Reisebericht Südafrika Teil 2 - Weltenbummler Shumba - Weltreise mit dem Allrad Reisemobil

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Reisebericht Südafrika

Teil II


Osten und Lesotho


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Teil II >  Punta d'Ouro - Tela Bridge      07.01.-30.01.2017           2.347 km

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Der Grenzübergang nach Südafrika ist problemlos. Die Mozambikaner machen Witze und die Südafrikaner nehmen ihre Sache „sehr“ ernst. Und, wenn wegen Ende der Weihnachtszeit nicht soviel los wäre, wären wir wahrscheinlich innerhalb einer halben Stunde durch.

Ab hier ist Teerstraße und das ist gut so, denn es regnet. Die Strecke in Richtung Süden, durch das Maputo Land ist langweilig, wir fahren durch Wald- und Farmgebiete und vorbei an kleinen gepflegten Einfamilienhäusern mit sauberen Vorgärten, aber wir wollten ohnehin etwas Strecke machen.

Unser Ziel ist der Hluhluwe-Imfolozi Nationalpark, für uns einer der schönsten Nationalparks in Südafrika. In diesem landschaftlichen Highlight gibt es die „Big 5“ und viele Nashörner, welche wir ausgiebig beobachten können. 2 Tage „streunen“ wir in dem Park umher, um ihn dann im Westen in Richtung der Kleinstadt Ulundi zu verlassen. Schön ist es hier.

Eine hügelige, saftig grüne Landschaft, in der sich viele kleinere Streusiedlungen verteilen, bunte Häuser, gestrichen in lustigen Farben, wie hellgrün, rosa, orange, hellblau, stechen richtig hervor, und bei jedem Wohnkomplex gibt es auch noch die traditionellen Rundhütten. Alles macht einen guten Eindruck. In der Regel sind es Steinhäuser in gutem Zustand, es wird viel gebaut. Die Menschen sind sauber und ordentlich gekleidet, die Bevölkerung scheint ihr Auskommen zu haben. Ebenso sind die Straßen in hervorragendem Zustand. Es fällt auf, dass wir kaum weiße Gesichter und auch keine riesigen Farmen sehen, und bis auf die vielen kleineren Schutzgebiete ist alles offen zugänglich und nicht eingezäunt. Weite Eukalyptus- und Zuckerrohrplantagen überziehen die hügelige Landschaft.

Wir sind mitten im Zulu Land, auf historischen Pfaden. Ulundi ist Hauptsitz der Zulus. Die Zulus haben sich ernste Kämpfe mit den britischen ehemaligen Königreich und den Buren geliefert. Auch heute noch gibt es einen König, ohne Regierungsgewalt, doch eine sehr angesehene und einflussreiche Person.

So erreichen wir die kleine Stadt Eshowe. Nachdem wir unsere Vorräte aufgefüllt haben, besuchen wir das alte Fort und Museum. Die dortige Ausstellung der Korb und Töpferei Kunst der Zulu ist sehr interessant. Direkt außerhalb auf einem Hügel bei einer Kirche finden wir einen tollen Schlafplatz mit 360° Rundumsicht. In dem kleinen Dorf ist der Chief auch schnell gefunden, um zu regeln, ob wir bleiben dürfen.

Eine fantastische Bergstraße, mit grandiosen Ausblicken führt uns am nächsten Tag weiter in die weite Landschaft der Zulus, vorbei an kleinen Weilern, die an den steilen grünen Hängen gebaut sind, winkenden Menschen am Straßenrand. Was für ein schönes Land! Kurz vor Kranskop erreichen wir eine Hochebene, Ausblicke soweit das Auge reicht, über ewig weite Zuckerrohrfelder. Die ganze Ebene ist davon überzogen.

Wir biegen von der Hauptstraße ab in die Wälder und finden auf einer Lichtung einen schönen einsamen Schlafplatz. Bei der kleinen Stadt Mooi River beginnt das Farmland. Riesige Flächen werden bewässert für Mais, Kartoffeln oder aber für die Viehzucht. Große Rinderherden durchstreifen die Hügel. Hier ist eben alles etwas größer und weit flächiger.
 
