohs“ und stammessprachlichen Erörterungen, direkt mit an. Es wird gegraben und gebuddelt, ein Baum und einige Büsche werden gefällt. Gemeinsam kommen wir gut voran. Mit Hilfe von Hebekissen heben wir den LKW an, um das Material so gut es geht unterbauen zu können. Auf dem nassen Untergrund kein einfaches Unterfangen, der durchweichte Boden gibt ständig nach. Nach vier Stunden bewegt sich der LKW ein wenig. Jetzt schieben wir alle noch einmal kräftig und wir kommen frei.
 
Gute Arbeit! Bei 37 Grad im Schatten haben wir alle schwer geschuftet und jetzt sind wir geschafft. Die große Wasserschüssel macht mehrmals die Runde, um den Durst zu löschen. Alle schauen wir aus wie die Schweine, total lehmverschmiert. Doch alle freuen sich. Natürlich bedanken wir uns und belohnen unsere Helfer. Zum ersten Mal haben wir keine Diskussion oder Forderungen nach Mehr. Die Menschen haben einfach geholfen! Es war ein tolles Erlebnis!



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Gerade hier im Westen ist der Tribalismus noch sehr stark ausgeprägt, es herrschen die Chiefs und natürlich wollen die nur das Beste für ihre Stämme. In Limalunga erreichen wir nach zwei Tagen wieder eine Teerstraße. In dem kleinen Örtchen ist der Sommerpalast des Lozi Königs. Per Barkasse zieht er jährlich nach der Regenzeit in einer großen Zeremonie, der „Kuomboka“, mit Hofstaat und Familie in seinen Winterpalast um. Vor 17 Jahren waren wir schon mal hier. Wir erinnern uns vage, es hat sich wenig verändert.
 
Wir fahren weiter nach Mongu, der bedeutendsten Stadt im Westen. Die etwas vernachlässigt scheinende Stadt liegt auf dem Hochufer des Sambesi am Rande der Barotse Flutebenen. Das Gebiet ist ca. 13000 km² groß und steht von Februar bis April komplett unter Wasser. Früher ging es, zumindest mit dem Auto, nicht über den Hafen von Mongu, da wo die kleinen Boote aus den Plains mit ihren Waren ankommen, bzw. die Waren abholen, hinaus. Wer weiter nach Westen wollte, musste mit dem Ochsenkarren, mit dem Boot oder zu Fuß weiterziehen. Jahre später haben wir von einer Piste erfahren, die in der Trockenzeit zu befahren sei. Heute baut man eine große Straße nach Kalabo in den äußersten Westen des Landes, um den Menschen einen wirtschaftlichen Anschluss zu ermöglichen. Noch vor der Regenzeit soll die Straße durch die, von Kanälen durchzogene, Flutebene fertig sein. Kalabo, die westlichste Ansiedlung, ist überraschend aufgeräumt und großflächig. Hier befindet sich das Parkoffice des Liuwa Plains Nationalpark.
 
Nur ein Fluss, der Luanginga, trennt uns noch von dem Nationalpark. Eine kleine handbetriebene Fähre bzw. ein Pontoon überbrückt den Fluss. Doch die trägt maximal 5 Tonnen. Ups! Das funktioniert für uns nicht. Am nächsten Morgen haben wir die Chance mit dem Parkmanager persönlich zu sprechen. Er wurde in der Nacht telefonisch über uns informiert. Es hieß, es seien Weiße da, mit einem großen Truck, die sicher Wild stehlen wollen. Was sonst soll so ein LKW hier? Natürlich war auch er neugierig, uns zu treffen.
Wir erfahren von einer Wasserdurchfahrt, etwa bauchtief, das wäre für uns möglich. Doch dann erzählt er uns, dass die Strecken am anderen Ufer sehr tiefsandig sind. Sogar die Toyotas lassen ihren Reifendruck auf 1,5 bar ab und müssen dann mit aller Kraft zusehen, wie sie vorankommen. Das wäre eventuell auch noch machbar. Wir müssten, da wir einiges breiter sind, eine neue Spur fahren.
Doch dann gibt uns der Parkmanager „den Rest“, in dem er uns erklärt, dass der Nationalpark von einem dichten, baumbestandenen „Gürtel“ umgeben sei, durch den wir nicht durchkommen würden. Wir sind einfach zu hoch, maximal drei Meter wären machbar. Es gibt weder eine Möglichkeit einen Wagen zu mieten, noch eine Mitfahrgelegenheit. Für uns gibt es einfach keine Möglichkeit den Park zu besuchen.
Enttäuscht sitzen wir am Ufer und schauen den Einheimischen zu. Gerade jetzt findet in den Liuwa Plains die zweitgrößte Wildtiermigration nach der Serengeti statt. Die großen Gnuherden, begleitet von tausenden Zebras, kommen bereits aus dem Norden. Und, die offene Landschaft, des am schwersten zugänglichen Nationalparks Afrikas, soll einzigartig sein.
 
Zerknirscht sehen wir ein, dass wir dieses Mal keine Chance haben und packen unsere Siebensachen, um uns auf den Weg zurück nach Mongu zu machen.
 
Von dem freundlichen Manager erfahren wir auch, dass die neue Straße der Lusaka-Luanda-Highway werden soll. Es ist bereits der vierte Versuch, in diesem schwierigen Gelände eine Straße zu bauen. Diese Route soll den Hafen von Angola, Luanda, mit der Hauptstadt von Sambia, Lusaka, verbinden und die Transitwege erheblich verkürzen. Für die kleine Stadt Kalabo, sie würde sozusagen Grenzstadt werden, und den Nationalpark hätte das nicht nur Vorteile. Prostitution, Kneipen, Aids, Wilderei usw. würden zunehmen, das befürchten die Menschen, die hier leben. So gibt es in Kalabo Einige, die sich wünschen, dass das Projekt erneut scheitert.



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