Es ist daher nicht verwunderlich, daß sich in der Stadt Estcourt vieles um Fleisch, Obst und Gemüse dreht angesichts der großen Farmen. Das Stadtbild, in dem durchaus schöne alte erhaltene Kolonialhäuser stehen, wird leider ruiniert von der alles überragenden Fabrik der Firma Nestle.
 
In den ländlichen Gebieten beobachten wir immer wieder, dass Frauen oder Kinder an zentralen Wasserstellen oder direkt an einem Wassertankwagen, der regelmäßig die Dörfer anfährt, das Wasser in Kanistern oder Eimern holen. Es gibt auf dem Land keine Wasserleitungen, sogar in den Städten ist eine Versorgung nicht immer gewährleistet. Was uns sehr stört, ja fast schon geschockt hat, ist die Müllsituation. Vor den Städten sieht man gelegentlich Müllhalden und eventuell auch Mülleimer in den Städten, doch auf dem Land gibt es nichts davon. Als Folge wird der Müll über den Zaun geworfen oder die Entsorgung via PKW Transport in die Natur erledigt und das nicht nur in Einzelfällen. So sauber es vor den privaten Häusern ist, so schmutzig ist es in abgelegenen Straßen oder in den Wäldern. Es ist schrecklich.


Wir sind spät als wir in den berühmten Drakensbergen ankommen. Und so fragen wir auf der Suche nach einem Schlafplatz bei dem Chinesischen Restaurant Lihong, bei Lihong und Pierre, nach, ob wir für eine Nacht hier stehen dürfen. Natürlich kein Problem, sehr nett zeigen die Besitzer uns eine Stelle und dazu gleich einen Grillplatz, den wir nutzen dürfen. Auch der farbige Angestellte, der hier schläft wird uns vorgestellt und soll uns helfen, wenn wir etwas brauchen.
Am nächsten Morgen werden wir auf ein original chinesisches Frühstück mit gebratenen Nudeln und Suppe süß sauer mit Jasmin Tee eingeladen. Da das Wetter recht schlecht ist, fragen wir ob wir noch eine Nacht bleiben dürfen. Auch das ist kein Problem. Pierre weist uns nur daraufhin, dass am Abend der Stammtisch der lokalen Farmer hier stattfindet und es etwas laut werden könnte. Er hofft, dass uns das nicht stört.

Trotz des starken Regen kommen am Spätnachmittag tatsächlich 5 Farmer aus der Umgebung und es wird ein absolut interessanter und geselliger Abend. Seit 45 Jahren treffen sich die Farmer der Umgebung hier in dieser „Kneippe“. Noch nie ist ein Stammtisch ausgefallen. Ein 76 Jahre alter Farmer erzählt uns von seinen Auslandsreisen nach Russland und Indien, und sie diskutieren ihre Jagderlebnisse. Und natürlich ergeben sich zu späterer Stunde auch Gespräche zu der Situation im eigenen Land. Jolly, der heute an der Reihe ist, den Abend auszurichten, gibt ganz unumwunden zu, dass es sehr einfach ist, in Südafrika zu leben. Es gibt keine Regeln, letztlich macht jeder was er will. Jolly ist Milchbauer mit 800 Rindern auf 5000 ha Land. Sie leben in kolonialen Verhältnissen, wie er es nennt, beschäftigen zwei Hausmädchen und einen Gartenboy, der jeden Tag auch die Autos wäscht. Das Wasser kommt aus der farmeigenen Quelle, der Verbrauch spielt also keine Rolle. Er erzählt auch, dass er sich durchaus Gedanken macht, wohin er mit seiner Familie auswandern könnte, wenn es im Land zum Schlimmsten kommt, à la Zimbabwe. Doch Australien oder Neuseeland kommen für ihn nicht in Frage, dort gibt es zu viele Gesetze und Regeln, Europa ist zu eng und zu teuer. So bleibt eigentlich nur USA, als Land der unendlichen Möglichkeiten, doch jetzt kommt Trump und es ist schwer abzusehen, wie es sich dort entwickelt.

Und hier in Südafrika ist ihre Heimat und den Luxus, den sie hier haben, können sie sich woanders kaum leisten. Also hofft man auf die nächsten Wahlen, und dass sich danach vielleicht doch etwas zum Besseren ändert. Auch die schwarze Bevölkerung ist unzufrieden. Die Menschen leben unterdrückt und in Armut. Der ANC verspricht vor jeder Wahl fließendes Wasser, Elektrizität und Schulen, doch nach der Wahl passiert nichts. Die Leute werden gezielt „dumm gehalten“, sie haben kein Geld für private Schulen und die staatlichen Schulen sind einfach zu schlecht, die Lehrer sind zu schlecht ausgebildet. Dazu kommt, ein vom Staat subventioniertes Bevölkerungswachstum, da für jedes Kind Geld bezahlt wird. Folglich ist es nicht notwendig, sich um einen Job zu kümmern, Kinder bringen Geld. Dass damit eine langjährige Verantwortung und Verpflichtung verbunden ist, wird ausgeblendet, das sehen die Betroffenen, wenn überhaupt, viel zu spät. Würde man dieses Kindergeld jedoch abschaffen, würde es zur Revolte kommen. Für viele Familien ist es das einzige Einkommen.

Am nächsten Morgen regnet es immer noch wie aus Eimern und dazu kommt, dass Klaus schreckliche Kreuzschmerzen hat, er kann sich kaum bewegen. An Weiterfahren ist unter diesem Umständen nicht zu denken.

Nach fünf Tagen verlassen wir Lihong & Pierre, Klaus fühlt sich wieder etwas besser und so gehen wir es, auch angesichts der Wettervorhersage, langsam an. Es regnet nicht mehr, die Sonne kommt hin und wieder durch, gute Bedingungen für einen Ausflug ins Champagne Valley.



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Weite Felder, wunderschön gepflegte Farmen und Gästehäuser, dazwischen immer wieder die einfachen Häuser der schwarzen Bevölkerung. Im Hintergrund die Bergkette der südlichen Drakensberge. Es ist eine großartige Landschaft. Weiter fahren wir in Richtung Norden, in den Royal Natal Nationalpark, hinein in diese wunderschöne Wanderregion. Leider kann Klaus immer noch nicht richtig gehen, so wandere ich alleine los in diese fantastische Bergwelt.

Jeden Abend checken wir den Wetterbericht und er verheißt nichts Gutes. Es soll acht Tage regnen. Manchmal ist es wie verhext, Klaus hat in den Bergen wegen seiner Kreuzschmerzen sechs Tage nichts unternehmen können, und jetzt wo er wieder einigermaßen auf den Beinen ist, wird das Wetter schlecht. Es ist ein Strich durch unsere Pläne.
 
Um die letzten Sonnenstrahlen zu nutzen stehen wir früh auf und fahren auf Nebenstraßen entlang der Drakensberge wieder in Richtung Süden. Es ist eine schöne, sich lohnende Strecke. Die Straßen sind größtenteils geteert, und wenn nicht, sind auch die Schotterstraßen gut zu befahren. In jedem Fall sind die Ausblicke grandios.

In den beschaulichen Städten Himeville, bzw. Underberg stocken wir erneut unsere Vorräte auf.

Unser Ziel ist es, das Königreich Lesotho über den berühmten Sani Pass, diesen wunderschön gelegenen, steilen Pass zu erreichen. Vor 17 Jahren sind wir diese Strecke mit den Motorrädern gefahren und haben tolle Erinnerungen. Heute ist die Anfahrt von Himeville bis kurz vor der Grenze geteert und man erzählt, dass der ganze Pass bis hinauf nach Lesotho geteert werden soll. Leider regnet es am Abend schon wieder. Wir fahren bis kurz bevor die Steigung beginnt, bis an das Ende der Teerstraße. Und ab hier ist der Untergrund bereits schon wieder sehr aufgeweicht und schlammig. Wir verbringen die Nacht vor Beginn der Steigung, sicher ist sicher. Die Entscheidung war gut so. Die ganze Nacht hat es geregnet, es ist noch schlammiger geworden.

Alles ist eingehüllt im Nebel. Ein Gespräch mit einem Angestellten der Nationalpark Conservation bestätigt was wir denken. Er meint die Straße sei insgesamt zurzeit sehr schlecht und durch den vielen Regen sehr ausgewaschen. Doch dazu kommt, dass heute Samstag ist, und viele Abenteuerlustige zu einem Wochenendausflug hierher kommen. Viele wollen den Pass (noch) gefahren sein bevor er geteert wird. Es ist eines der letzten Abenteuer in Südafrika und ein Ausflugsziel geworden. Noch ein Grund mehr, ihn so in der Erinnerung zu behalten, wie er war.

Unsere Entscheidung steht fest, wir werden den Sani nicht fahren. Wir werden auf „normaler Straße“ die Berge des kleinen Königreiches erklimmen.

Wir fahren durch dünn besiedeltes Farmland in Richtung Süden. Die Seen, die Flüsse, die Dämme, alles ist voll. Es ist eine gute Regenzeit. Auch in den Zeitungen lesen wir, dass die Dürrejahre endlich überstanden sind, zumindest in diesem Teil Südafrikas. Eine gut ausgebaute Bergstraße führt hinauf nach Quachas Nek. Wir übernachten in den Bergen vor der Grenze nach Lesotho mit einem sagenhaften Blick hinunter in das Farmland.

Der Grenzübergang nach Lesotho bei Quachas Nek, ist klein und einfach. In kurzer Zeit erhalten wir unsere Visastempel, bezahlen die 90 Rand Straßengebühr und können weiter. Direkt nach der Grenze ist der Ort mit einfachen Läden, Tankstelle und ATM, der allerdings auch Südafrikanische Rand „ausspuckt“. Es lohnt sich in jedem Fall in Lesotho zu tanken, der Diesel ist um Einiges günstiger.


Der Grenzübergang nach Lesotho bei Quachas Nek, ist klein und einfach. In kurzer Zeit erhalten wir unsere Visastempel, bezahlen die 90 Rand Straßengebühr und können weiter. Direkt nach der Grenze ist der Ort mit einfachen Läden, Tankstelle und ATM, der allerdings auch Südafrikanische Rand „ausspuckt“. Es lohnt sich in jedem Fall in Lesotho zu tanken, der Diesel ist um Einiges günstiger.

Auf den ersten Kilometern in Lesotho sind wir sehr positiv überrascht. Wir befinden uns auf einer sehr guten Teerstraße und fahren an guten, durchwegs neueren, Steinhäusern, mit Toiletten davor, vorbei. Die früheren armseligen Hütten sind diesen Häusern gewichen. Dort, wo die steilen Berge es zulassen sind terrassenförmig Felder angelegt.

Dann klatschen erneut wieder erste Regentropfen an unsere Frontscheibe. Innerhalb von einer Stunde ist der morgendliche wolkenlose blaue Himmel verschwunden.

Die nagelneue, super ausgebaute Bergstraße, vom Feinsten, ermöglicht es uns, auch bei ins Landesinnere abzubiegen. Auf abenteuerlichen Steigungen, über Serpentinen und enge Kurven erklimmen wir das Hochland von 1.540m hinauf auf 2.755m und blicken in tiefe Flusstäler in Richtung Semonkong.

Es ist sehr einfach in Lesotho zu reisen. Am Morgen ist es problemlos möglich noch vor dem Frühstück einfach in diese fantastische Bergwelt loszuwandern.

Die jungen Hirten, die natürlich schon lange vor uns mit ihren Tieren auf den Weiden unterwegs sind, haben Freude mit uns und wir mit ihnen. Schon die Kleinen verantworten Kuhherden mit ausgewachsenen Bullen darunter. Mit komischen Geräuschen, pfeifen und gurgeln halten sie die Herden zusammen. Doch womit heizen die Menschen im Winter, wir sind längst über der Baumgrenze, weit und breit gibt es kein Holz. Es kann eigentlich nur Dung sein.

Kurz nach Semonkong sehen wir einen umgekippten LKW auf der Straße liegen. Seine Ladung Ziegel liegt verstreut umher und der verzweifelte LKW-Fahrer stoppt uns. In knappen Worten erklärt er uns, dass er während der Abfahrt nicht mehr runterschalten konnte und sein LKW dann in der Kurve umgekippt ist. Gott sei Dank ist ihm und seinen Mitfahrern nichts passiert. Er bittet uns, ihm zu helfen, den LKW wieder aufzustellen. Natürlich helfen wir! Als der LKW wieder steht, springt er sofort wieder an, fahrtüchtig ist er also noch, doch ziemlich verbeult. Der Fahrer hat Angst vor seinem Boss, doch er ist froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Er weiß nicht recht, was er sagen soll und bedankt sich noch einmal. Alles ist gut.

Das oft als rückständig bezeichnete Lesotho hat sich gemausert. Der Unterschied zwischen den Hirten, eingehüllt in Decken und modern gekleideten Menschen ist deutlicher geworden und sehr oft blitzen auch bei den Hirten unter den Decken moderne Jeans hervor. Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es auch arme, in zerfetzten Kleidern herumlaufende, Menschen gibt.
Kurz hinter Nazareth bleiben wir auf einer Passhöhe in der Nähe einiger Hütten stehen und machen eine Wanderung. Als wir zurückkommen, kommen auch die Hirten mit ihren Schafen, Ziegen und Kühen zurück. Es sind junge Männer eingewickelt in ebensolche Decken, mit denen wir ins Gespräch kommen. Einige sprechen Englisch, schlecht, aber immerhin. Insgesamt mehr als 600 Tiere verantworten sie. Sie erzählen vom Winter, dass sie gerne hier oben sind und, dass die jüngeren Geschwister zur Schule gehen und deshalb nicht mehr helfen können.

Am nächsten Morgen blitzt und donnert es und es regnet stark. Eingewickelt in ihre dünnen Decken kümmern sich die jungen Männer um das erschrockene Vieh, passen auf, dass alle beisammen bleiben. Erst spät, der Regen ist nicht mehr so stark, ziehen sie mit ihren Herden wieder los auf die umliegenden Weiden. Es ist täglich derselbe Ablauf und das bei jedem Wetter. Um 18:00 Uhr kommen sie wieder zurück. Wir verbringen diesen regnerischen Tag gemütlich im Warmen und bevor wir am nächsten Tag aufbrechen machen wir noch einmal eine Wanderung in die Berge zu den Hirten. Wie immer fragen sie um Geld, Zigaretten und Süßigkeiten, ganz selten fragen sie nach etwas zu essen.


Über eine kurvenreiche Bergstraße mit dem klingenden Namen „God Help Me Pass“ oder „Blue Mountain Pass“ geht es für uns weiter ins Landesinnere.

Im Hochland führen die Menschen ein entbehrungsreiches Leben. Trotz der vielen Sonnentage im Jahr ist es ein raues Klima und im Winter ist es ungemütlich kalt und es schneit. Das raue Klima, die Höhenlage stellen an das Leben besondere Anforderungen, die Versorgung ist mittelprächtig, Alkoholkonsum ist ein großes Problem. Viele der Menschen sind ernst und verschlossen, es ist teilweise nicht einfach mit ihnen in Kontakt zu kommen. Andere wiederum sind offen und zugänglich, kommen lachend direkt auf uns zu.

Thaba Tzekha ist eine größere Stadt. In einem Berufsschule können wir unseren Wassertank füllen und kommen dabei in ganz informative Gespräche mit der jungen Bevölkerung. Es ist das einzige Berufsausbildungszentrum in Lesotho und viele kommen von weit her um hier Metall- oder Lederverarbeitung oder auch Landwirtschaft zu erlernen. Mit dieser Ausbildung so hoffen sie, können sie sich selbständig machen oder im nahen Ausland, in der Regel in Südafrika, einen Job finden. Die Möglichkeiten im eigenen Land sind leider beschränkt.

Gleich hinter der Stadt endet die Teerstraße, eine gute Allwetterpiste führt weiter zu dem beachtlichen Katse Staudamm. Wir nehmen an einer Staudamm Tour Teil. Erinnerungen kommen hoch. Vor 17 Jahren haben wir diese Tour schon einmal gemacht, sie ist sehr interessant.

Der Katse Damm versorgt Südafrika mit Wasser und Lesotho mit Strom. Es sollen noch zwei weitere Täler gestaut werden, dann wäre das Land auch in der Lage Strom zu verkaufen.

Unser Guide empfiehlt uns die Forellen aus dem See und schickt uns zum Großhandel. Dort erfahren wir den Namen des Ladens im Ort wo wir die Forellen einzeln, bereits gefroren, kaufen können. Wir erstehen sechs schöne Regenbogenforellen. Es ist die beste Forelle, die wir je gegessen haben! Am nächsten Morgen fahren wir gleich noch einmal zu dem Laden und kaufen noch einmal drei große Forellen. Solche bekommen wir so schnell nicht mehr!

Und wieder fängt es zu regnen an, ergo bleiben wir auf der sicheren Teerstraße, die uns weg von dem riesigen Damm hinauf in die Berge führt. Diese durchwegs großartige Kulisse lässt einen klein werden. Auf der Passhöhe des Mafiku Lisiu Pass‘ bleiben wir auf 3100 m im Regen und im Nebel stehen. Es wird mit 6° eine kalte Nacht.

Am nächsten Morgen, wir wollen gerade los zum Wandern, klopft es an der Tür. Was soll das denn? Doch es sind Doris und Manfred aus Augsburg. So eine Überraschung! Seit ein paar Tagen sind sie erst wieder aus Deutschland im Lande und finden uns hier oben in Lesotho! Mann, ist die Welt klein. Es gibt Einiges zu erzählen und so machen wir es uns bei Kaffee drinnen gemütlich. Erst um 14:00 Uhr trennen sich unsere Wege fürs Erste wieder.

Mittlerweile ist der königliche Stab auf den Parkplatz gefahren. Die Königin ist auf einer Wanderung und wird hier in etwa 2 Stunden erwartet, man muss rechtzeitig vor Ort sein. Die Königin lässt auf sich warten. In einem Gespräch mit einem Angestellten erfahren wir Einiges über die Regierungspläne. Der nächste Schritt so sagt er, ist es die Berufsausbildung zu ermöglichen. In Thaba Tzeka gibt es hierfür bereits ein Technical College, dort lernen junge Menschen die Lederverarbeitung, die Landwirtschaft und die Metallverarbeitung. Na so was, da waren wir doch!

Eine nagelneue perfekt ausgebaute Teerstraße führt von der Passhöhe nach unten. Jeden Kilometer dieser fantastischen Pass-Straße nach unten in Richtung Hauptstadt, Maseru, wird es wärmer, die Sonne strahlt, die Landschaft, ich wiederhole mich, sie ist einfach fantastisch! Das Umland ist Agrarland. In Maseru angekommen, ist der Anschluss an die globale Welt gut zu erkennen, Woolworths, Shoprite, Pep, etc. Niederlassungen der großen südafrikanischen Ketten, sie sind fast alle hier vertreten.

Maseru ist keine Schönheit, daher durchqueren wir die Stadt in Richtung Süden und bleiben außerhalb irgendwo an einem Feld stehen für die Nacht. Zwei Jugendliche, die Kühe hüten, trauen sich zu uns und es beginnt ein interessantes Gespräch. Schüchtern aber durchaus selbstbewusst fragen sie nach woher wir kommen. Ja, Deutschland, das haben sie schon mal gehört. Thomas Müller ist ihnen ein Begriff. Beide gehen auf die High-School in einer naheliegenden Stadt. Der eine will Arzt werden, der andere Sozialarbeiter. Am Sonntag, so erzählen sie, helfen sie in der Familie, indem sie Kühe hüten. Während der Woche beschäftigt die Familie gegen Monatslohn einen Hirten. Sie haben ein bzw. zwei Geschwister, die Familien in Lesotho sind kleiner als im sonstigen Afrika, es gibt weniger Kinder. Beide klingen etwas verzagt, denn sie sehen wenige Jobmöglichkeiten in ihrem Land. Aus diesem Grund wollen sie ins Ausland, am liebsten nach Europa, und wenn das nicht geht, dann wenigstens nach Südafrika.

Solange es unsere Streckenplanung zulässt, bleiben wir in Lesotho, ganz einfach weil die Dieselkosten hier günstiger sind. Doch so langsam nähern wir uns dem Grenzposten Tela Bridge, über den wir das kleine Königreich Lesotho, dieses schöne, friedliche und sichere Reiseland in Richtung Südafrika verlassen.

Wir trennen uns schwer von den netten Menschen mit denen wir so leicht in Kontakt gekommen sind. Das Land ist auf einem sehr guten Weg, es scheint eine Vision und einen Plan zu geben. Wir jedenfalls drücken Lesotho ganz fest die Daumen und hoffen, dass die Traditionen auch darin Platz finden werden.

Tsamea ka khotso oder Hamba Kahle – Auf Wiedersehen, Lesotho



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